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Der Israelit · 1876-03-15 · Heft 11 (15.3.1876) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 11 (15.3.1876)
Date
1876-03-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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mungen sich in gleicher Weise auch auf die Israeliten erstrecken. Die Anglo-Jewish-Association und das Central - Comitö sind in dieser Sache thätig. Uebrigens ist, wie es scheint, das neue Decret des Sultans, das sich in allen Angelegenheiten von den aufgeklärtesten und freisinnigsten Grundsätzen beseelt zeigt, vollkommen geeignet, alle Vorurtheile zu beseitigen; dasselbe verheißt allen nicht muselmännischen Bevölkerungen eine gleiche Behandlung. Die Israeliten von Persien. — Nach Mitteilungen aus Bagdad soll zu Azandran, einer 10 Meilen von Hamadan entfernten Ortschaft, ein Israelit ermordet worden sein. Die Israeliten dieser Stadt haben sich an Se. Majestät den Schah gewendet, der sofort befahl, die Schuldigen nach Teheran transportiren zu lassen, wo sie abgeurtheilt werden sollen. Die Details fehlen noch.' — H. Czazös, Direktor der Schule von Smyrna, hatte den guten Einfall, die in dem neuesten Semesterbericht über die Schulen der Alliance enthaltenen Mittheilungen zu resumiren; es geht aus denselben hervor, daß die Alliance zu Anfang des laufenden Jahres 26 Knaben - und Mädchenschulen hatte mit 2547 Zöglingen, von welchen 1147 Freischüler und 1400 zahlende waren. H. Cazes berechnet, daß demnach durchschnittlich jährlich 287 Zöglinge, die diese Schulen verlassen, bessere Ideen und nützliche Kenntnisse in das Leben mitbringen. Feuilleton. Kildcr aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) Achtes Capitel. . Die ganze Lebensweise der Juden jener Zeit war eine sich den religiösen Pflichten völlig und vollständig unterordnende. Freitag Nachmittag waren Budweiser und seine Frau zu Hause beschäftigt, die letzten Vorbereitungen zum Sabbat zu treffen. Budweiser, bevor er in dieMikwe*) ging, machte die Dochte und füllte die Lampe mit Oel. Die Frau nahm eine scharfe polizeiliche Streifung nach Staub vor, und befestigte dann Vorhänge an den Fenstern, und während sie sich so beschäftigten, plauderten die Eheleute so über Dieses und Jenes.! „Es ist Alles schön und gut," sprach Budweiser, einen Docht mit der befeuchteten Hand auf seinem Knie hin- und herwälzend, „ich Hab' e gewaltig großen Nacbes"), daß Simon Rakonitz unser Aden werden wird, daß er ein braver Mensch is, Charakter hat, sich von seinem Vater nicht hat abwendig machen lassen, und auf unser zuckrig Kind warten will — daß er sie gern hat — und sie ihm — aber weißt Du, Bele, mein Kind, e noch größere Raches hält' ich, wenn ... ich unseren Kindern eine Familiennummer schaffen könnt' — denn genau angesehen — was nützt Alles, — wenn sie nicht zum Heirathen kommen . . ' Bele, mein Kind, was soll mir die Narrischkat'), das Golus^) is gewaltig groß! , . ." „Es wird sich ja doch noch eine Familie finden, gewiß," besänftigte Bele. Budweiser zuckte die Achseln. „Ich hoff' zu Gott und thu' was ich kann. David Zehnthomer, dem Gassen Meschores, chab' ich einen goldenen Dukaten versprochen, wenn er mir gleich Nachricht von einer Nummer bringt, die frei geworden ist — aber er pflegt jetzt selbst nichts zu erfahren, man macht bei Kohol^) jetzt einen großen Szod daraus . . „Weißt Du, an was mich das erinnert?" meinte Bele, „wie wir selbst eine Familiennummer gebraucht haben ... da hast Du ihm auch für die Nachricht Geld versprochen, er is auch richtig gekommen, Dir's zu melden, aber damals hat sie uns — Jakow Wodolka weggeschnappt." Die Frau war eben beschäftigt, einen Vorhang an das Fenster zu befestigen und war auf einen Stuhl gestiegen, plötzlich hielt sie inne, ward feuerroth und rief: „Moscheleben! — wer meinst Du watschelt ganz wichtig über den Hof? . . . David Zehnthomer .... er kehr'") so Nachricht von einer Nummer bringen. Budweiser antwortete nicht. Es schien ihm zu sonderbar, daß gerade in dem Momente, wo er einen Wunsch hegte, dieser sofort in Erfüllung gehen sollte. — Einige Zeit darauf trat, die Thüre sperrangelweit öffnend, der Gassen Meschores David Zehnthomer ein. Es war dies ein mittelgroßer Mann von nahezu siebzig Jahren, der aber, weil er nnverhältnißmäßig breit und corpulent war, fast klein erschien. Auf einem kurzen dicken Halse 2) Bergungen. 3) eittc eigenthümliche Redensart, so viel als: ich muß cs gestehen. 4) Truck. 3) (^eheimniß. 6) sollte. 1) das Bad.

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