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Der Israelit · 1876-03-15 · Heft 11 (15.3.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 11 (15.3.1876)
Date
1876-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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240 „Der Vater belohnt den Tölpel noch," sagte Binjamin schmollend. Carolina beachtete den Einwurf nicht. „Kinder," sagte sie zu den beiden Knaben, „kommt ins Haus! Ihr habt ja noch nicht gefrühstückt." Philipp Hirschfeld ließ seine Kalesche anspannen; er wollte mit seinem Vetter eine Spazierfahrt rn den AZatv machen. Pytllpp fuhr setvp; die beiden Vettern waren allein. „Mir deucht," sagte David, „Du müßtest „Mir deucht," sagte David, „Du müßtest Deinen Jungen besser' erziehen. Daß er die Knechte mit der Peitsche tractirt, gefällt mir nicht. Ich habe das noch von keinem jüdischen Kinde gesehen." Philipp lachte. „Was das anbetrifft," sagte er, „so ist es mir und meiner Frau gerade recht, daß er in Sitten, Manieren, überhaupt in seinem Benehmen nichts Jüdisches hat. Er soll Offizier werden und da will ich ihn zuvor taufen lassen." „„Da sei Gott vor! Ich bitte Dich, ist das Dein Ernst?"" „Freilich. Sieh, was soll der Junge werden? Kaufmann, Banquier? Wozu? Er wird einst Geld genug haben. Mein Vater gilt allgemein für reich. Er ist noch reicher als man glaubt. Wi,r haben jüngst Inventar gemacht Trotz der sehr niedrigen Preise des Bodenwerthes — wir schreiben 1852 und die Preise haben sich seit 48 noch nicht recht erholt — trotzdem wir also unfern Grundbesitz nur sehr niedrig angeschlagen haben, beläuft sich meines Vaters Vermögen auf eine Million und achtmalhunderttausend Gulden." David saß wie erstarrt; für so. reich hatte er seinen Onkel nicht gehalten. „Eine Million und ochtmalhunderttausend Gulden." wiederholte er. „Und trotzdem befindest Du dich, wie Du mir vorhin sagtest, in Geldverlegenheiten, kannst mir die lumpigen tausend Gulden nicht borgen, die mir aus der Verlegenheit helfen würden?" ..„So ist es! Mein Vater hält mich sehr knapp. Außerdem, was dies Gut einträgt, bekomme ich nur fünftausend Gulden jährlich. Ich bitte Dich, fünftausend Gulden! Wie weit kann ich damit reichen? Ich habe also Schulden gemacht, habe Hypotheken auf dieses Gut eintragen lassen, die dessen Werth übersteigen. Man lborgt mir gern. Warum auch nicht? Mein Vater kann ja nicht ewig leben." „Aber, warum hält Dich der Alte so kurz?" „Er ist mit meiner Lebensweise, mit meiner Heirath und mit noch vielen Dingen nicht zufrieden. Hat mein Binjamin geplaudert, oder hat er sonstwie von der Geschichte mit der Taufe Wind bekommen — er hat Etwas gemerkt, und seitdem ist es gar nicht mit ihm aushalten. Er hat ein Testament gemacht und die Bedingung an die Erbschaft geknüpft, daß der Junge Jude bleiben muß. Ich glaube kaum, daß er das kann, da ich doch sein Sohn und Erbe bin. Nun, mag dem sein, wie ihm wolle; in jedem Falle wird'mein Sohn Geld genug haben. Wozu einen Beruf wählen, um das Geld noch zu vermehren? Nein, der Junge soll Carriere machen. Was meinst Du, was dös für einen schmucken Eavallerie-Offizier geben wird?" Unter diesen Gesprächen war der Wagen auf die Höhe eines ziemlich steil abfallenden Hügels gekommen. „Wirst Du nicht denn Hemmschuh anlegen?" fragte David, besorgt in die Tiefe blickend. „ Hemmschuh!"" entgegnete Philipp lachend, „„ich habe gar keinen. Meine Pferde laufen den Berg hinunter wie auf der Ebene.' " „So laß mich aussteigen!" ..„Hasenfuß!"" rief Philipp lachend. Die Pferde rannten in vollem Galopp den Berg hinunter. David saß da, leichenblaß, am ganzen Leibe zitternd. Als Philipp das sah. gab er den Pferden einen Schlag mit der Peitsche. Wie der Wind flogen die edlen Thiere dahin; aber bald konnte sie Philipp nicht mehr halten; sie gingen mit dem Wagen durch, vom Wege ab in den Wald hinein. David fühlte plötzlich einen brennenden Sa merz an seinem Kopfe; er wurde ohnmächtig. Als er wieder zu sich kam, standen einige Holzfäller neben ihm, die ihn mit Wasser besprengten. Vor sich erblickte er die Trümmer des zerschmetterten Wagens, nicht weit davon den leblosen Körper seines Velters Philipp. Rasch sprang er auf und eilte auf diesen zu. „Er ist todt," sagten die Holzfäller, „sein Kopf ist auf einen spitzen Stein gestoßen." Der eben noch so übermüthige, lebenskräftige Mann war nichts als eine kalte, starre Leiche. (Forts, folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der L c Roux'schen HofdnLdandluna. Z. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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