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Der Israelit · 1876-03-15 · Heft 11 (15.3.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 11 (15.3.1876)
Date
1876-03-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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239 vor der Sonne gewahrten. Neben dem Hause die Ställe für das Vieh, für Kühe, Pferde und Hunde. Die beiden Knaben wunderten durch den Garten. Die Blumen auf den Beeten hoben ihre Köpfchen der Sonne entgegen, in deren Strahlen die an den Blättern hängenden Thautropfen gleich Diamanten funkelten. „Wie schön, wie schön ist das hier!" rief Theodor begeistert aus. „..Habt Ihr kein so schönes Landgut?"" fragte Binjamin. „O, ein aridgut! Nein, so glücklich sind wir nicht. Wir wohnen in der Stadt, in einer engen Straße, in der man kaum den Himmel sehen kann. Im Sommer gehen wir am Sabbat manchmal ein wenig vor das Thor. Aber Felder, Wälder und Gärten bekomme ich das ganze Jahr nicht zu sehen." Während Theodor sprach, hatte Binsamin sein Gewehr gerichtet; jetzt drückte er ab, und ein gefiederter Bewohner der Lüfte fiel getroffen zu den Füßen der Knaben nieder; der Vogel zuckte noch, gab einen ächzenden Don von sich und *»<*** todt. „Um Gott!" rief Theodor, „was hast Du gethan? Du hast eine Schwalbe getödtet! Was hat Dir das arme, unschuldige Thierchen gethan? Eine Schwalbe, die so zutraulich in den Häusern der Menschen nistet! Pfui, Du bist ein grausamer, herzloser Mensch!" Binjamin lachte. „„Und Deiner Mutter Bruder ist ein Metzger!"" sagte er. „Das ist etwas Anderes! der tobtet kein Thier zum Vergnügen, sondern um des erlaubten Nutzens willen." „„Und ich bin ein Jäger; ich muß mich im Schießen üben. Das ist mein Nutzen. — Du mußt jedoch nicht glauben, daß ich die Thiere nicht liebe. O, mein Pferdchen, das liebe ich sehr, einen Bruder könnte ich nicht lieber haben. Ich habe Dir meinen Schimmel noch gar nicht gezeigt. Komm, da sollst Du etwas sehen; das ist ein Prachtstück; es hat fünfzig.Carolin gekostet. Weißt Du, wieviel eine Carolin ist?"" „Elf Gulden. Und Dein Vater hat 55oGulden für ein Spiel für Dich ausgegeben?" „„Oho, ich werde Husaren-Öffizier. Dann kauft mir mein Vater ein noch viel schöneres Pferd."" „Offizier, willst Du werden? Du ein Jude?" „„Nicht als Jude. Ehe ich in.die Kadettenschule komme werde ich . . . Theodor hielt ihm den Mund zu. „Sprich das schreckliche Wort nicht aus," rief er, „ich bitte Dich! O, Binjamin, ich neide Dir Deinen Reichthum nicht. Wenn der Reichthum zu solchen Vorsätzen führt, da will ich lieber arm bleiben mein Leben lang." Die Knaben hatten den Garten verlassen und traten in den Stall. Biele arme Leute wohnen nicht so schön und geräumig wie die Pferde der Reichen. Hier herrschte die peinlichste Reinlichkeit, und die messingenen Beschläge an den Pferdehaltern glänzten wie Gold. Binjamin pfiff; ein Stallknecht erschien. „Peter," redete ihn Binjamin an, „führe mir den Schimmel vor!" Bei diesen Worten stellte er sein Gewehr hin und nahm eine elegante Reitpeitsche, die an der Stallwand aufgehängt war. Der Knecht faßte das Pferd an, um es vorzuführen; er verfuhr dabei so ungeschickt, daß das Thier sich stieß. In demselben Augenblicke sauste Binjamins Peitsche über das Gesicht des Knechtes und hinterließ auf der Wange desselben einen blutunterlaufenen Streifen. „Tölpel." schrie Binjamin, „wann wirst Du Dein Ungeschick ablegen?* Der Knecht ließ das Pferd los; er stemmte beide Arme in die Seite. „Herr!" rief er, „was unterfangen Sie Sich! ich lasse mich nicht schlagen!" Statt aller Antwort holte Binjamin zu einen zweiten Schlage aus; aber Theoder hielt seinem Arm fest. „Laß mich los, Theodor!" schrie Binjamin vor Wuth zitternd; „ich will den Bauerntölpel Raison lehren!" ' In diesem Augenblicke erschienen die beiden Väter der Knaben, durch das Geschrei herbeigezogen, an der Stallthüre. Philipp sah die drohende Miene des Knechtes und seine blutunterlaufene Wange; er durchschaute sofort den Vorgang. „Binjamin," sagte er verweisend, „hast Dich wieder einmal von Deinem Jähzorn fortreißen lassen!" „„Hättest Du es anders gemacht, Papa, wenn der Tölpel Deinen Braunen gegen die Thüre gestoßen hätte?"" Philipp lachte; er zog einen Thaler aus der Tasche und warf ihn dem Knechte zu. ..Da, Peter," sagte er, „trink ein Glas Wein auf das Wohl Deines jungen Herrn." Auch Frau Hirschfeld war herzugekommen. >Sie umarmte ihren Kohn und küßte ihn. Dann streichelte sie ihm die Wangen und sprach: „Aergere Dich nicht, mein Kind, über das dumme Bauernpack."

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