Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1876)
- Date
- 1876-03-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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236 Wollen Sie denn durchaus ein zweiter Pfefferkorn werden, der, wiewohl als Jude geboren. vor mehr als dreihundert Jahren den Talmud anklagte und dessen Verbrennung verlangte? Damals traten edle Christen, wie der bochb'erühmte Reuchlin und seine Freunde gegen Pfefferkorn auf und vertheidigten den Talmud, denn jedem edeldenkenden Menschen ist delatorisches Treiben verhaßt. Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen Deutschland. Aus Württemberg. S. Kön. Majestät haben zu ihrem Geburtstag am 6. d. M. wie noch immer einen Text aus dem alten Testament gewählt, worüber in allen Gotteshäusern des Landes ohne Unterschied der Religion die Festpredigt ge- * halten wird. Es sind die Worte im 3 u. 4. Verse des Ps. 138. 'ui \-s*op d^d. Anlehnend an die Worte Jesaia 32. 1. 2. führte Kirchenrath W. in der Stuttgarter Synagoge aus, daß der gottesfürchtige Sinn und Wandel eines Königs in reichem Maße zur Quelle des geistigen Segens nnd zum Schirme von Tausenden werden kann und soll. In der Zeit, da der Glaube unterzugehen begann, waren cs vielfach die Großen der Erde, welche durch Wort und That beitrugen zur Untergrabung der Glaubensfeste. Um so erhebender ist der Anblick eines Vorbildes der Frömmigkeit und Tugend auf dem Throne. Ihm gibt der König der Könige Kraft. Am 3. u. 5. d. M. starben zwei bekannte Männer aus berühmten jüdischen Familien unseres Landes, nämlich Joseph v. Kaulla in Jllereichen, 72 Jahre alt, und Elias Pflaum, Chef des Bankhauses Pflaum und Cie., Oberkirchenvorsteher, Ritter des Friedrich-Ordens, 66 Jahre alt, in Stuttgart. Das ungemein zahlreiche und ansehnliche Leichengelcite des Pflaum gab Beweis, welch' hohe Achtung sich der Verstorbene in einem arbeitsreichen Leben durch Tüchtigkeit, Gemeinsinn und große Wohlthätigkeit unter der Einwohnerschaft Stuttgarts erworben hat. — Der württ. Verein zur Versorgung armer isr. Waisen und verwahrloster Kinder hat am 15. v. M. den Beschluß gefaßt, dem Herrn Oberkirchenvorsteher Adolf Levi am 26. d. M. eine Adresse zu überreichen und zu seiner Ehre ein Festessen zu veranstalten, weil es an diesem Tage 25 Jahre werden, seit die Leitung der Angelegenheit dieses Vereins und der von demselben gegründeten Waisenanstalt „Wilhelmspstege" in die Hände dieses Menschenfreundes übergegangen ist. Der Vereinsausschuß hat allen Israeliten des Landes von der beabsichtigten Jubelfeier Kenntniß gegeben und die Einladung an sie gerichtet, sich durch Vertreter bei diesem Festessen zu betheiligen. Die Betheiligung dürfte eine allgemeine werden, da die Umsicht, Treue und Hingebung des Jubilars allen Einwohnern bekannt ist. — Durch einen Normalerlaß der K. Isr. Oberkirchenbehorde vom 18. v M. wird bestimmt, daß in Zukunft der durch Aufhebung der Persoualsteuer herbeigeführte Einnahmeausfall u. der Bedarf der isr. Centralkirchenkasse mittelst Umlage auf die Gemeinden des Landes aufgebracht und diese Umlage lediglich auf Grund des Vermögensstandes innerhalb der einzelnen Gemeinden ansgeführt werden wird. Die Vermögensaufnahme — das Erachmachen — muß hiernach in Znkunft in allen Gemeinden des Landes und strenge nach den gleichen Grundsätzen geschehen, welche m erwähntem Erlasse genau vorgeschrieben werden und auf den Wünschen und Ansichten beruhen, welche hierüber im Februar v. I. einverlangt worden sind. In den Stuttgarter Zeitungen, „Neues Tag- Blatt" und „Beobachter" hat die nü’nttr heftige Angriffe erleiden müssen, indem das Schächten eine Thterq.mlerei genannt wurde. Herr W. hat im „N. Tagblatt" und Herr L. in der „Neuen Bürgerzeitung" geantwortet. Seitdem sind die Ankläger verstummt. Düsseldorf, 3. März. Sie haben vor einigen Wochen einen gediegenen Leitartikel über die hiesige Friedhvfsangelegenheit und das recht breslaus che Verhalten des Herrn Predigers Dr. Wedel in dieser Frage gebracht. Bei der hoffentlich in kürzester Frist erfolgenden Aufhebung des Judengesetzes vom Jahre 1847 wird die Majorität der hiesigen jüdischen Gemeinde — die Zahl der Petenten gegen den Beschluß der Repräsentanten in der Fr.-edhossangelegenheit beträgt bekanntlich 115 Uuterschlisten — wissen, was sie zu thun hat und sich von einem Rabbiner und Vorstand losfagen, die nicht mehr aus dem Boden des Judenthums stehen! Wie ein wahrhaft religiöser Rabbiner über diese Angelegenheit urtbcilt, mögen die geehrten Leser des .Israelit" aus nachstehendem Briefwechsel ersehen. Einige der geachtetsten Mischen Bürger unserer Stadt wandten sich nämlich vor Kurzem an den früheren Rabbiner der jüdischen Synagogengemeinde zuDüssldorf. Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner und Deminardircktvr Dr. Plato in Köln, ihn um sein Gutachten ersuchend. Die betreffende Anfrage und die darauf erfolgte Antwort, die wir hier folgen lassen, empfehlen wir