Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1876)
- Date
- 1876-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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284 «xiöe in diesem Leben vereinigt sind, so muß auch bei einem wahrhaft religiösen Leben der Glaube mit der That sich einen. Die Gesetze, die uns Gott vor Jahrtausenden gegeben, sie haben noch heute ihre volle Berechtigung; denn sie sind nicht für irgend eine Zeit, für irgend eine Stufe der Entwickelung, sondern sie sind sür die Ewigkeit gegeben worden. Und gegen das Gesetz Gottes richten sich in alter wie in neuer Zeit die Angriffe der inneren und der äußeren Feinde des Judenthums. Während der Glaube Israels, dieser erhabene, reine, hehre Glaube an den einzigen Gotl, den Schöpfer von Himmel und Erde, von jeher die höchste Bewunderung gefunden und noch heute findet, richtet sich gegen das Gesetz stets wieder uud wieder die alte Frage QDb nw moyn no, „was soll euch dieser Dienst?" und, wie unsere Weisen im Talmud Jeruschalmi erklären: dd8 nin mion no, „was soll euch diese Mühe?" Glaubet nur an den einzigen Gott — dagegen hat Niemand etwas einzuwenden; aber diese entsetzliche Mühe, die vielen Gebote zu halten in Bezug auf Arbeit und Ruhe, auf Speise und Trank, auf das Verhalten gegen den Nebenmenschen! „Was soll Euch diese Last?" Wir fragen dagegen: was wäre der Glaube ohne die That? m: iOv nmbn K»n \jn ,orvffyi arnoan .n-oj yb „Und ihr sollt beobachten und thun — dazu lehrt Rabbi Chija: Wer da die Thora studirt in der Absicht, ihre Lehren nicht zu befolgen, dem wäre eS leichter, er wäre nie erschaffen worden." Nach einer wundervollen Erzählung unserer Weisen, die sich in ähnlicher Weise auch bei dem alten griechischen Philosophen Plato findet schauen die noch ungeborenen Seelen alles Wissenswerthe und vergessen es, sobald sie mit dem Körper in Verbindung treten, so daß alles spätere Lernen nichts als Erinnerung ist. Nicht also das Wissen, das Erkennen kann der Endzweck des Lebens sein, denn sonst brauchte ja die ungeborene Seele lediglich in ihrem vorweltlichen Zustande zu verharren. Der Endzweck des Lebens ist das gottgefällige Thun; daher wäre es für Denjenigen, der nur nach Erkenntniß strebt und die That vernachlässigt, leichter nu, wenn er nie geboren worden, wenn seine, im Lichte der Erkenntniß lebende Seele die Verbindung mit dem Körper nie gefunden. Die That aber, die gottgebotene That ist es, welche auch die Seele vervollkommnet, so daß ersteht pw n*2 , ein dauerhaftes Haus, ein Haus, das für die Ewigkeit dauert. Wir haben nunmehr an der Hand der heiligen Schrift und der mündlichen Lehre die großen Grundsätze des Judenthums, das Dasein Gottes, die göttliche Weltlenkung in Bezug auf Belohnung und Bestrafung und den Göttlichen Ursprung der Thora darzulegen versucht. Möge der allgütige Gott geben, daß unsere Worte Eingang finden in die Herzen der Leser und daß sie dazu beitragen mögen, daß die Begeisterung für unsere heilige Religion immer mehr erstarke, bis daß herannaht die 8 eit, von der es heißt: -inx irw h 'vp Kinn oi»a „An jenem Tage wird Gott als der Einzige anerkannt und Sein Name in einheitlicher Weise verehrt werden!" Noch einmal Herr Nabbiurr Süskiod and der Schnlchan Irnch. Mainz, U. März. Von Herrn Rabbiner Süßkind geht uns das nachstehende Schreiben zu: „An die Redaction des „Israelit" in Mainz. Auf Grund des § 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 fordere ich Sie hierdurch auf, diefolgenden that sächlichen Berichtigungen der in Nr. ' 10 des „Israelit" vom 8. l. M. in dem „der Schulchan Aruch und Herr Rabbiner (!?) Süskind in Wiesbaden" überschriebenen Artikel gemachten Angaben in der nach Empfang dieses nächstfolgenden Nummer, und zwar in demselben Theile der Druckschrift und mit derselben Schrift, wie der Abdruck des erwähnten Artikels versehen, ohne Einschaltungen oder Weglassungen aufzunehmen. 1) Das aus dem Zusammenhänge herausgerissene Citat, „daß im Schulchan Aruch die Bekenner des Chriftenthums ausdrücklich als Götzendiener erklärt werden." ist unrichtig und lautet: „daß der Verfasser des Schulchan Aruch die Bekenner des Christenthums ausdrücklich als Götzendiener erklärt". Diese Erklärung befindet sich in dem von dem Verfasser des Schulchan Aruch verfaßten Commentar zu dem Religionsgesetzlichen Werke des Maimonides im 11. Abschnitte § 7, Vorschriften über verbotene Speisen betreffend. Maimonides erklärt hier die Christen als Götzendiener, und der Verfasser des Schulchan Aruch bemerkt hierzu: am aitps, d. h. das ist selbstverständlich. 2) Im ersten Theile des Schulchan Aru elbstsch