Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1876)
- Date
- 1876-03-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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218 Fast für jeden Handwerker hatte Meinen Auftrag, um so prüfen zu können, inwieweit sie ihren Beruf verstehen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 3. März. Wir haben heute zum Besten der Armen des heiligen Landes, des Hospitalbaues zu Jerusalem und anderer derartiger Zwecke die Summe von 6,707 Mark 2 Pf. an das Centralcomitö in Amsterdam übersandt. Die Armen im heiligen Lande klagen sehr über die Abnahme der Spenden; es steht dies wohl mit dem Brachliegen der Geschäfte in Deutschland, was aus alle Verhältnisse Einfluß übt, in Verbindung. Nichtsdestoweniger wollen wir doch die erwähnten Klagen zur Kenntniß unserer geehrten Leser bringen und ihnen die Wünsche unsrer bedauernswerthen Brüder im Lande unsrer Väter an's Herz legen. Der wundervolle Bericht des edlen Sir Moses Montefio re, der gegenwärtig in diesen Blättern veröffentlicht wird, zeigt ja deutlich, daß die Anklagen gegen unsre armen Brüder in Palästina durchaus unbegründet sind. Mainz. Der in Bingen verstorbene Rentner Samuel Friedberg hat 52,000 fl. zum Besten der Armen, ohne konfessionellen Unterschied, testamentarisch vermacht. Aus dem Kreis Heidelberg. In Nr. 7 des „Israelit" wird von der Friedhofsangelegenheit aus Düsseldorf Unerquickliches berichtet. Einsender dieses kann dem entgegen eine andere aber erfreulichere Thatsache anzeigen, nämlich von der Herstellung des neuen isr. Friedhofes zu H eidelber g. Als im vorigen Jahre durch Beschluß der höheren Behörde der alte Friedhof der erwähnten Gemeinde zur weitern Benützung wegen zu großer Nähe der Stadt untersagt wurde, da bot der städtische Gemeinderath in liberalster Weise der isr. Gemeinde eine bedeutende Fläche auf dem neuen städtischen Friedhof gratis zum Gebrauche an; allein der Synagogenrath zu Heidelberg mit Einstimmung des Herrn Rabbiners Dr. Sondheimer lehnten dieses Anerbieten dankbar ab. Obschon der Synagogenrath zu Heidelberg nicht zu den Orthodoxen zählt; so leitete ihn doch der Gedanke daß der Israelit seine Tobten nicht Angesichts des christl. Symbols beerdigen und dort beten könne. Die isr. Gemeinde zu Heidelberg acquirirte hierauf eine andere Fläche. Ist dieses Opfer den todten Glaubensgenossen gegenüber nur zu loben, so halten anderseits die Opfer für die Jugend in unserm freisinnigen Baden nicht gleichen Schritt. Seit dem Schulgesetze von 1862, nach welchem wöchentlich jede Klasse nur zu 2 Stunden Religionslehre verpflichtet ist, und seitdem der Staat sich von der Kirche getrennt hat, sind die Religionslehrer und der Religionsunterricht der Willkür der Gemeinden preisgegeben. Unter den geringfügigsten Gründen suchen zuweilen Gemeinden sich ihrer verheiratheten Lehrer zu entledigen. Früher hatte Baden Ueberfluß an seminaristisch gebildeten Lehrern, nunmehr entzieht sich dem Lehrerberuf Jeder, dem es noch möglich ist. Kein Wunder, daß Ausländer von sehr fraglicher Vergangenheit kommen und gehen. Was sollte auch eiue tüchtige Kraft unter den obwaltenden sehr precären Zuständen nach Baden verlocken! Berlin. Der königl. preuß. Stadtgerichtsrath Willmanns hat eine Broschüre mit dem Titel: „Die goldene Internationale" erlassen, in welcher im Geiste der „Germania" eine Judenhetze betrieben wird. In der vollen Gleichberechtigung der Juden, die er mit der Bezeichnung: „Die goldene Internationale" beehrt, findet er eine Gefahr für die Gesellschaft. Ein Schreiben des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde, in welchem um Eröffnung eines Disciplinarversahrens gegen Herrn Willmanns ersucht wird, isi an den Berliner Stadtgerichtsdirector Krüger abgegangen. Feuilleton. Kitdcr aus dem alten Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) Ein biterer Unmuth, ein heftiger Grimm erfaßte den jähzornigen Mann. Was wollte dieser Budweiser denn von ihm? wollte er ihn denn von seiner Geburt an bis zu seinem Grabe verfolgen? . . . . und noch eins; Alles was bisher, ein ganzes Leben lang geschehen war, konnte absichtslos geschehen sein, war zu entschuldigen — aber heute hatte Budweiser nach reiflicher Erwägung und Ueberlegung gehandelt. Einem Menschen ein harmloses Vergnügen boshaft zu zerstören; ihm