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Der Israelit · 1876-03-08 · Heft 10 (8.3.1876) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 10 (8.3.1876)
Date
1876-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X VII Jahrgang. Erste Beilage;u Nr. 10 -es Israelit. Leitender Artikel. Sir Males Montcstorc's Jericht über seine Reise nach dem heU. Lande. (Fortsetzung.) Die Vorsteherinnen der Suppenanstalt (’inon genannt), in der täglich 30 arme, alte und unverheirathete Männer Suppe und Gemüse gratis erhalten, überreichten M. von ihren Speisen, die derselbe so gut findet, daß er sich noch mehr für seinen eigenen Tisch erbittet, und auch Dr. Löwe, der diese Wohlthätigkeitcanstalt mit seinem Besuche überrascht, findet die Speisen ebenso schmackhaft wie M. Es wird für diesen Zweck ungefähr 16,000 Piaster pro anno aus gegeben. An Wohlthätigkeitsanstalten fehlt es der heil. Stadt überhaupt nicht; so zählt die deutsche Gemeinde allein deren 16, darunter mehrere Darlehenskassen für arme Leute, wovon eine 55,00 * Piaster besitzt. Auch existiren drei Ballgesellschaften, deren Mitglieder statutengemäß nach Verlauf einer bestimmten Zahl von Jahren in Besitz von eigenen Wohnhäusern kommen. Die drei Gesellschaften haben 235 Mitglieder, die demnach nach wenigen Jahren Eigentümer von gesunden und bequemen, außerhalb der Stadt gelegenen Wohnungen sind, die sie mit ihrem eigenen Gelde bezahlt haben. Nicht unerwähnt wollen wir einen Handwerkerverein, pii* vtjjib man, lassen. Mehrere Wohlthätigkeitsanstalten sind eine Art Hospicien. in welchen alle Personen bei ihrer Ankunft in Jerusalem die ersten Tage unentgeltlich Kost und Logis erhalten. In einem der nsäna "na (Pilgerwohnungen) am Berge Zion ist außerdem für Reisende aus Europa und Amerika ein großes Zimmer bereit, in dem dieselben nach ihrem Belieben «ährend ihres ganzen Aufenthaltes verbleiben können. Das Rothschild'sche Hospital, die damit verbundenen Institutionen und die übrigen Krankenhäuser, sowie die von verschiedenen Gesellschaften errichteten Pilgerwohnungen werden von Or. Löwe und Herrn Aikin auf's Einzelste inspicirt und Alles zur Zufriedenheit gefunden. Alle Aerzte stimmen darin überein, daß, wenn in Jerusalem ein richtiges Canalsystem durchgeführt werden würde, diese Stadt zu den gesundesten Plätzen gezählt werden könnte. Die Straßen sind immer I noch schmutzig, und zeitweise kann ein Wagen die Straßen der Stadt nicht passiren. Während seines Aufenthaltes bedient sich M. der ihm vom engl. Bischof vr. Gobat angebotenen Senfte, der einzigen in Jerusalem. An der »a-ij/o bno, wo M. Freitag den 13. August sein Gebet verrichtet und in diesem auch seiner Verwadten und Freunde gedenket, ist der Weg noch ziemlich ungebahnt; alle von M. und Andern gemachten Bemühungen, diesem Uebelstande abzuhelfen, waren an den bis jetzt nicht zu überwindenden Schwierigkeiten gescheitert. Der Bürgermeister von Jerusalem, AstriadeS Effendi, theilt mit, daß alle neu zu errichtenden Gebäude nach einem gewissen, von der Negierung vorgezeichneten Plane gebaut werden müssen, wobei es besonders auf die Erlangung von reinen Straßen nach allen Richtungen abgesehen ist; doch halte es schwer, die Häuserbesitzer von der Nützlichkeit und Wichtigkeit dieser Maßregel zu überzeugen. Bei jedem Gotteshause ist ein öffentliches Bad (mpo) und alle Juden nehmen aus religiösen Gründen am Freitag ein Bad; in Folge dieses herrscht auch bei ihnen in Bezug auf Reinlichkeit ein viel befriedigenderer Zustand als bei den übrigen Einwoh--^ nern des Landes. Und am Sabbat gar, da ist fast kein Unterschied zwischen Reich und Arm zu merken; auch der Aermste hat ein schönes Sabbatkleid. Nicht vergessen wollen wir, daß M. auch vom *sheik des Härüm (Omarmoschee) besucht worden. Auch eine Anzahl Handwerker, ein Uhrmacher. Gravirer, Buchbinder, Goldschmied und Zimmermann stellten sich ihm vor. M ließ von dem Uhrmacher Josua Fellmann eine werthvolle Uhr repariren, was in sehr kurzer Zeit ausgezeichnet besorgt worden war. Derselbe ist auch ein tüchtiger Calligraphist, er überreichte M. ein von ihm über M-'s Namen verfaßtes in 19 Linien geschriebenes Akrostichon. Der Graveur gravnte für M. und mehrere seiner Begleiter einige hebr. Inschriften im besten Style. Der Lithograph David Spitzer, aus Ungarn gebürtig, verfertigte so schöne Adreßkarten für M>, daß er zwischen diesen und den aus London mitgebrachten fast keinen Unterschied finden konnte. Ein Bildhauer, dem M. am Abend den Auftrag gegeben, zwei Steine mit der Inschrift des Verses, uwr nxi max nx ■’.nay im o, und dem Datum von M.'s Aufenthalt in I. anzuferfertigen, vollendete diese Arbeit in einer Nacht.

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