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Der Israelit · 1876-03-08 · Heft 10 (8.3.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 10 (8.3.1876)
Date
1876-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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216 „Gewiß!" antwortete Theodor. „Schon der eine Grund genügt, daß Gott, unser gütiger Vater im Himmel, uns verboten hat, manche Speisen zu essen. Gott hat uns gewählt aus allen Nationen der Erde, hat uns gewürdigt, Seinen Namen zu tragen. Da nun die physische Natur mit der geistigen im engsten Zusammenhänge steht, so hat Er uns verboten, gewisse Speise zu genießen, die unser Herz verhärten, unfern Verstand verdunkle« würden." „Ei, David," rief Philipp lachend, „ich gratulire! Du hast sa einen ganz gelehrten Sohn! Was meinst Du, Dtnjamin, werden Dir nach der weisen Auseinandersetzung unsres gelehrten, sungen Vetters die Schweinscoteletten schmecken?" „Gewiß, Papa; aber Theodor hat Recht sich mit der Lebensmittelfrage zu beschäftigen, da sein Mutterbruder Metzger ist." Alle lachten; Theodor schwieg beschämt, und sein Vater warf ihm wüthende Blicke zu. Auch Philipp hatte sich mit den Seinen zu Tische gesetzt. Sie wuschen sich nicht die Hände, sie sprachen kein Gebet. Caroline aß sehr wenig; sie hatte zu gut gefrühstückt. Philipp aber und Binjamin verzehrten mit vorzüglichem Appetit die exquisiten Leckerbissen, die ihnen vorgesetzt wurden, dabei stets die beiden Vegetarier bemitleidend, die längst ihr einfaches Mahl beendet hatten. „Duftet Dir denn," fragte Philipp, „dieser prachtvolle Schweinebraten nicht verlockend entgegen? Gut, daß Du tolerant bist, Vetter David! Denn Du hättest eigentlich am Meisten Grund, uns zu wünschen, daß Binjamin und ich, an dem ersten Bissen ersticken sollten." „Was redest Du!" cntgegnete David, „Wieso sollte ich Grund haben, Dir und Deinem Sohne Böses zu wünschen?" „„Das ist doch einfach. Wenn ich und Binjamin jetzt ersticken würden, so wärest Du der einzige Erbe meines Vaters; denn Du bist seines einzigen Bruders einziger Sohn."" „Und meinst Du, Philipp, ich würde Dir Böses wünschen, um das Geld Deines Vaters zu erben?" „Wünschen gerade nicht — dazu bist Du zu klug; Du weißt,'daß das Wünschen und Verwünschen nichts nützt. Aber, wenn Dir ohne Dein Zuthun so eine Million in den Schooß fallen würde — ich glaube, Du wärst der Letzte, der sie i zurückwiese." (Forts, folgt.) ' Zum Porimfchc. 1 Verzage nickt, Du gläubig Volk auf Erden! Durch Dich will stets Dein Gott verherrlicht sein; Durch Dich soll überall verbreitet werden Erkenntniß, die Dir ward von Gott allein! Wenn finstre Zeiten auch mit Hohngeberden Bedrohten Dich mit aller Noth und Pein, Entkamst Du doch dem Tod und den Beschwerden, Und Haman's Brut ging in's Verderben ein! So wirst Du auch in unsrer Zeit nicht wanken, Wenn sie mit Geistes Waffen Dich bekämpft, Und Tod Dir speiet trotz humanen Strebens! Dein Glaube bricht sich Bahn durch alle Schranken, Dein Geistesschwung der Feinde Wüthen dämpft, Und Agags Sproß ereifert sich vergebens! U In Ewigkeit wird glänzen unsre Lehre, Weil sie des Aethers wahre Tochter ist, An ihr zerschellen alle Feindesheere, Die sich ihr nahen mit Gewalt und List! Sie ist aus jedem Kampf mit Ruhm und Ehre Hervorgegangen, stark zu jeder Frist, Und jeder Feind mit giftgekränkter Wehre Erlag in dem ihr allsgedrungnen Zwist! Dies merkt Euch wohl, Ihr kleinen Erdengeister! Wenn Ihr zu schaden ihr so emsig strebt. Eu'r Wort bleibt nichtig und Ihr selbst geht unter! Im Himmel wacht der große Weltenmeister, Ob Ihr auch Eure Hirngespinnste webt, Er schafft für Israel stets neue Wunder! III. Sei gläubig, fromm, mein Volk! Laß nicht berücken Dir jemals Deinen gottesfürcht'gen Sinn, Wenn Dir die eignen Haman'ssöhne zücken .Den Dolch in's Her; als wär' es ihr Gewinn! Wenn sie Dir schmeicheln, daß sie Dich beglücken Und leiten Dich zur ew'gen Wohlfahrt hin: Trau ihneil nicht, sie wollen nur zerstücken Die Gotteslehre, Deine Leiterin! Zu Ehreil halte hock, was Tu errungen Und treu bewahrt bis jetzt: Deill Judenthum, Kein Joia darf u» ihm verloren gehen! Was nicht der Gotteslehre ist entsprungen, Und bringt es auch Dir Ehre, Glan; und Ruhiil, Es bleibt nur für den Augenblick bestehen! Pr. Aron Hirsch selb. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Pr. Lehmann. — Verlag der Le Noux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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