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Der Israelit · 1876-03-08 · Heft 10 (8.3.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 10 (8.3.1876)
Date
1876-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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214 zu besuchen, wurden jedoch in den letzten Jahren von dem bisherigen Besitzer auf verschiedene Weise chicanirt. Der österr. Viceconsul PaSkal hat schon bei vielen Gelegenheiten sein großes Wohlwollen gegen die Juden gezeigt und ist ihnen schon oft helfend zur Seite gestanden. Er verdient daher mit Recht die Liebe und Dankbarkeit, die ihm die Juden Jerusalems entgegenbringen. (Libanon). A u st r a l i e n. Sydney. Ein zu Gunsten des Baufonds für eine neu zu errichtende Synagoge veranstalteter Bazar hat die schöne Summe von über 4000 L.-St. erzielt. Nicht blos Juden, auch zahlreiche Christen hatten sich bei demselben betheiligt. (Jew. Chr.) Feuilleton. Dinjamin. ii. Vierzig Jahre sind seit den erzählten Ereignissen verflossen. Vierzig Jahre! Wie leicht sich das ausspricht, und was Alles hat sich in der langen Zeit ereignet! Napoleon, der im ersten Kapitel unserer Erzählung als gewaltiger Herrscher und Gesetzgeber in das Getriebe derselben eingriff, war ohne sein siegreiches Heer gleich einem Flüchtling aus Rußland zurückgekehrt; dann war sein Stern untergegangen; er war als Verbannter auf einer fernen Insel gestorben; das alte Königsgeschlecht war nach Frankreich zurückgekehrt; dann war auch das vertrieben; die Orleans hatten den Thron bestiegen; dann waren auch sie verjagt; die zweite Republik wurde, unter den Jubelrufen von fast ganz Europa, in Paris proclamirt, und nun war auch diese gestürzt; ein Napoleonide hatte den Thron seines Oheims bestiegen. Doch lassen wir die Weltgeschichte und sehen wir uns nach den Personen um, deren Lebensereignisse wir dem Leser vorführen wollen. Salomon Hirschfeld lebte noch; sein Reichthum war bedeutend gewachsen; er galt für einen Millionär; aber in seiner Familie hätte er Trauriges erlebt. Die Kinder seiner ersten Gattin waren trotz der sorgsamen Pflege, welche die zweite Mutter ihnen angedeihen ließ, in jugendlichem Alter gestorben. Dann war auch die zweite Gattin, Sara. gestorben und hatte ihrem Manne nur einen Sohn, Philipp, hinterlassen. Salomon hatte sich zum dritten Male verheirathet; aber die dritte Ehe war kinderlos geblieben. Bon allen seinen Kindern war dem alten Hirschfeld, der nunmehr zum dritten Male Wittwer geworden war, nur sein Sohn Philipp geblieben. Mit welcher Zärtlichkeit der Vater an diesem einzigen Sohne hing, das ist nicht zu beschreiben. Tag und Nacht zitterte er für sein Leben; jede Laune und jeden Wunsch desselben suchte er zu befriedigen. Dadurch ward Philipp gründlich verdorben worden. Er hatte weder etwas Ordentliches gelernt, noch hatte er sich dazu verstanden, irgendwie sich nützlich zu beschäftigen. Den beschränkenden und beengenden Gesetzen des Judenthums hatte er sich entzogen. Er aß und trank, was sich ihm bot, rauchte am Sabbat, ging auf die Jagd und lebte nur seinem Vergnügen. Als Philipp herangewachsen war, wollte ihn sein Vater mit einer jungen Dame aus gutem, frommem Hause verheirathen; er hoffte davon den besten Einfluß für sein Kind. In der That war Emilie Schwarzenau ganz dazu geeignet, einen veredelnden Einfluß auf Alle zu üben, die in ihrer Nähe lebten; sie war eine echte Tochter Israels, eine jener edlen Jüdinnen, wie sie in unfern heiligen Schriften geschildert werden. Aber Philipp brach das Verhältniß bald nach der stattgehabten Verlobung wieder ab; er hatte eine junge Schauspielerin kennen gelernt, die ihn fesselte. Der Vater, unfähig, seinem Sohne etwas abzuschlagen, war noch froh, daß Fräulein Carolina Grünblatt wenigstens eine Jüdin war. Als nun aber Philipp sie geheirathet hatte und die ehemalige Schauspielerin ganz unjüdisch wirthschaftete, da konnte der alte Hirschfeld das doch nicht ertragen. Er kaufte seinem Sohne ein hübsches Landgut und übergab es ihm; er hatte nun doch die verhaßte Schwiegertochter nicht in seiner unmittelbaren Nähe. Philipp ist seit sechszehn Jahren verheirathet; seine Frau hat ihm einen Sohn geboren, Bin jamin, der nunmehr fünfzehn Jahre zählte. Suchen wir Mutter und Sohn in ihrem prächtigen Landsitze auf. Die Mutter, Carolina, sitzt in einem Lehnsessel, mit einer weiblichen Arbeit beschäftigt. An ihrer Seite steht Binjamin, in grüner Jagdkleidung , eine Mütze mit goldener Trcddel auf seinen üppigen schwarzen Locken. „Wo ist der Vater?" fragt er. „Dein Vater," antwortet die Mutter, „ist zum Großpapa hinübergefahren. Der alte Mann fühlt sich nicht wohl."

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