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Der Israelit · 1876-03-01 · Heft 9 (1.3.1876) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 9 (1.3.1876)
Date
1876-03-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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202 schweren Steine auf die Spitze des Berges kommen sollen? Durch die vielen Belagerungen, welche die Stadt Mainz zu erdulden hatte, sind die ganz alten Steine auf dem Friedhofe fast alle zerstört und ist die Lage der Gräber der berühmten Männer des Mittelalters, an denen die isr. Gemeinde zu Mainz so reich war, nicht mehr zu bestimmen. Nur ein Grab macht davon eine Ausnahme; es ist dieses die Grabstätte Rabbi Simons, des Großen, der im Jahre 1096, kurz vor der großen Verfolgung durch die Kreuzfahrer, starb. Rabbi Simon war als Gelehrter und Dichter gleich bedeutend, und eine von ihm verfaßte Hymne für den zweiten Tag des Neujahrsfestes enthält eine merkwürdige Andeutung. Rabbi Simon hatte nämlich einen Sohn, Namens Elchanan, der als Kind gestohlen, getauft und als Geistlicher erzogen wurde; derselbe soll nachmals Pabst geworden und dann, nachdem er seine Abstammung erfahren, zum Judenthume zurückgekehri sein. Was an der Sache Wahres, was Sage, läßt sich wohl nicht eruiren. Keinenfalls ist die Geschichte ganz aus der Luft gegriffen. da sich in Parma ein von einem Zeitgenossen geschriebenes isr. Gebetbuch befindet, welches als Note zu der erwähnten Hymne die Geschichte erzählt. Unter Kurfürst Albrecht von Brandenburg, im Jahre 1525, also 105 Jahre nach ihrer Vertreibung, erhielten die Juden wieder die Erlaubniß, sich in Mainz niederzulassen. Sie nahmen sofort ven dem alten Friedhofe wieder Besitz. Als im Anfänge des Jahres I6S9 Mainz von den Franzosen belagert wurde, konnte der Friedhof eine Zeit lang nicht erreicht werden; die Leichen wurden unterd'eß im Synagogenhofe bestattet, bis der Friedhof am 1. Schcbat (Februar) wieder frei wurde. Der Tag wurde von der Beerdigungsbrüderschaft als ein Freudentag eingesetzt und wird noch jetzt als ein solcher alljährlich durch ein Festessen von derselben gefeiert. Dieselbe Brüderschaft hat auch vor einigen Jahren zwei halbverfallene Leichensteine durch neue ersetzen lassen. Der eine war der des Rabbi Juda Lob Enosch, eines als Talmudist wie als Arzt gleich ausgezeichneten Mannes; als er starb, geleitete ihn die ganze Universität zu Grabe; der andere war der des Rabbi Mosche Charif, das heißt, der Scharfsinnige. Beide hatten im vorigen Jahrhundert als Rabbinen in Mainz fungirt. Schon eiumal ist, im Anfänge dieses Jahrhunderts , der alte Friedhof geschlossen worden. Das war geschehen, als Mainz dem Reiche Napoleons angehörte. Der kaiserliche Präfect hatte — aus Laune — cs so angeordnet und einen andern Platz anweisen lassen; die Gemeinde war darüber in große Betrübniß versetzt. Der damalige Rabbiner, Rabbi Herz Scheuer, einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit, wandte sich an den Bischof Kalmar von Mainz und bat ihn um seine Fürsprache beim Kaiser. Bischof Kalmar, ein ebenso toleranter wie feingebildeter Mann, dessen große Herzensgüte in Mainz noch unvergessen ist, willfahrte dem Rabbinen, und brachte an der kaiserlichen Tafel dessen Bitte vor. Napoleon wandte sich an den Präfecten und sagte: Laissez aller! (Laßt gehen!). Der Bischof aber sandte augenblicklich einen Boten an den Rabbinen, und diese Freudenbotschaft erregte den größten Jubel in der Gemeinde. Der alte Friedhof war gerettet und noch in derselben Nacht wurden die unterdeß auf dem neuen beigesetzten Leichen ausgegraben und neben den Gräbern ihrer Eltern und Verwandten bestattet. Ein Gleiches dürfen wir wohl jetzt kaum erwarten. Es ist diesmal keine Präfectenlaune, die den Friedhof schließt; trotzdem wird es wchl Niemand den Israeliten übel nehmen, wenn sie mit Wehmuth an den Augenblick denken, da ihnen eine durch so hohes Altertbum geheiligte Stätte abgeschlossen wird. Die Aufgabe des Vorstandes der isr. Gemeinde wird es sein, dafür Sorge zu tragen, daß der Friedhof, der ihr Eigenthum ist, in seiner Integrität erhalten bleibe. Zeitungsnncbrichten und Correspondenzen. Deutschland. Sulzburg in Baden, am uiv n"-i. Unsere Gemeinde hat heute durch das Hinscheiden des Herrn Seligmann Bloch einen herben Verlust erlitten. Der brave Seligmann, ein stiller, einfacher, schlichter Mann, hat durch sein Leben auch denen, die von Natur mit geistigen Vorzügen weniger begabt sind, bewiesen, wie man Großes wirken und ein gesegnetes Andenken zurücklassen kann. Von einer unbegrenzten Liebe zu p"nn beseelt, hat der Dahingeschiedene sich bestrebt, seine Kinder zur rmn zu erziehen, seine Töchter an min 'ja zu verheirathen, auf jede Weise die n"n sich mpo und dieselben rDajo runo zu sein und seine Ehrfurcht ihrer mm zu beweisen. Der Vater des Verstorbenen w“t\v hatte hauptsächlich dazu beigetragen, daß in hiesiger Gemeinde ein o"na gegründet worden. Zur Erhaltung dieses höchst wichtigen Instituts hat Seligmann direct, und hauptsächlich indi-

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