Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1876)
- Date
- 1876-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII Jahrgang. Erste Leilage;u Nr. 9 -es Israelit. Leitender Artikel. Sir Mofes Montestorc's Bericht über seine Reise nach dem heil. Lande. (Fortsetzung.) Unter den größten Ehrenbezeugungen verläßt Montefivre am 22. Juli Jaffa; in Bab-el-Wad*) verbleibt er Freitag und Samstag und zieht Sonntag in der Frühe 5 Uhr, nachdem er die nynp an sich vollzogen, in Jerusalem ein. Wir würden den Raum unseres Blattes zu sehr in Anspruch nehmen, wenn wir auch nur einen Theil von den seitens unserer Glaubensgenossen Montefivre bei seinem Einzuge in Jerusalem sowohl als auch während seines Aufenthaltes, in den Synagogen oder in seiner Wohnung erzeigten Ehren und Aufmerksamkeiten aufzählen wollten. Es genügt wohl, wenn n)ir uns darauf beschränken, mitzütheilen, daß der Enthusiasmus für M. allenthalben ein überaus großer gewesen und unsere Glaubensgenossen jedwede Gelegenheit ergriffen, um ihre Dankbarkeit gegen ihren Wohlthäter zu beweisen. Außerdem haben wir im Lause des verflossenen Sommers mehrere diesbezügliche Berichte veröffentlicht. Montefivre ist bei seiner Ankunft in Jerusalem außerordentlich überrascht, diesesmal ein „neues Jerusalem" außerhalb den Stadtthoren zu finden. Noch vor wenigen Jahren hat noch keine jüdische Familie vor der Stadt gewohnt, jetzt befindet sich daselbst eine Reihe von Häusern, manche so schön, daß sie europäischen Gebäuden nicht zurückstehen. Auf einem Terrain, „nyuw mn:" genannt, erhebt sich, von einer Reihe von Häusern umgeben, die von circa 50 Familien bewohnt sind, eine neue Synagoge. „Gewiß," ruft M. aus, „ist die Zeit nicht mehr fern, wo Gott die Verheißung an Zion in Erfüllung bringt: im in ipneno „Ich mache dich zur ewigen Hoheit, zur Freude für alle Geschlechter." *) An diesem Plane, wo früher nur ein kleines Hans, ans Brettern gebaut, für die Reisenden vorhanden war, und in welchem diele höchstens eine Tasse Kaffee haben konnten, ist jcnt ein schönes, comfortabel eingerichtetes Gasthaus mit 4 oder 5 Schlafzimmern, mit einem bequemen Speisezimmer und einer reizenden Terrasse, dasselbe haben drei unternehmende Israeliten auf drei Jahre in Pacht genommen. Die Träger, die sein schweres Gepäck in seine Wohnung bringen, sind den jüdischen Gemeinden ungehörige Leute, welche fünf- oder sechserlei Sprachen — Deutsch, Spanisch, Französisch, Arabisch , Türkisch und Hebräisch — sprechen. Wie unrecht thun Diejenigen, welche unsere armen Brüder der Trägheit beschuldigen. Montefiore fühlt sich während seine Aufenthaltes in Jerusalem meist sehr schwach, so daß er nur einigemale im Stande ist, seine Wohnung zu verlassen, um mehrere Synagogen, sowie seine speciellen Freunde, den Chacham Baschi, Rabbiner Auerbach, Rabbi Salant u. a. m., sowie den engl. Consul zu besuchen. Der Paschah von Jerusalem läßt ihm durch seinen Bruder zweimal sagen, daß er ihn besuchen wolle. Doch da Mdem obersten türkischen StaatSdiener die ihm gebührende Ehre zuerst bezeugen will, möchte er, sobald seine Gesundheit es erlaubt, den ersten Besuch beim Paschah machen; als dies geschah, war dieser hohe Beamte verreist. Wenn auch persönlich verhindert, die verschiedenen Schulen und Wohlthätigkeitsanstalteu zu besuchen, so verschaffte sich M. doch durch Herrn Dr. Löwe, der oft von M.'s Arzt, Herrn Aikin, begleitet war, alle nur möglichen Aufschlüsse über die speciellen Verhältnisse jeder einzelnen derselben, und war eifrig bemüht, einen richtigen Einblick in das Treiben und die Verhältnisse derselben zu erlangen. Eingehende Prüfungen in den einzelnen Fächern wurden von Herrn Or. Löwe in den Schulen vorgenommen, und die an M. hierüber erstatteten Berichte drücken in jeder Beziehung die volle Zufriedenheit aus. Die „Doresch - Zionschule", auch unter dem Namen Blumenthalschule bekannt, hat 54 Schüler in 4 C! abgetheilt; jede Classe in einem luftigen und reinlichen Zimmer unter einem besvndern Lehrer; es wird hebr. Grammatik. die heil. Schrift im Urtext und die Commentare dazu, Talmud und Commentare, Rechnen und Arabisch unterrichtet. Die „Simon, Edlen v. Lämels-Schule" zählt gegenwärtig 33 Schüler in 2 Classen und 2 hebr und i arab. Lehrer. Unterrichtet wird die hebr. Bibel mit spanischer Uebersetzung und in arabischer Sprache in einem großen und luftigen Zimmer. u Die „Eveline Rothschild - Mädchenschule" unterrichtet 119 Schülerinnen in 2 Classen durch 3 Lehrerinnen und 2 Lehrer, jede Classe in einem