Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1876)
- Date
- 1876-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447655--12301-2468121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
187 Freilich > „der Narr wird es nicht begreifen und der Thor nicht erkennen, wenn blühen Frevler wie Kraut und emporschießen alle Uebelthäter, daß das geschieht, um sie zu vernichten für die Ewigkeit," weil Narren und Thoren meinen, daß Deine Vorausbcstimmung ihnen den freien Willen raube; doch dem ist nicht so, 'n cna nn*r, „denn Du thronst in der Höhe ewiglich, Allherr! ytcn in pns 'idnp «o, Du lassest dem Menschen die freie Wahl und deßhalb findet in der Ewigkeit Belohnung und Bestrafung statt, na**’ 'ui run »3 ‘x\ ni2’ “idod pns 'ui, deßhalb werden die Bösen einst der Vernichtung anheimfallen, der Fromme aber wird wie die Dattelpalme blühen, '3 nur6 13 nnbiy n>i ms '1 „zu verkünden, daß gerecht ist der Ewige, mein Fels, kein Unrecht ist an Ihm!" ' (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Die Intoleranz — um uns eines gelinden Ausdrucks zu bedienen — des städtischen Oberlehrers gegenüber den jüdischen Schulkindern, über die wir in der vorigen Nummer berichteten, hat, wie wir mit Genugtuung constatiren, in den weitesten und namentlich in nichtjüdischen Kreisen eine tiefgehende Entrüstung hervorgerufen. Unsere Stadt Berlin hat von jeher ihren größten Stolz darin gefunden, echt tolerant gegen alle Bekenntnisse zu sein, und von jeher ist sie ein unübertroffenes Vorbild in Vorurteilslosigkeit gewesen. Und diesen Ruhm wollen wir uns nicht schmälern lassen. Die Stadtveroidneten-Bersammlvng wird, wie wir aus zuverlässiger Quelle in Erfahrung gebracht haben, demnächst über diesen Gegenstand, so unliebsam er auch sein mag, in Berathung treten. Eine Anzahl von Mitgliedern gedenkt nämlich über diese Angelegenheit'eine Anfrage an den Magistrat zu richten. Außerdem wird aber auch von Seiten der hiesigen jüdischen Gemeinde-Behörden eine diesbezügliche Frage an den Magistrat gerichtet werden. Da nunmehr die ganze Angelegenheit in die volle Oeffentlichkeit getreten ist, so nehmen wir keinen Anstand mehr, den Namen des Lehrers, sowie der Anstalt zu nennen. Es handelt sich um den Oberlehrer Herrn Dr. Rudolph in der Louisenschule in der Artilleriestraße. Unbegreiflich muß es erscheinen, daß nicht früher schon jüdische Eltern sich beim Magistrat über diesen Herrn beschwert! haben; die gewünschte Abhilfe wäre sicherlich längst | gewährt. (B. Tglbl.) Aus Breitsten, im Februar. Anknüpfend an meine Correspondenz über die Vornahme von Trauungen theile ich Ihnen mit, daß das Königliche Landtagsamt zu*) auf Beschwerde Seitens eines Beamten verfügt hat, daß nur solche Personen zur Vornahme von kirchlichen Trauungen zuzulassen find, die sowohl die nach den jüdischen Religionsgesetzen erforderliche Befähigung als auch ihre Berechtigung durch Erlaubnis des Vorstandes und der Repräsentanten nachgewiesen hat. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Vor ungefähr zwei Monaten wurde Regina P... ein armes , fünfzehnjähriges Judenmädchen unter eigentümlichen Vorspiegelungen aus einer Provinzstadt Mährens, dem Wohnorte ihrer Eltern, nach Wien gelockt. Eine Stiefschwester Reginens, Namens Marie L., welche hier wohnhaft ist, war es, die. vorgebend, daß sie dem Mädchen, den Intentionen des strenggläubigen Vaters gemäß, in Wien bei einer braven jüdischen Familie einen Dienstplatz verschafft habe, den Vater zu bewegen verstanden hatte, seine Tochter nach der Residenz ziehen zu lassen. Es sei hier nur gleich erwähnt, daß die Stiefschwester, eine Convertitin, allerlei dunkle Beziehungen zu Klöstern und namentlich in letzterer Zeit, zu dem Elisabethinerinnen-Kloster auf der Landstraße unterhält. Thatsache ist, daß Regina P. nicht, wie es hieß, in die „brave jüdische Familie" . sondern „zur weiteren Ausbildung" in das bezeichnete Kloster gebracht wurde. Daselbst genoß jedoch das unerfahrene Kind nicht nur Untericht in häuslichen Dingen, sondern auch in den Lehren der katholischen Religion, wurde zu mannigfachen kirchlichen Handlungen, sowie zum Lesen und Anhören von Predigten verhalten, endlich sogar, als ob sie bereits Christin geworden wäre, mit einem um den Hals zu hängenden Kreuze u. dgl. versehen. und so durch alle erdenklichen Mittelchen der Rezeptirkunde wohlorganisirter Prvselitenmacherei unbewußt für die Aufnahme in den Schooß der allein seligmachenden Kirche vorbereitet. Dieses Werk krönte man damit, daß am 31. v. M. im Namen des Mädchens an dessen Vater ein Brief gerichtet wurde, in welchem um die vä- *) rer Aaine will nichts Ult' rachk.