Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1876)
- Date
- 1876-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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186 und Gott antwortet ihnen: Gehet hin p nu noD bv, zu der mit der Feststellung der Monate eingesetzten Behörde in Jerusalem; wie diese es feststellen wird, so wird es sein, wie es heißt: Onx :*npn , „die ihr (die von Israel eingesetzte Behörde) ausrufen werdet zu ihrer Zeit" (3. B. M. C. 23, V. 4), das heißt: Die von Israel zur Monatsbestimmung eingesetzte Behörde hat zu bestimmen, und selbst wenn die Bestimmung irrthümlich (u'uw ivb« ora), oder in Folge einer Täuschung fälschlich (d^j/üid Pbn don) oder in Rücksicht auf andere Verhältnisse absichtlich unrichtig (cn'tt: dpn) getroffen wird, so gilt diese Bestimmung, und Gott sitzt zu Gericht an dem von der jüdischen Behörde bestimmten Tage. Wir wollen die hier dargelegten Verhältnisse an der Hand der heiligen Schrift und der sie erläuternden Tradition noch näher besprechen. Als die fromme Channah -Lrhörung gefunden und den heißersehnten Sohn geboren hatte, da sprach sie zu ihrem Gatten, daß sie ihn nicht eher begleiten wolle in das Haus des Herrn nach Schilo, bis das Kind entwöhnt sei; dann wolle sie den Knaben dorthin bringen, damit er im Hause des Ewigen bleibe für'immer. „Und es sprach zu ihr Elkanah, ihr Mann: Thue, was gefällt in Deinen Augen; bleibe, bis Du ihn entwöhnt hast; nur möge der Ewige erfüllen Seine Verheißuna." (1.' B. Sam. C. 1, V. 23.) Welches ist die Verheißung, von welcher Elkanah hier spricht? Raschi gibt uns im Namen des Midrasch Aufschluß darüber. „Rabbi Nechemja im Namen des Rabbi Samuel bar Naw Jizchak sagte: An jedem Tage ertönte eine Stimme vom Himmel in der Welt und verkündete: ein Frommer, Namens Samuel, wird erstehen! Und jede Frau nannte den Sohn, den sie gebar, Samuel. Wenn nun die Knaben heranwuchsen und die Welt sah ihre Thaten, da jagte man: das ist nicht Samuel. Als aber der Sohn der Channah heranwuchs und man sah sein Benehmen, sein Thun, da rief alle Welt: das ist der verheißene Samuel. Darauf bezieht sich das Wort Elkanah's: pnsrPwotp nm n« G Dp\ Gott möge seine Verheißung erfüllen; möge dieser Knabe der fromme Samuel werden." Daß ein Mann von der Wichtigkeit und Bedeutung Samuels erstehen werde, das war von Gott vorausbestimmt; daß aber das Individuum sich zu dieser Wichtigkeit und Bedeutung emporarbeite, das hing von diesem selber ab. Wenn der Sohn des Elkanah und der Channah nicht aus eigenem Antriebe die Frömmigkeit und das edle Thun erkoren hätte, so wäre ein Anderer der Samuel geworden, der an Größe und Bedeutung gleich Moscheh und Ahron zu achten ist. Es lag in den Plänen der göttlichen Weisheit, daß ein Samuel bestimmend eingreife in Israels Entwickelung; das aber widerspricht der Freiheit des Willens des Einzelnen nicht; wenn der Sohn Elkanah's auf Abwege hätte gehen wollen, er hätte es gekonnt, und ein Anderer würde an seiner Stelle der Samuel geworden sein, dessen Israel bedurfte. Mögen Umstände, Zustände, Erziehung. Verhältnisse noch so sehr auf den Menschen einwirken, in Wahrheit bestimmend ist für rhn nur seine eigene Entschließung. So groß und wichtig auch die Factoren der Erziehung, der Gewöhnung sind, so machtlos sind sie am Ende der freien Entschließung des Individuums gegenüber. Waren doch Jakob und Eßaw Zwillingsbrüder, von einem Mutterschooße gleichzeitig empfangen, unmittelbar nach einander geboren, haben sie doch eine Erziehung genossen, gleich Myrthe und Brennessel, die in einem Garten nebeneinander wachsen und der gleichen Pflege des Gärtners sich erfreuen, bis sie herangewachsen, und die Myrthe Alles durch ihren Duft erfreut, während die Brenn nessel dem, der sie berührt, die Finger verbrennt! Dieselben Einflüsse wirkten auf Jakob wie auf Eßaw, und dennoch erwählte Jakob die Gotteslehre, die Gottesfurcht, die Tugend, während Eßaw den wildesten Leidenschaften sich hingab! Und ebenso wie die Erziehung, die Gewöhnung, die Verhältnisse nicht durchaus bestimmend sind für den Menschen, sondern im letzten Grunde nur sein eigner, freie Wille, so ist auch das göttliche Vorauswissen nicht bestimmend für das Individuum. Das Gute wie das Schlechte, was erforderlich ist für Gottes weise Pläne, für Seine erhabene Weltordnung, das kömmt, das tritt sicher ein. vrL Alles ist von Gott vorausgesehen; aber das Individuum ist nicht gezwungen, cs ist frei; es braucht weder das Gute, noch das Schlechte zu thun n:in: mznrv, denn die Freiheit ist dem Menschen verliehen; \x:ü ’t by noi , das Gute geschieht durch den, der gut sein will rnim im h» by und das Schlechte durch den, der schlecht sein will. Wir hoffen, durch die vorstehende Erörterung eine der wichtigsten Fragen dem Verständniß etwas näher gebracht zu haben; und in diesem Sinne kann man auch die Worte des Psalmisten deuten (Psalm 92): . l’mDü'nQ ipcy -wo 'n -ptt'yo ltnj nc „Wie groß sind Deine Werke, o Herr, sehr tief sind Deine Pläne," Deine Pläne, nach denen die Welkt Du lenkest und Alles vorausbestimmt hast. msa njc hk p* rö j;t ab ~y2 tr« .-!y '~y dtbeti!? p 'byt P vi’spi 3i»j? ieb