Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1876)
- Date
- 1876-02-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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171 burtsmatrike die Anmerkung zu machen: „auf Wunsch der Eltern nicht beschnitten;" der Rabbiner verweigerte jedoch, diese Anmerkung auch im Geburts- Schein beizufügen. Wien Das Reichs-Krieasministerium hat die jüdischen Gemeinden von Wien, Prag und Pesth aufgefordert, je einen Rabbiner vorzuschlagen, welcher die Functionen eines Feldpredigers zu übernehmen haben wird. Nebst der Kenntniß der deutschen Sprache wird noch die einer zweiten (der magyarischen, der czechischen oder polnischen) gefordert. Wien, 9. Febr. Der volkswirthschaftliche Ausschuß des Unterhauses hat bei Berathung der mit Rumänien abgeschlossenen Handelsconvention einen Antrag angenommen, wonach in dem an das Haus zu erstattenden Berichte das Bedauern auszudrücken sei, daß es bei Abschluß der Rumänischen Handelskonvention der Regierung nicht gelungen fei, die gleichmäßige Behandlung aller österreichischen Staatsbürger ohne Unterschied der Confession zu erzielen. Aus Czernowitz wird unterm 6. d. M. berichtet: Große Aufregung verursachte hierorts die anher gelangte Nachricht über einen wahrhaft entsetzlichen Raubmord, welcher sich dieser Tage im benachbarten Ismail (Moldau) ereignete. Es drangen nämlich in später Nacht mehrere Individuen, die, wie es heißt, ganz vermummt waren, in das Haus des Med. Dr. w ein, und nachdem sie sowohl den genannten Arzt alr auch dessen Gattin und drei Kinder in gräßlicher Weise ermordet hatten — der Frau wurde der Unt rleib aufgeschkitzt — raubten sie einen Vorgefundenen Baarbetrag von 20,U)0 Stück Dukaten und verließen unbemerkt die Stätte ihres Verbrechens. Die Nachricht hievon hat hierorts um so größere Aufregung hervorgerufen, als die Familie Nosenthal auch in Czernowitz wohlbekannt und geachtet war. Der hier studirende Sohn des Dr. Rosenthal ist sofort nach erhaltener Nachricht nach Ismail abgereist. Bis nun ist noch keine Spur zur Entdeckung der Raubmörder aufgefunden worden. — Dr. Rosenthal war der Schwiegervater des in Wien domicilirten Med. Dr. Spitzer, welcher gleichfalls nach Jsmael abgereist ist. Feuilleton. Mer aus dem alte» Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) Die Eltern waren vollkommen einverstanden, und nur ein unglückseliges Hemmniß sollte heimtückisch ihre Hoffnungen zerstören. Budweiser, der außer der Erfüllung seiner religiösen Pflichten keinen andern Lebenszweck kannte als den, seine Familie, seine Kinder glücklich zu machen, war in die tiefste Betrübniß versetzt. Er sah, daß Ester litt, schweigend litt, und ihr Leid vor den zärtlichen Eltern zu verbergen suchte. Er hing mit allen Fasern seines treuen Herzens an dem Kinde, und dieses sollte nun unglücklich werden! — denn daß sie sich unglücklich fühlte, empfand er vollständig. Sein ganzes zukünftiges Leben schien ihm leer und farblos. Budweiser war wenigstens besonnen genug, seinen liefen Unmuth zu verbergen, wenn er auch zu klug war, durch seichte, werthlose Trostgründe beruhigen zu wollen. Bele dagegen ließ sich von ihrem Schmerze vollständig Hinreißen, sie weinte unaufhörlich über das Unglück, das ihrem Kinde zugestoßen, über die Schlechtigkeit der Menschen , die Härte des drückenden Gesetzes, — so daß Ester selbst die Mutter zu trösten versuchte. Budweiser hatte seinem Sohne Nathan, der, wie wir schon erwähnten, in einem großen Handlungshause in Böhmisch Leippa als Buchhalter angestellt war, die verhängnißvolle Veränderung im Kreise der Familie, den durch den alten Rakonitz angezeigten Rücktritt seines Sohnes, mitgetheilt. Nathan Budweiser, ein Jugendfreund des in gleichem Alter stehenden Simon Rakonitz, schrieb sofort. Er drückte seine Verwunderung darüber aus und versprach auf Samstag nach Prag zu seiner Familie zu kommen. Das war ein kleiner Lichtstrahl in dem Leben der Budweiser. Die Eltern freuten sich herzlich, den Sohn nach mehrjähriger Abwesenheit wieder in die Arme zu sch ießen, und auch Ester, die dem begabten, gleichgesinnten Bruder mit schwesterlicher Liebe enthusiastisch anhing, freute sich unsäglich. Freitag, spät am Nachmittage, langte der sehnlich Erwartete, ein junger Mann von sechsundzwanzig Jahren, an. Er war von der langen Fabri — die Fahrt von Leippa dauerte damals länger, als jetzt eine Reise von London nach Prag — bestaubt und ermüdet angelangt, und hatte sofort ein Bad nehmen müssen, das ihm die