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Der Israelit · 1876-02-23 · Heft 8 (23.2.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 8 (23.2.1876)
Date
1876-02-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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168 nicht gerade in ThrLnen schwammen, was sehr oft geschah .... und auch da wollte der Rechthaber das letzte Wort haben; - - das wir ihm auch gerne in unserer Erzählung gönnen; denn als man vor dem Tischgebete Toaste ausbrachte, — in Versen und in Prosa, — und man schon glaubte zu Ende zu sein .... da erhob sich Franke. Robert Eberstein klopfte an sein Glas und erklärte, jener wolle sprechen. Ein tiefes feierliches Ächweigen senkte sich sofort über die Versammlung. Alle erhoben sich unwillkürlich von ihren Sitzen und blickten erwartungsvoll auf die ehrwürdige Gestalt Frankes, der mit vor Rührung bebender Stimme begann: „Mein lieber, guter Alfred .... das was ich sagen will, ist kein Trinkspruch; aber es liegt mir am Herzen, und drum soll es gesagt werden. Ich könnte Dir's ganz allein sagen; aber die Anwesenden alle sind unsere guten Freunde, sie dürfen es mit anhörcn. Alfred, Dein Großvater, Dein Vater, waren meine besten Freunde, — jenen liebte ich wie einen Vater, diesen wie einen Bruder; — das Andenken dieser beiden herrlichen Männer möge gesegnet sein! — Dich lieb ich, wie meinen Sohn.Vergiß es nicht, mein Alfred, nie in keiner Lebenslage, wie wunderbar sich Gott verherrlicht hat an Dir und an den Deinen, bedenk' es wohl, in wie kurzer Zeit durch seine Huld und seine Macht, sich dein Geschick geändert. Der würdige Mann dort, — Franke deutete auf Löwenstamm — Dein Schwiegervater, der Gatte meiner unvergeßlichen Nichte Eleonore, die ich mit tiefer Wehmuth in unserm Kreise vermisse, — heute hochgeehrt und gefeiert von Allen, von seinem Könige angefangen bis zum geringsten Bettler herab — der lag vor kurzer Zeit noch — ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft in finsterem Kerker. — Susanne war gefesselt an einen ungeliebten Gatten. — und als ein gütiger Gott die Ketten Löwenstamms gesprenat, die Fesseln Susannens gelöst — da hielt Dich eine Schranke — die religiöse Pflicht ab; das Lebensglück zu ergreifen, das vor Dir lag ... . es war eine Schranke leicht zu überspringen .... Du und Susanne, Heinrich und Clara, Ihr brachtet das große Opfer, und neben dem tiefen Schmerze, ^er schwersten, härtesten Entsagung hattet Ihr auch die Stiche hämischen Spottes zu ertragen. Es war .kein biblisches Gesetz, das Eurem Lebensglück hindernd in den Weg trat. man nannte Euch muthlos, feige, schwachherzig, Eures Glückes unwerth ■— Ihr habt das Alles besiegt, Ihr seid standhaft geblieben, und Gott hat wunderbar zu Euren Gunsten entschieden! .... Und Alfred; neben dem schwersten Leid, dem tiefsten Weh, das Du erdulden mußtest, fandest Du auch bald die scharfen Dornen auf Deinem Lebenswege, in Deinem Berufe.als Dich auf Deiner kaufmännischen Laufbahn in kurzer Zeit, unverdient und unverschuldet Schlag auf Schlag traf — als Du, mein gläubiger, starker, unerschütterlicher Alfred! gebeugt, gebrochen vor mir standest, als Du aus der Tiefe Deines Herzens aufschriest: Wäre ich nicht gläubig bis in den Urgrund meiner Seele, ich spräche fast, Gott hat mich verlassen! — so traf mich dieses Wort aus Deinem Munde so hart, so schwer, so vernichtend . . . wahrhaftig, ich kann's nicht sagen, wie! .... eine Minute war mir's, als versänke das ganze Sein, Alles in ein dunkles, schwarzes, formenloses Nichts . , . eine Minute war ich für Dich und mich so unglücklich, daß es Menschenwort nicht auszusprechen vermag — aber nicht länger als eine Minute . . . dann. Alfred, dann kam ein so gläubiges, tröstendes Gottvertrauen über mich, — mich belebend und beseligend; ich wußte es. all' dieses unsagbare Leid, all' das Weh nach Gottes nnerforschlich?m Rathschluß denn doch nichts sein könne als eine schwere, harte Prüfung, wie sie der Allweise oft den Besten, den Edelsten auferlegt . . . daß dieses Drangsal doch durch Gottes Hilfe bald ein Ende nehmen müsse . . . was sprach ich da zu Dir? — das schöne, erhabene, ewig wahre Wort: Hajad haschem tikzor?! .... Und siehe, mein Alfred, wie göttlich groß hat sich der Weltenherr an Dir und den Deinen verherrlicht! — Verschwunden ist alles Leid, die wunderbarste Fügung hat alle Hindernisse weggeräumt, in der kürzesten Zeitfrist mit einem Schlage hat sich das Unglück in Glück, das Leid in Freude, der Schmerz in Wonne, das Weh in Seligkeit umgewandelt . . Gottes reichster Segen über Dich und die Deinen, über Haus Ebers! — Ihr habt ihn redlich verdient und er wird bei Euch bleiben für immer!" Franke machte eine lange Pause, er dachte gar nicht daran, die Thrünen, die ihm über die gerötheten Wangen flössen, wegzuwischen . . . „Nun, Alfred!" schloß er endlich, „ich hatte wohl doch recht gehabt, als ich Dich damals tief erschüttert frug, Hajad haschem tikzor?! Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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