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Der Israelit · 1876-02-23 · Heft 8 (23.2.1876) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 8 (23.2.1876)
Date
1876-02-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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165 bilden können. Der klägerische Anwalt appellirte gegen diesen abweisenden Beschluß an die Königliche Tafel. Diese hob den erstgerichtlichen Beschluß auf, und sprach es aus, vaß der Geklagte zur Duldung der an ihm zu vollziehenden Chalizah-Ceremonie verpflichtet sei. Dieses Urtheil wurde damit begründet, daß die Vollziehung dieser Ceremonie weder physisch unmöglich sei, noch etwas Unmoralisches enthalte, daher auch durch das Gesetz nicht verboten sei. Auch müßten die religiösen Amtshandlungen der einzelnen anerkannten Glaubensbekenntnisse durch das Gesetz respectirt werden. Gegen dieses Urtheil appellirte wiederum der Vertreter des Geklagten an den obersten Gerichtshof, welcher jedoch über Referat deS Herrn v. Ferenczy das obige Urtheil der Königlichen Tafel aus den vorgebrachten Motiven bestätigte. Die Chalizah-Ceremonie. welche, in so lange das interne jüdische Ehereckst Geltung besitzt, sehr häufig vorzukommen pflegt, ist somit durch die obersten Instanzen für Ungarn sicher gestellt worden. Belgien. Brüssel. Dem Professor L. Kahn, Inhaber j des bekannten Knaben-Instituts, ist die Stelle eines! Jnspectors der israel. Schulen Belgiens angeboten! worden; aber er hat dieses Amt ausgeschlagen, um! seine ganze Zeit seinem Institute widmen zu können.; (Ult. Jsr.) ' Frankreich. Paris. Laut Decret vom 13. Januar ist für Paris eine vierte Rabbinatsstelle creirt! worden. j Nach den mit der Stadtbehörde veranstalteten! Verhandlungen hat die israel. Gemeinde gleich j 250,000 Frs. und für die Folge 40,000 Frs, jähr-! lich an die Stadtkasse zu zahlen für die von der; Stadt gemachten Ausgaben zum Bau der zwei! neuen Synagogen. Die Höhe der Rückzahlungen j wird erst nach genauer Feststellung der Baukosten; bestimmt werden. (Un. Jsr.) Holland. Amsterdam. In dem Nederland'sche Spectator zeigt das Counts, welches sich gebildet hat, um den Plan für Errichtung eines Denkmals für Spinoza seiner Verwirklichung zuzuführen, seine nunmehr erfolgte definitive Constituirung an. Das Denkmal (stanck deelä) soll im Haag errichtet werden, wo Spinoza die letzten Jahre seines kurzen Lebens zugebracht. Es seien denn auch aus dem Auslande bereits dem Counts von vielen ausgezeichneten Männern der Wissenschaft Zusagen ihrer Mitwirkung zu würdiger Ausführung des Denkmolplanes zugekommen. An der Spitze des Comits's steht als Ehren-Präsident Graf Limburg- Styrum, Präsident ist Dr. Campbell, Secretär Dr. Betz, sämmtlich im Haag. Unter den Ehrenmitgliedern des Conntss befinden sich wissenschaftliche Notabilitäten aus Belgien, aus Deuschland (Berthold Auerbach in Berlin, Professor Bergmann in Marburg, Professor Kuno Fischer in Heidelberg, Professor v. Prandl in München, Professor Sckaarfckmidt in Bonn, Professor Sigwart in Tübingen, Professor Zeller in Berlin), aus Finnland, Frankreich, England, Italien, Oesterreich , der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Man erwartet, daß bis zum zweihundertsten Jahrestage des Todes Spinozas, am 21. Februar 1877, alle zur Herstellung eines großartigen Denkmals erforderlichen Mittel in Bereitschaft sein werden. Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel". (Fortsetzung und Schluß.) Zwölftes Kapitel. Es war zehn Uhr, Nachts, als Franke und Eberstein das Hospital verlassen wollten. Die Equipage des Letzteren wartete unten. Eberstein, der seine neugefundene Großnichte Dorchen rasch liebgewonnen hatte, wollte das Kind, die rechte Erbin aus dem Hause Ebers, nicht einen Moment länger im Hospital lassen und gleich zu sich in ihr großväterliches Haus mitnehmen. Da er auch die wichtigen Documente, die ibm Zöllner übergeben, ordnen und Nachsehen wollte, ob nichts zurückgeblieben war, so mußte sich seine Abfahrt verzögern. „Ich kann Dich nicht erwarten, Robert" rief Franke vor Ungeduld zitternd, „ich muß fort . . . . gelobt sei Gott" und noch ehe ihn Eberstein zurückzuhalten vermochte, war der Greis mit jugendlicher Eile, nach Hause gestürzt. Er riß heftig an der Glocke, der erschreckte Portier öffnete: ein zweites Glockengcläute rief die Diener! — so lebhaft, so stürmisch, hatte man Franke noch nie

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