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Der Israelit · 1876-02-16 · Heft 7 (16.2.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 7 (16.2.1876)
Date
1876-02-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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144 spät .... Vierzehn Tage früher starb mein armes Kind — die Tochter des Millionärs, allein, verlassen, in quälender Ungewißheit über die Zukunft ihres Kindes auf einem verfaulten Strohsacke .... und ich .... ich ... o! Allerbarmer hatte Hunderttaufende verpraßt, vergeudet .... Als ich an ihrem Grabe stand, dieses war nur durch ein einfaches, hölzernes Brettchen bezeichnet .... o! da hätte ich .... es gibt keinen Preis auf Erden, der mir zu groß gewesen wäre — Alles, Alles hingegeben, sie nur eine einzige Stunde, — ein Nichts im Meere der Ewigkeit — ins fiebert zurückzurufen — ihr sagen zu können, wie namenlos ich ste liebe, wie unsagbar mich meine Härte schmerzt .... wie .... ah! ich kann's nicht sagen, nicht aussprechen. es war erschrecklich.da hörte ich schon die Posaune des Weltgerichtes, mit furchtbarem Klange in meinem Ohre erschallen! Gott! allmächtiger Gott!.Und dann als ich von dem würdigen Rabbiner begleitet .... ihre ärmliche Wohnung aufsuchte; — und mein süßes Enkelchen, das Dorchen dort .... bei mildthätigen, aber selbst armen Leuten fand, mein Enkelkind, eine der reichsten Erbinnen Deutschlands, in elende Lumpen gehülU, in einem dumpfen Kellerloche, auf verfaultem Stroh liegend, fand .... das war eine Empfindung .... Wuth und Haß gegen mich .... Leid, Weh, Qual, Schmerz, ah! — das läßt sich nicht schildern.an dem Kinde : .... an dem Kinde .... will ich Alles gut machen .... aber . . . aber ich sterbe!" dann fuhr er leiser fort „ich hinterlasse ihr Geld . . . . j Geld .... halte Dein Versprechen Eberstein . . . . - sei ihr Vater . ... ja .... ja ... . noch eins | . ... der Rabbiner erzählte mir auch . . . daß . merkwürdigerweise, einige Zeit vor dem Ableben j meiner Tochter . ... ihr ... . geschiedener Gatte! in Hamburg gestorben .... er hatte eine zweite j brave Gattin .... er war beider nicht würdig! gewesen .... Ah! .... So! ... . jetzt . . . . i wißt Ihr Alles .... und mir ift's zwar öde und ' banz .... vor meinen Augen wird's dunkel . . . . j aber ich bin ruhiger.Franke ich möchte die j Sterbegebete verrichten .... Jeanette, Alfred, - Löwenstamm, Susanne, Heinrich Eberstein . . . .! sollen mir alle meine Frevelthaten verzeihen . . . .! und Allvater vergib Du mir!" Zöllner war umgesunken, die unmittelbare j Macht des Todes kündigte sich schon in seinem! hypocratischen Gesichte an. Eberstein ging um einige Männer zn rufen, welche die letzten Gebete verrichten sollten. Franke aber beugte sich über Zöllner und rief ihm ins Ohr: „Zöllner, Sie verstehen mich doch noch . . . . Sie hören doch wohl noch, was ich Jdnen sage?" Der Sterbende schlug matt die Augen auf, richtete als Antwort den Blick auf Franke, und versuchte leise bejahend mit dem Kopfe zu nicken. „Sie haben Ihr Leben lang viel gesündigt, viel verbrochen .... aber Sie haben in den letzten Tagen viel gebüßt und Gott ist allbarmherztg .... Ihre Ankunft, Ihre letzten Mittheilungen haben vier Menschen glücklich gemacht, Alfred, der Sohn Jeanettens, der Sie ihr väterliches Erbe geraubt — Susanne und Clara, die Töchter Löwenstamms und Lurchen Vvrbergs — denen Sie so unendlich Furchtbares zugcfügt — Heinrich der Sohn Joseph Ebersteins, dessen Jugcndglück Sie zerstört .... die alle vier waren unglücklich, alle ihre Lebenshoffnungen schienen vernichtet — für immer, Alfred und Susanne, Heinrich und Clara liebten sich und schienen für immer von einander gerissen .... Ihre Mittheilungen geben ihnen das Lebensglück wieder .... Sie werden alle glücklich werden .... Ihr letztes Werk Zöllner, .... war ein gutes!" Ein glückliches Lächeln huschte über die Züge des Sterbenden. „Gottes reichster Segen über Alle" lispelte er ... . mein Enkel!" Franke reichte ihm das Kind, das erschreckt in das Gesicht des bleichen Mannes blickte; dieser versuchte es, seine Lippen an das Lockenköpfchen zu drücken, legte seine erstarrenden Hände auf des Kindes Haupt, als wolle er sie segnen. „Verzeihung" war das letzte, vernehmliche Wort, das er lispelte .... dann murmelte er nur noch unverständliche Worte. Jetzt trat Eberstein mit einigen Männern ein, welche sofort die Gebete begannen. Das kleine Mädchen, welches erstaunt die fremdartige Scene angesehen hatte, wurde in ein anderes Zimmer gebracht, wo es sogleich ermüdet einschlief. Zöllner hatte nur einen kurzen Todteskampf zu bestehen, eine Viertelstunde, nachdem er seine Mittheilungen beendet hatte, war er todt. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gott-leb en'r Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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