Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1876-02-16 · Heft 7 (16.2.1876) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 7 (16.2.1876)
Date
1876-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447645-2447653--12257-2468075
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

141 ergab sich bei der Abstimmung die Minorität, man ging daher über die erwähnte Eingabe zur einfachen Tagesordnung über. Es wäre überflüssig das Benehmen des Herrn Dr. Wedell noch charakterisiren zu wollen. Er richtet sich selbst. Der Vorstand soll die Absicht haben 500 Gräber in Eigenthum zu erwerbeu, um sie den Einzelnen abzulassen. Daß daS nur eine halbe Maßregel ist und nur die Gebeine vor dem Hinausgeworfenwerden schützt, während sie die andern religiösen Bedenken nicht hebt, leuchtet von selbst ein. Die Mitglieder der Opposition werden sich nun an die Regierung wenden, und um die Erlaubniß nachsuchen, einen eigenen Friedhof erwerben zu dürfen. Unterdetz sind in Düsseldorf zwei Todesfälle vorgekommen. Das todtgedorene Kind eines Schauspielers wurde auf dem allgemeinen Friedhofe unter Assistenz des Herrn Dr. Wedell begraben; die andere Leiche wurde nach dem zwei Stunden entfernten Friedhofe einer benachbarten Gemeinde verbracht; Herr Dr. W. aber glänzte durch seine Abwesenheit. Unsere geehrten Leser haben aus dem Referate aus der Düsseldorfer Zeitung ersehen, daß die 115 isr. Gemeindemitglieder zu Düsseldorf sich auf Dr. Philippson berufen haben, den man doch gewiß nicht zu den Orthodoxen zählen kann. In der That gibt es wohl kaum eine Partei im Judenthume, die noch jüdisch denkt und fühlt, welche in dieser Frage nicht mit uns einig ginge. Die Verzichtleistung auf einen besondern, jüdischen Friedhof ist etwas so durchaus Unjüdisches, daß ein ganz besonderer Grad von Irreligiosität dazu gehört, so etwas ins Werk setzen zu wollen. Diejenigen Düsseldorfer Israeliten, welche noch jüdisch denken und fühlen, mögen in ihrer berechtigten Fürsorge für ihre Todten nicht erkalten. Sie werden sich hoffentlich von einem Vorstande und einem Rabbiner lossagen, welche die wahrhaft jüdischen Interessen in solcher Weise zu schädigen bemüht sind. > Wie uns mitgetheilt wird, hat sich Herr Dr. j Wedell in Bezug auf seine Handlungsweise auf j die Zustimmung seines Schwiegervaters, des Herrn z Landrabbincn Dr. Meyer in Hannover de-! rufen. Sollte das wahr sein? Sollte Herr Dr. j Meyer zu den so weit vorgeschrittenen Rabbinen! gehören, die in gewissen Din en schon über Philippj fort hinaus sind'? Dann hätten wohl die Gegner! des Herrn Dr. M. Recht, die hinter dessen die i religiöse Trauung betreffendem Circulär lediglich die Sorge um die Sporteln witterten. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 13. Februar. Unsere geehrten Leser werde» sich erinnern, daß in einer früheren Nummer ein Correspondent aus Würzburg sich mit einem Artikel der zu Berlin erscheinenden Zeitschrift „die jüdische Presse" beschäftigte und es unter Anderm mißbilligte, daß die Redaction des genannten Blattes einen Artikel aus der Weserzeitung zum Abdruck gebracht habe, in welchem das Wunder von der Spaltung des Schilfmeeres (^d nynp) geleugnet wurde ohne daß die genannte Redaction auch nur eine Bemerkung dazu gemacht hatte. Die löbliche Redaction der „Jüd. Pr." hält diesen „Angriff für ebenso ungeschickt wie lächerlich" und meint, „ihre Leser würden es begreifen, daß es unter ihrer Würde sei, darauf zu antworten." Trotzdem hat sie darauf geantwortet und sie hat wohl daran gethan, denn pxi neun px 'w nsy, wo es sich um so gewichtige und ernste Dinge handelt, da soll man die eigene Würde gering anschlagen, und nur Gott die Ehre geben. Leider ist die Antwort sehr unbefriedigend ausgefallen. Die löbliche Redaction der „Jüd. Pr." meint, „daß sie nicht nöthig habe, ihren Lesern zu sagen, daß ein von ihr zum Abdruck gebrachter Artikel eines politischen Blattes nicht in allen Theilen ihre Ansicht ausspricht." Diese durchaus falsche Meinung veranlaßt uns, uns weiter mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen; denn dieselbe ist zu wichtig, als daß wir dazu schweigen könnten. Wir find jedoch weit davon entfernt, uns mit der löblichen Redaction der „Jüd. Presse" zanken zu wollen. Wir wiederholen es, nur der Sache wegen lassen wir das Nachstehende folgen. Zuerst müssen wir unsere Verwunderung darüber aussprechen, daß die löbl. Redaction der „Jüd. Pr." ihre Leser alle so genau kennt, daß sie weiß, Alle seien mit solch prophetischem Geiste begabt, um zu wessen, was von dem Darinstehenden die Billigung der Nedaction hat und was nicht. Mag der Leserkreis der „Jüd. Presse." noch so klein sein, so ist das doch factstch unmöglich. Ein bedrucktes Blatt, das in die Welt fliegt, kann Leuten in die Hände fallen, von deren Existenz der Versender keine Ahnung bat. Und wenn nun einige Leser, die nicht das Glück haben, von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.