Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1876)
- Date
- 1876-02-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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123 Mehrere Herren aus Frankfurt a. M. haben sich mit Summen betheiligt, die allein ca. den 5. Theil sämmtticher Kosten aufbrachten. — Wenn es erst noch de- Beweises bedürfte, daß der h\t , wo es sich um -icn 'd:p npis handelt, nicht nach Nationalität oder nach politischem Glaubenebekenntniß 'er.L'rr wwm^W^S-K^ fcrt; doch Politik mirn nx n^pbpo. Dieser Gedanke überkam uns unwillkürlich als wir den betreffenden Artikel, nachdem wir den Rechenschaftsbericht durchgesehen, nochmals zur Hand nahmen, und mit keiner Sylbe der deutschen Glaubensgenossen erwähnt fanden, trotzdem sogar 2 derselben Ehrenmitglieder des Comite's sind. Vom Vorstande des Asyl's selbst hätten wir erwartet, daß er so taktvoll sei und den Bericht an die deutschen Glaubensgenossen in deutscher Sprache versende — denn non pmaai npis haben nichts mit Politik zu schaffen. — Frldr — Frankfurt <1. M, 26. Jan. Die Kaiserin Augusta hat der Freifrau Louise v. Rothschild, die sich gegenwärtig wegen des Hinscheidens ihres Bruders Sir Anthony in London befindet, den ihr vom Kaiser verliehenen Louisen-Orden mit einem huldvollen eigenhändigen Schreiben direct zugesendet. Hamburg, im Jan. Herr Jacob Cohn (in Firma L. S. Cohn), Vorstandsmitglied des isr. Cultus hier, bat anläßlich der den Juden in Italien, speciell in Rom durch den König Victor Emanuel seit 1870 gewährten Freiheiten dem Könige von Italien zu Neujahr eine poetische Widmung zuftellen lassen. Herr Cohn hat jetzt aus dem geheimen Cabinet des Königs die Benachrichtigung erhalten, daß derselbe diese Aufmerksamkeit freundlich ausgenommen und den Vorstand des Geheimen Cadinets beauftragt habe, seinen Dank zu melden. Rußland. Odessa. Am Sonnabend, den 1. Januar, Abends, erschien in der Wohnung des Herrn M. B r o d s k y, Präsident der Handelskammer, Mitglied des Stadtraths und zwanzigfacher Millionär, ein höherer Polizeibeamte, und verlangte diesen zu sprechen. Nachdem ihm gesagt worden, daß er sich im Rathause bei einer Sitzung befinde, ging der Beamte dahin, um ihn von dem allerhöchsten Befehle, nach Perm in Sibirien auszuwandern, in Keuntniß zu fetzen. Diese unerwartete Nachricht drückte Herrn Brodsky ganz darnieder, da er sich nicht der geringsten Schuld bewußt war, es ihm auch Seitens des Civilgouverneurs mitgetheilt wurde, daß in dem Verbannungsbefehl kein Grund angegeben war. Sie können sich kaum denken, welch ungeheure Aufregung dieser Befehl hervorrief, und besonders hat derselbe auf die hiesigen oUox Stände » deuen. Herr Brodsky aufrichtiger Freund und Helfer in der Noth war. einen wahrhaft deprimirenden Eindruck gemacht. Während der beiden nächsten Tage — es gelang vielen Freunden Brodsky's durchzüsetzen, daß er, weil er ganz erschüttert von der traurigen Nachricht Sonntags im Bette bleiben mußte, bis Montag Abend hier bleiben durfte — war sein Haus von Trauernden förmlich belagert, und wahrhaft rührend war es, zu sehen, wie Arm und Reich, Jud' und Christ erschien, um mit Thränen in den Augen von dem vielgeliebten Manne Abschied zu nehmen. Montag Abend um 7l/-j Uhr begab er sich in Begleitung des Polizeidirectors nach dem Bahnhof, gefolgt von einer unzähligen Menge von Equipagen und Fußgängern. Am Bahnhof selbst waren einige Tausend Personen versammelt, die erschienen waren, um Herrn Brodsky ein inniges Lebewohl zuzurufen. Thränen traten mir in die Augen, als ich die Theilnahme sah, die dem Vielbewunderten und Vielbcneideten gespendet war, und Manchen horte ich äußern, daß durch den Abgang dieses Mannes, eines so grundehrlichen und braven Stadtverordneten, der Stadt ein unersetzlicher Verlust bereitet werde. Unter Hüteschwenken und Lebewohlrufen fuhr der Zug aus der Halle; hoffen wir zu Gott, daß es diesem Manne vergönnt werde. recht bald wieder in den Kreis seiner Familie und Freunde zurückzukehren und seine höchst ersprießliche Thätigkeit im Dienste der Stadt wieder aufzunehmen. Ueber den Grund der. Verbannung kann ich Ihnen noch nichts Genaues mittheilen, da die verschiedenartigsten Gerüchte die Luft durchkreuzen. Herr Israel M. Brodsky, ein Bruder des Verbannten , hat sich am 2. Januar nach Petersburg begeben, um nach der Ursache zu forschen, hoffentlich wird es ihm gelingen, diese ausfindig zu machen; sobald ich etwas Näheres erfahre, werde ich nicht verfehlen, Sie davon in Kenntniß zu setzen. (Wie die Red. der „Jüd. Pr.," der wir Vorstehendes entnehmen, hört, sei B. bereits freigclaffen und auf der Rückkehr begriffen; nach den neuesten Nachrichten jedoch ist B. nicht in Freiheit gesetzt, es ist ihm vielmehr die Stadt Kaluga, nördl. von Moskau, als Aufenthalt angewiesen. Red.)