Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1876)
- Date
- 1876-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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118 Heuer 1000 fl. als Subvention für iSr. Findlinge bewilligt, damit dadurch deren Unterbringung bei guten Pflegeparteien ermöglicht wird, demnach den Parteien bei Uebernahme des Kindes 5 fl. und am Ende des ersten Lebensjahres wieder 5 fl., zusammen 10 fl. Zulage ausbezahlt werden. Durch die Einführung dieser Zulage haben sich solche Pflegeparteien zur Uebernahme iSr. Findlinge bereit erklärt, welche sonst der Confession halber Anstand nahmen, einen isr. Findling in Pflege zu nehmen. Aus diesem Gründe hat auch das Sterblichkeitspercent bei isr. Findlingen im ersten Lebensjahre äußerst günstige Veränderungen erfahren. Im Jahre 1869 betrug es noch 83 Percent, und seither ist es allmählich gefallen, so daß im Jahre 1875 der Sterblichkeits - Percentualsatz 29 Percent war. Gr.-Magendorf (Ungarn). In Deutschland gehört eine Eivilehe gewiß nicht mehr zu den Seltenheiten, während bei uns in Ungarn, wo die Civilehe noch nicht eingeführt, eine solche wie selbe auf curioser Art hier vollzogen wurde, viel von sich reden macht und auch den hiesigen Herrn Rabbiner, Herrn M.Katz, veranlaßte gegen den Vollzieher derselben, wegen Eingriffs in die Rechte des Rabbinen. die Strafanzeige zu erstatten. Ein hiesiges jüdisches Mädchen, das bereits, wie selbst gestanden, Mutter gewesen, ohne daß sie selbst angeben konnte oder wollte, wer der Vater des Kindes gewesen, wollte einen Cvhen heirathen. Bei der gesetzlich vorgeschriebenen Aufkündigung der Trauung im Tempel, verbot der Rabbiner dieselbe, eben weil ein solches Frauenzimmer n^ro1? h^-ds ist. Das Paar wollte nickt von einander lassen und wandte sich an den hiesigen christl. Orts-Notar. Dieser nahm die Aufkündigung auf öffentlichem Wochenmarkte vor und die Trauung fand richtig im elterlichen Hause der Braut statt. Die Klage ist eingeleitet, alles ist auf den Ausgang deS Prozesses gespannt und ich werde mit Ihrer gütigen Erlaubniß so frei sein, das Resultat seinerzeit in Ihrem gesch. Blatte mitzutheilen. Schweiz. Basel. Die Basler Gelehrten, Prof. Socin und Kautsch haben soeben ein Werk herausgegeben, daö eine viel erörterte Streitfrage bis auf einen gewissen Punkt entscheiden wird. Das von Trübner in Srraßburg und London verlegte Buchprüft nämlich die in Jerusalem vor einigen Jahren gefundenen und theilweise um bedeutende Summen in's Berliner Museum verbrachten moabitischenAlterthümer auf ihre Aechtheit und gelangt dabei zu dem Schluffe, daß diese angeblich über 2500 Jahre alten Monumente wahrscheinlich das Werk eines jetzt noch lebenden Töpfers in Jerusalem sind; wenigstens sind die Inschriften. mit denen die verschiedenen Vasen, Platten, Statuen u. s. w. bedeckt sind, absolut sinnlos, obwohl die einzelnen Buchstaben an Deutlichkeit nicht viel zu wünschen übrig lassen. England. London. Der in London verstorbene Sir Anthony Rothschild ist nicht so reich aus der Welt geschieden, als es anfänglich hieß; nichtsdestoweniger hat er seinen Angehörigen hübjche Legate vermacht. Seiner Wittwe hinterläßt er ein Jahrgeld von 15,( 00 Pfd. St. und sein Wohnhaus in London; jeder seiner Töchter die Summe von 200,000 Pfd. St. mit der Bestimmung, daß dieses Geld an die Firma zurückfallen soll, im Falle sie kinderlos sterben; seinem Schwiegersohn 50.000 Pfd. St.; seinem Bruder seine Rennpferde; dreien seiner Neffen sein Haus in Newmarket, und dem Neffen, der seinen Baronstitel erbt, seine Güter. Türkei. Nach „Themmel" wohnten im Jahre 1866 2145 Israeliten in Bosnien, 95 inThracien und 65 in der Herzegowina. Feuilleton. §m Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel* (Fortsetzung.) - „Sie glauben es nicht, Herr von Eberstein, welch' eigenthümliches Gefühl es ist, die alte Zeit nochmals so in Gedanken zu durchleben . . . . Die Menschen sind verschieden, der Gute wird im Glücke noch besser — der Böse wird nur unter des Schicksals harten Schlägen gefügiger, besser. So lange nur das Glück lächelte, kannte ich keine Gewissensbisse, hielt ich mich gegen jeden Unfall gefeit, hielt ich es für undenkbar, daß mich irgend etwas Unangenehmes treffen könne .... ich glaubte an keinen Gott! — aber als in kurzer Zeit alles über mich hereinbrach; als Löwensstamms Unschuld klar an den Tag trat, als ich befürchten mußte, daß man mich verfolgen, mich Hetzen würde wie das Wild des Waldes, als ich vor jedem Geräusche erbebte; bei dem leisesten Windesrauschen fürchtete, die Häscher würden die Thüre öffnen, mich als Brandstifter, Fälscher, Betrüger in Ketten