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Der Israelit · 1876-02-09 · Heft 6 (9.2.1876) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 6 (9.2.1876)
Date
1876-02-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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116 welcher das Baden in einer Wanne als dem rituellen Zwecke genügend erklärt, während auch nicht der leise sie Widerspruch darüber besteht, daß ein Gefäß xnmx-iia ’ba ungeeignet ist, dem rituellen Badegebot zu genügen (Thorath Kohanim 11, 36. Thosaphoth Pesach. Fol. 17b. Beth Jos. zu Tur (zum Gegenstände) § 2011. In den größten Gemeinden Württembergs, Stuttgart, dem Sitze der Oberkirchenbehördean der Spitze, befinden sich keine rituellen Bäder. Wir wissen wohl, daß viele Israeliten Württembergs von den Anstalten keinen Gebrauch machen würden, auch wenn sie da wären; wir wissen aber auch, daß es nicht so weit gekommen wäre, wenn sie immer da gewesen, wenn die osficielle Kirche, anstatt dagegen aufzutreten, stets mit derselben Sorgfalt für sie erfüllt gewesen wäre, wie jetzt für die Trauung; wir wissen ferner, daß Viele die Anstalten benützen würden, wenn sie beschafft würden, daß das Nichtvorhandensein für Andere ein Gewissensbeängstigung, Anlaß zu kostspieligen Selbstbauten, zu störenden und gesundheitsgefährlichen Reisen ist, wissen, daß der Nothschrei dieser im Gewissen Beängstigten wohl in die Kanzlei, nicht aber ins Herz der Oberkirchenbehörde gedrungen ist' Angesichts dieser Thatsachen und so lange die Oberkirchenbehörde den einen ma -odx gestattenden Erlaß nicht zurückzieht, so lange sie nicht dem hier hervorgehobenen göttlichen Gebote ihre Energie zuwendct, so lange in gedruckten Predigten von würt. Rabbiner ungeahndet die Göttlichkeit der Thora geleugnet und auf württ. Kanzeln die Giltigkeit der göttlichen Gebote in Abrede gezogen wird, halten wir uns zu der Annahme berechtigt: Es sei der officiellen isr. Kirche Württembergs mit dem Erlasse nicht um die Erfüllung des Gesetzes zu thun, das Gott Moses und Israel gegeben hat. Wir schließen: n:n ly \-nai ’oyai ’rrff 21c. Der Unwillen über das Vorgehen der Reform in Württemberg, die bald hier ein Stück abschneidet, dort eins hinzufügt, bis das Judenthum arrondirt ist zu einer Domäne für Rabbiner, hat uns die Feder in die Hand gedrückt. Ob diese Worte direkt viel nützen werden — wir glauben es kaum. Die Herren sitzen fest im Sattel und die meisten Gesetzestreuen Württembergs scheinen dem Stamme Jisaschar anzugehören; sie finden die Ruhe angenehm, das Land lieblich und fügen sich dem Spornstößen. Daß leider die mo täglich weniger werden, dafür ist durch den Religionsunterricht trefflich gesorgt. Also wir erwarten wenig direkten Erfolg; dennoch glaubten wir nicht schweigen zu dürfen; die Wahrheit schadet nie “sni na “sn na, man muß immer wieder sagen, am Ende dringt sie doch durch; denn nam nzry» nox. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz» 30. Januar. Franz Deak, der berühmte, große Ungarische Staatsmann, der edelste Patriot, der größte Sohn seines Vaterlandes, ist in einem Alter von 73 Jahren gestorben. Franz Deak, selbst Katholik, war einer der edelsten, besten und eifrigsten Gönner der Juden. deren Emancipation er mit aller Macht erstrebte und auch durchsetzte. Er war das verkörperte Rechtsgefühl, und daher nannte man ihn auch das Gewissen seiner Nation. Was sein Vaterland ihm verdankt: Freiheit, Ruhe, Frieden, geordnete Zustände, gewissenhafte Rechtspflege, Wohlstand — kurz die höchsten Güter, auf die eine Nation ein Recht hat, stolz zu sein, das Alles hat die Geschichte mit goldenem Griffel unauslöschlich in ihre Gedenkbücher eingetragen. Wir wollen hier nur erwähnen, was das orthodoxe Judenthum in Ungarn ihm verdankt. Es war im Jahre 1869; die ungarisch-jüdische Neformpartei, vulgo die Congreßpartei, hatte die staatliche Anerkennung erlamst und das orthodoxe Jüdenthum schien in Ungarn vergewaltigt zu sein für immer. Da nahm sich Franz Deak der Unterdrückten an und erlangte auch für sie die staatliche Anerkennung, die Gleichstellung mit der entgegenstehenden Partei. Unter den großartigen Erfolgen, an welchen das Leben des Verblichenen so reich war, ist der letzterwähnte einer der ruhmreichsten. Franz Deak glich in mehr als einer Beziehung den großen Helden des Alterthums. Ein einfacher Edelmann, ohne Amt, ohne Titel, in sehr bescheidenen Vermögensverhältnissen lebend, beherrschte er Ungarn wie einst Perikles den Atheniensischen Staat. Doch glich er nicht dem Perikles, sondern mehr dem Aristides. Ohne Frau und Kinder — er hatte sich nicht verheirathet, um seinem Vaterlande besser dienen zu können — war er bedürfnißlos, unabhängig, keiner Bestechung, keiner Schmeichelei zugängig. Dabei war er ein Helfer der Wittwen, ein Vater der Waisen, eiu Ernährer der Armen und auf ihn paßt das Wort der Weisen xan □‘ny p^n anb oaiyn mcnx n’on „Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der zukünftigen Welt." Wir wollen hier noch eine kleine Anekdote aus seiner frühesten Jugend erzählen. In Kihida,

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