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Der Israelit · 1876-02-09 · Heft 6 (9.2.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 6 (9.2.1876)
Date
1876-02-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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114 epoche, die nichts ist als eine fortlaufende Reihe der wunderbarsten Ereignisse, der offenbarsten Wunder. Ein Volk, klein und unbedeutend an Zahl, und dennoch zerstreut über den ganzen Erdboden; gehaßt, verfolgt von allen Nationen, und dennoch unzerstörbar; verachtet und verstoßen all. überall, und dennoch vom größten Einfluß; arm und elend und heimathlos, und dennoch theilnehmend an jedem Völkermorgen, an jedem Aufblühen der Cultur; zum entwürdigenden und entehrenden Kleinhandel gezwungen, und dennoch nichts höher schätzend als geistiges Eigenihum, als Wissen und Wissenschaft; um das tägliche Brod, um die Luft zum Leben stets ringend nnd kämpfend, und dennoch eine Literatur schaffend, die ihresgleichen nicht hat auf Erden. Noch wunderbarer offenbart sich Gott in unsrer Mitte in unfern Tagen. In dieser Zeit der allgemeinen Zersetzung und Auflösung, in der alle Völker ihre alten Götter verleugnen und von ihnen abfallen, in der kaum ein gebildeter Nichtjude ^ch noch als Bekenner irgendwelcher Religion zu zeigen wagt, in dies-r Zeit bleibt der Kern Israels treu seinem Gotte und seinem Gesetze. Wer wollte es leugnen, daß es auch in Israel Abgefallene gibt in großer Menge? Gab es aber nicht auch solche in Mizrajim? Brachte doch deßhalb Gott drei Tage Finsterniß über Mizrajim, damit Israel während dieser Zeit alle die begrabe, die sterben mußten, weil sie der Erlösung widerstreben. „Dereinst," lautet eine alte Prophezeiung, „wann der Erlöser naht, dann werden auch Viele aus Jsraets Mitte gegen ihn zu Hilfe ziehen wollen; dann aber wird eine fünfzehntägige Finsterniß über den Völkern lagern; während dieser Zeit werden die Abtrünnigen aus Israel sterben, und von dieser Finsterniß heißt es: px .-dd» iznnn n:n ->d □’ctxV bfnj?». „Denn siehe, die Finsterniß wird die Erde bedecken und dichte Finsterniß die Nationen." Wir besitzen eine immerwahrende und fortlaufende Offenbarung Gottes in oer Geschichte Israels, und darauf bezieht sich der Ausspruch des Propheten: P .tx-ij 'i puno, aa§ der Ferne ist mir Gott erschienen. pimo, sagen die Weisen, xnpj xi rP3\-o x2"p nxty, „das ist der höchste Punkt in Gottes Palast," dto xn Pj/i, „und in Bezug auf ihn heißt's: beobachtet (meine Sabbate)". Welch' eine erhabene Lehre wird uns da gegeben! Der höchste Punkt in Gottes Palast — was ist das wohl? Das ist die GotteSerkenntniß, die so schwer ist und so schwierig und so unfaßbar; 'h nx-ij '-! p'.rr.s, mir erscheint Gott fern, wegen der unzulänglichen Kraft der menschlichen Auffassung.^ So fern, so fern, der höchste Punkt im Palaste des Allherrn; aber er wird erfaßt, dieser hohe, ferne Punkt durch die Beobachtung der Sabbate; da sind wir gleichsam gegenwärtig bei der Schöpfung, indem wir sie bezeugen; da ruht auf uns Gottes Majestät, indem wir uns von der Arbeit enthalten jtnd in der L^hre forschen und GotteS Wege ernennen und Gottes Offenbarung mit unverschlossenen Augen schauen; da wird nahe das scheinbar Fernliegende. p nsoj /mi pirr-D. „Bon der Ferne ist mir Gott erschienen; aber dann tritt Er uns nahe und ruft uns zu: -ps.-ix Pp nunxi nün -pnDK'o p „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum ziehe ich dich an mich." (Fortsetzung folgt.) Akbkr dt« Erlaß der würllrmbrrg. Israel. Oberkircheabehördk, die sogen, kirchliche Trauung betreffend. (Schluß.) Der Erlaß verbietet die Chuppa. Nach dem von Ihnen als göttlich anerkannten Gesetze gilt der Satz: daß das eheli ch eZusammenleben verboten bleibt, bis die Getrauten unter die Chuppa gekommen. Mag nun der Begriff Chuppa dcfinirl werden, wie man wolle, mag sie sich nach Ihrer kirchlichen Trauung vielleicht nachholen lassen; das steht aber jedenfalls fest, daß die Trauung, wenn sie nicht unter der Chuppa vollzogen worden, in dem Augenblicke, da Sie Ihre Erklärung sprechen, noch nicht rite vollzogen ist, und die Erklärung ist eine unter Anrufung des allmächtigen Gottes ausgesprochene Unwahrheit. Man muß sich hier nothwendig fragen: Ist denn die Chuppa, diese in der Bibel schon bekannte und als schönes Bild gebrauchte Einrichtung (Joel, 2, 16 Pf. 19, 6), ist denn die Chuppa, die im Volksmunde identisch ist mit Trauung, dieses herrliche Symbol der Ehe, so gar unästhetisch,! daß man an heiliger Stätte lieber eine Lüge be-I theuert, als sie beibehält. Muß denn alles Charakteristisch-Jüdische schwinden und uns nichts bleiben als die Kutte? Aehnlich, wie mit der Chuppa, verhält es sich mit der Ketuba. Zugegeben, daß das Vorlesen nicht absolut erforderlich sei, so bietet das Vorlesen doch die Garantie, daß sie geschrieben worden — vor der Trauung geschrieben werden. Mit dem Wegfalle der Vorlesung, das fürchten wir, wird bei manchem württemb. Rabbiner auch das Schreiben unterbleiben; warum sollte Ihnen auch die Ketuba heiliger sein, als die Chuppa? Wenn sie aber nicht geschrieben und bestätigt worden ist,

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