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Der Israelit · 1876-02-02 · Heft 5 (2.2.1876) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 5 (2.2.1876)
Date
1876-02-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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102 verleugnen, ihnen entgegentreten, wo sie uns nichts zu nützen scheinen?! — Daß die Simultanschule aber uns nützt, wenigstens durchaus nicht schadet, glaube ich leicht zeigen zu können: das beste Mittel zur Verbrüderung der Menschen ist, wie Viele auä Erfahrung wissen, das Zusammensitzen auf der Schulbank, das gemeinsame Ertragen von Leid und Freud' schon in der frühesten Jugend. Und so wird die Simultanschule durch ihre Vereinigung der verschiedenen Confessionen eine Pflanzstätte werden der Gleichheit und Brüderlichkeit, der gegenseitigen Achtung und Liebe! Freilich können und dürfen alle diese sehr schätzenswerthen Güter der Menschheit durch Hintenansetzung anderer ebenso wichtiger Religionsprincipien, durch Schädigung religiöser Interessen, durch Vernachlässigung des Unterrichts in der Religion nicht erkauft werden. Und das geschähe, wenn wir burcf) die Simultanschule gezwungen würden, uns mit drei- bis vierstündigem Religionsunterricht wöchentlich, zu begnügen. Aber das ist durchaus nicht nöthig! Außer diesen schulplanmäßigen Stunden stehen dem jüdischen Religionslehrer noch mindestens 0 Stunden zur Verfügung, während denen er „in der Israel. Neligionsfdjttle" lehren kann. Es sind dies folgende Stunden: Sonntag Vormittag 9—12 Uhr, Nachmittags 2—5 Uhr, Mittwoch Nachm. 2—5'Uhr *). lärrrfi uii die schulylanmäßigen drei oder vier Stu den zu dem sogenannten systematischen Religionsunterricht (biblische Geschicht und Katechismus) verwendet, so kann er in den übrigen 9 Stunden (die sich, besonders im Sommer noch vermehren lassen), Hebräisch-Lesen, Gebet-Uebersetzen, Pentateuch u. s. w. und reifere Schüler auch in höheren Fächern unterrichten.! Es wird dabei lediglich auf den Eifer des Rej ligionslehrers ankommen. — Es gibt jüdische Elementarschulen, an denen auch nicht mehr, als drei bis vier Stunden wöchentlich der Religion gewidmet werden, weil dieselbe den betreffenden Lehrern nicht so sehr am Herzen liegt. Es wird zunächst überall, wo Simultanschulen errichtet werden, Sache der jüdischen Gemeinden sein, für eine Religionsschnle zu sorgen; dann wird und kann die Simultanschule der Religion nicht schaden. Die kleinen Gemeinden, die nicht *> A ni!!. der Red: Und btc Schulausgaben. welche die Kinder Ui liefern haben, und dir Nacharbeiten, die sie zu machen haben. um das nachzuholcn, was durch de» Nichtbesuch der Schule am Ladbar versäumt wurdet Utib die Zeichnen- und Gesang- Stunden und Surnübuugeu, die aus den freien Nachmittag;u sallen pflegend im Stande sind, einen Religionslehrer anzustellen, konnten früher um so weniger einen Elementarlehrer besolden. Die 40 bis 60 Thaler. die die Communalschule der israel. Gemeinde zurückzahlte, konnten dies auch nicht ermöglichen, wenn nicht die Gemeinde selbst Opfer brachte. An mittleren Gemeinden wird man den Ausfall leicht verschmerzen; man kann dort die Religionslehrerstelle mit der des Cantor's vereinigen. An größeren Gemeinden kann der Cantor und Religionslehrer die unteren, der Rabbiner die oberen Elasten der Religionsschnle unterrichten und wird dadurch, wie die Erfahrung'-lehrt, vielfach mehr geleistet, als in jüdischen Elementarschulen. Wo auch jetzt noch jüdische Elementarschulen bestehen, dienen sie, besonders für die besser situirten Glaubensgenossen lediglich als „Kleinkinder b e w a hranstal t e n," die das Kind nur einige wenige Jahre besucht. Sobald es anfängt, erst recht zu begreifen und dem Lehrer Freude zu machen, verläßt es die jüdische Schule, um an der höheren Schule, Realschule , Gymnasium u. s. w. sich weiter auszubilden. In kleineren und mittleren Gemeinden konnte auch nie eine jüdische Elementarschule zur rechten Blüthe gelangen. Es ist dies nur da möglich, wo mit derselben eine höhere Schule verbunden, wie dies ja in manchen Städten der Fall ist. Darum erscheint eS mir für die meisten Gemeinde.«. viel bester, für eine gute Religionsschule zu sorgen, als die Kinder aller AÜters^stajir'N in eine Klaffe, die von einem Lehrer unterrichtet wird^), zusammenzupferchen und so nur mangelhafte Kenntniß der Elementarfächer zu erzielen. Zum Beweis, daß dieses in religiöser Beziehung zu besseren Zielen führen kann, als viele Elementarschulen, führe ich an, die hebräische Unterrichtsanstalt des Herrn Dr. P. Neustadt in Breslau, deren Zöglinge insgesarnmt städtische Lehranstalten besuchen und trotzdem in der Religion Ausgezeichnetes leisten. Ferner, die Rcligionsschule der orthodoxen isr. Gemeinde zu Wiesbaden, unter Leitung des Rabbiners, Herrn Dr. Kahn, deren Schüler ebenfalls nichtjüdische Schulen besuchen, da in Wiesbaden, wie in ganz Nassau jüdische Elementarschulen gar nicht existiren. Einen weiteren Beweis, daß durch Religionsschulen neben anderen Schulen die Religion durchaus nicht Schaden leidet, bildet auch die Religionsschnle der Adaß-Jisroel in Berlin mit ihren vorzüg- *) Weil zur Anstellung von zwei oder mehr Lehrern die Mittel fehlen.

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