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Der Israelit · 1876-02-02 · Heft 5 (2.2.1876) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 5 (2.2.1876)
Date
1876-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Recht auf dieses brave als Muster dastehende Ehepaar anwenden. Möge der allgütige Vater im Himmel, der ihnen bis jetzt so väterlich beigestan- Den, auch ferner beistehen und ihre Tage und Jahre verlängern raiüb. Als Charakteristik, wie hier Israeliten und Nichtisraeliten einträchtig und harmonisch unter einander leben, möge Ihnen die Thatsache dienen, daß bei der jüngsten Gemeindewahl zwei Israeliten, nämlich Herr Samson Kahn und Herr A. Fränkel, als Gemeinderäthe gewählt wurden. Als weiterer Beleg von Toleranz Seitens der hiesigen christl. Bevölkerung gegen ihre isr. Mitbürger möge Folgendes dienen: Vor einigen Jahren starb ein hiesiger geachteter christlicher Bürger, Namens Revier, und setzte ein nicht unbedeutendes Legat aus, mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß ein Drittel der Zinsen den hiesigen israel. Armen zugewendet werden müsse. Frankreich. Paris. Einer unsrer Glaubensgenossen bat neulich eine der höchsten Rangstufe in der militärischen Administration erreicht. Herr Laruch.Levy, bisher milit. Intendant des 19. Armeecorps und der Division von Algier, wurde durch Decrct vom 30. Dez. zum General- Jntendanten-Jnspector ernannt. (Arch. iSr.) Feuilleton. Haus Ebers. Erzählung von S. Kohn, Verfasser des „Gabriel" (Fortsetzung.) Eilftes Kapitel. Die Abenddämmerung war schon angebrochen,' als Robert Eberstein und Franke wieder in Zöllners Krankenzimmer traten. Eine Lampe auf dem kleinen Tische, neben dem Bette, ließ ihr volles Licht aus das Gesicht des Kranken fallen. Sein Aussehen hatte sich während der wenigen Stunden, seitdem ihn die Beiden nicht gesehen hatten, wesentlich verschlimmert. Die Todesschatten flogen schon leise über sein Gesicht, das entsetzlich mager erschien und schon eine bläuliche Farbe angenommen hatte. Ein Zug der Befriedigung überflog sein Gesicht als er die beiden Männer erblickte. Diese sahen mit Erstaunen ein kleines, schönes Mädchen am Rande des Bettes sitzend, das mit seinen großen, klugen, schwarzen Augen bald auf Zöllner, bald auf die Eintretenden blickte; — es mochte dies wohl die Enkelin sein, von der Zöllner gesprochen, er beschattete seine Augen mit der zitternden Hand, um besser sehen zu können. „Wo ist Alfred und Löwenstamm?" frug er, „ich wollte, die beiden Menschen, an denen ich so Furchtbares verbrochen — noch in meiner letzten Stunde sehen; ihnen vor meinem Scheiden aus tiefster Seele all das Böse abbitten .... Ich kann ihre Verzeihung nicht erhoffen; .... ich habe keinen Anspruch auf Nachsicht und Milde, die ich mein Leben lang selbst nicht geübt . . . aber vielleicht hätte sie, die edel sind, doch meine Verzweiflung gerührt; — vielleicht hätten sie Mitleid mit mir gefühlt — und das hätte meinen Heimgang erleichtert; — aber ich verdien's nicht . . . . nein, nein!" „Löwenstamm und Alfred sind die edelsten Menschen, die es gibt", entgegnete Franke. „Sie kennen noch jetzt nicht den vollen Umfang, all des unendlichen Wehes, das Sie den Beiden, und Löwenstamms Töchtern zugefügt. Neben all' dem Leid, das Sie mit kalter, herzloser Berechnung über die beiden Familien gebracht, haben Sie, dadurch, daß Sie unmittelbar Veranlassung zu Susannens Ehe gaben, zwei edle Paare, die von Gott, für einander geschaffen schienen, für immer, für ewig von einander getrennt." Zöllner blickte mit starrem Auge auf Franke, er faßte offenbar den Sinn seiner Worte nicht auf, wie sollte er, — der stets alle Gesetze der Religion mit Füßen getreten, in dieser Stunde, wo tausend Gedanken sein fiebernd Hirn durchkreuzten — sich jener Schranken erinnern, welche nachbiblische Satzung zur Erhaltung des Glaubens eingeführt? — er hätte wahrscheinlich, auch wenn sein Geist nicht gebeugt und gebrochen gewesen wäre, die verwickelten Verhältnisse, die einer Ehe, einer Verbindung der Liebenden, in den Weg traten, nicht aufzufinden vermocht; aber in dem Momente mochte er dem Geiste, der, das fühlte er mit voller Klarheit, sich langsamvon dem Körper loslöste, keine fruchtlose Anstrengungen aufladen; er verzichtete resignirt darauf, Franke ganz zu verstehen und begnügte sich diesen mit einem matten Lächeln voll Bitterkeit, mit den Worten zu unterbrechen. „Auch das noch!" dann griff er sich an den heftig schmerzenden Kopf, seufzte tief auf und schrie verzweiflungsvvll „das kann ich wohl nie . . . . nie, in Ewigkeit nicht, — gut machen!" „Löwenstamm und Alfred" fuhr Franke fort, „haben mich beauftragt, Ihnen zu sagen, sie können Sie nicht mehr wieder sehen; das wäre zu schmerzlich für diese, und wohl auch für Sie gewesen. Es hieße Uebermenschliches von Beiden fordern, wenn

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