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Der Israelit · 1876-02-02 · Heft 5 (2.2.1876) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 5 (2.2.1876)
Date
1876-02-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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94 gen. In richtiger Erkenntniß dieses vergeblichen Mähens und Ringens nennen sich diese Forscher Philosophen, Freunde der Weisheit. Das Ringen nach Wahrheit ist das Charakteristische der Philosophie. Schon die alten orientalischen Völker, die Inder, Aegypter, Babylonier rc. besaßen Männer, welche dieWohrheit zu erkennen strebten und ihre tiefen Forschungen in den alten, von jenen Völkern als heilig verehrten Schriften niederlegten. Am meisten wurde dieses Streben bei den Griechen ausgebildet. Während die Einen das Sein und die absolute Ruhe als das Grundprincip des Weltalls darstellten, kamen die Andern und behaupteten das Werden, die Bewegung sei jenes Grundprincip, bis ein Dritter in der Zahl, im Maatze dasselbe gefunden zu haben vermeinte; während der große Plato als die Verkünderin der Wahrheit eine geistige Anschauung lehrte, verwarf sein noch größerer Schüler Aristoteles diese Art und Weise der Forschung und erhob das nüchterne, voraussetzungslose Denken auf den philosophischen Thron. Das ganze Mittelalter bewegte sich in der aristotelischen Denkweise, bis beim Beginne der Neuzeit Baco von Verulam einen andern Weg einschlug, den Weg der Empirie, der Naturbeobacht.mg, des Experiments. Wenn man nun auch namentlich heutzutage, bloß auf den Naturwissenschaften fußend, die höchsten Fragen in negativem Sinne beantworten zu können vermeint, so ist es doch jedem verständigen M^ch^klar, daß die Naturwissenschaften in Bezug^^WW^^brsinnliche Dinge keinen Aufschluß zu geb^^Wrmögenund daher haben die großen Denker Dr jüngst verflossenen Jahrhunderte: Cartesius, Spinoza, Leibnitz, Kant, Fichte, Schelling und Hegel das große Werk der Plato und Aristoteles fortzusetzen bemüht. Aber das Schauspiel der alten Zeit wiederholte sich nur; einem Jeden der genannten Philosophen gelang es wohl, die Lehrsätze seiner Vorgänger als nichtig und haltlos zu erweisen; doch verfiel er bald demselben Geschicke. So hat die Philosophie, die Wissenschaft der Wissenschaften, das schönste und edelste Product des selbstständigen Menschengeistes, nichts Festes und Haltbares zu Stande zu bringen vermocht, und noch heute sind jene Fragen unbeantwortet, welche seit Jahrtausenden die größten Denker angeregt haben. Daher warnen auch unsere Weisen vor solchem unnützen, resultatlosen Forschen lirirrb 712 222v 712 7122b 712 71^2} 712. Dagegen kann die Uebung des Verstandes, die Ausbildung der Vernunft nicht genug empfohlen werden. Wenn wir nun auf. unser Verhalten theuren Verwandten gegenüber die religiösen Vorschriften anwenden, so werden wir finden, daß “in*»nnt> nox min« ny, daß aber naa oy o«n nri'NTib ini2 (vergl. Maimonides, Hilchoth Jssure Biah C. 22, Schulchan Aruch, Eben Haöser C. 22). Die Mutter, die dich geboren, von der niemals eine Schranke dich trennt, — so sei dir die 72'3, die Vernunft, die Denkkraft. Aber die selbstständige Weisheit, 712271, sie sei dir wie eine Schwester 7>2y irpnrfr tdxiv, mit der du dich nicht allein abschließen sollst, deren Umgang dir nur dann wohlthätig sein kann, wenn die Schranken, welche die gottgeoffenbarte Religion dir zieht, dir stets gegenwärtig sind, rix \-11nx ncarD "hon, „Sage zur Weisheit, du seiest meine Schwester". (Fortsetzung folgt.) Neber den Erlaß der Württemberg, israel. Oberkirchenbehörde, die sogen, kirchliche Trauung betreffend. (Fortsetzung.) II. Religiöser Gesichtspunkt. Wir haben in unserm ersten Artikel den oben erwähnten Erlaß der Oberkirchenbehörde vom rechtlichen Gesichtspunkte aus betrachtet und sind zu dem Resultate gekommen, daß der Erlaß und seine Genehmigung durch das kgl. Euttministerium nach württemb. Gesetzen zwar formell correct sei, da aber die Trauung bei den Israeliten kein kirchlicher, sondern ein religiöser Privatact ist, so enthalte der Erlaß einen Angriff auf die Gewissensfreiheit und müsse zu Conflicten führen, was aus dem Nachfolgenden sich ergeben wird. Bevor wir aber auf die Einzelnheiten des Erlasses eingehen, müssen wir die Gründe darlegen, warum wir es für die Pflicht jedes gesetzestreuen Israeliten halten, gegen diesen Erlaß mit aller Energie aufzutreten. Ohne Zweifel sagen unsere reformistisch gesinnten jüdischen Mitkircd eng enossen beim Anblick dieser Abhandlung voller Entrüstung: Wie sie wieder einen Lärm erheben! Was ist geschehen? Hat nicht die Oberkirchenbehörde eine gute Absicht! Was wir von der guten Absicht der Oberkirchenbehörde halten, davon werden wir am Schluffe sprechen; hören Sie vorerst, warum wir, wie Sie sagen, so viel Lärm machen. Es ist bekannt, daß die Reform seit einiger Zeit namentlich das Ehegesetz zum Tummelplatz ihres kühnen MutheS erkoren hat. Die etliche und zwanzig Rabbiner, Gemeindevorsteher und Lehrer, welche sich zu der Synode in Augsburg züfammengethan hatten, haben auf dem Gebiete des Ehegesetzes Be-

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