Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1876)
- Date
- 1876-01-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII. Iahrgang. Erste Beilage )u tlr. 4 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondcnzen. Deutschland. München. Der ärztliche Verein Münchens hat der Münchener Frauenwelt ein übles Zeugniß ausgestellt, auf welches dieselbe durchaus nicht stolz zu sein Grund haben dürfte. In München besteht unter allen europäischen Städten die größte Kindersterblichkeit. Der ärztliche Verein wählte nun im vorigen Jahre eine Commission, welche diese Thatsache eingehend zu erörtern hatte. Der Verein nahm in seiner Sitzung vom 12. l. Mts. folgende Schlußsätze einstimmig an: Die hohe Kindersterblichkeit Münchens wird vorzugsweise verursacht durch das massenhafte Vorkommen von Erkrankungen des Digestionsapparates und der hieraus hervorgehenden Ernährungsstörung. Es ist zur Evidenz erwiesen, daß die außerordentliche Häufigkeit der Erkrankungen des Digestionsapparates ihren Grund hat in fehlerhafter Pflege und Ernährung der Säuglinge und zwar zunächst in der Entziehung der Mutterbrust. Einen Beleg für di ^Richtigkeit des eben ausgestellten Satze-liefert u. A. die Thatsache, daß die Kindersterblichkeit unter den verschiedenen Confessionen der Münchener Bevölkerung sehr erhebliche Unterschiede zeigt; so beträgt dieselbe bei den Katholiken ungefähr 41 Prozent, bei den Protestanten 2 7 — 28 Prozent und bei den Israeliten 15 — 16 Prozent der Lebendgebornen. Da nun für die Deutung dieser Zahlenverhältnisse klimatische und ähnliche Einflüsse selbstverständlich nicht in Frage kommen, so ist einleuchtend, daß die für einzelne Confessionen nachgewiesene größere Vitalität der Kinder nur bedingt fein kann durch! die zweckmäßige Ernährung derselben. Die bei weitem größte Kindersterblichkeit fällt auf die beiden ersten Lebensmonate. Die Zahl j^r auf dieses Alter treffenden Todesfälle beträgt die Hälfte der ganzen auf das erste Le- * bensjahr entfallenden Sterblichkeitsziffer. — Hieraus geht hervor — was auch durch die alltägliche Erfahrung bestätigt wird — daß die naturwidrige Ernährung, die sog. künstliche Auffütterung, in der ebengenannten Lebens-Epoche des Kindes ihre verderblichste Wirkung äußert. Die einzige wirksame Abhilfe gegen die hohe Kindersterblichkeit Münchens wäre darin zu suchen, daß die Mütter in weit größerer Anzahl als es bisher der Fall gewesen, zum Selbststillen ihrer Kinder veranlaßt würden. Berlin. Das Ministerium hat aus Anlaß eines Einzelfalles entschieden, daß der Wahl eines Juden zum Mitgliede einer städtischen Schuldeputation wegen seines religiösen Bekenntnisses die Bestätigung nicht versagt werden darf; anders dagegen steht es mit der Wahl eines Juden zum Mitgliede des Vorstandes einer christlichen Schule. Denn während es der städtischen Schuldeputation obliegt» sämmtliche städtischen Schulen zu beaufsichtigen, also auch dafür zu sorgen, daß den jüdischen Kindern der rechte Unterricht ertheilt werde, und während wegen dieser umfassenden Aufgabe der Schuldeputation die Wahl von Juden in dieselbe keine prinzipiellen Bedenken erregt, selbst wenn in der betreffenden Stadt eigene jüdische Schulen :>icht besteben, — liegt die Aufgabe deS Vorstandes einer einzelnen Schule lediglich in der Sorge für diese bestimmte Anstalt; ist letztere eine christliche, so hat ein Jude in ihrem Vorstande keine Stelle. (Jsr. Wchschrft.) Bad Homburg. Die hier vacante Rabbinerstelle wurde Herrn Dr. Auerbach, ehemals Rabbiner in Nordhausen, übertragen. Breslau. Dem zehnten Jahresbericht der a^ten-p rurux man (Verein Ahabath Jerusalem) zu Breslau zur Linderung der Noth unserer armen würdigen Brüder in der heiligen Stadt Jerusalem entnehmen wir: Wohlthun ist in allen Fällen und in jeder Weise erquickend für den Empfänger, veredelt aber auch den Wohlthäter, wie denn überhaupt Wohlthätigkeitsinstitute eine Stadt zieren und den Seelenadel ihrer Bewohner bekunden. Wenn nun dies schon von den Wohlthaten gilt, die wir unseren Armen erweisen, die unter uns wohnen und deren sichtbare Noth unser Herz erweicht, um wie viel mehr kann sich eine Gesellschaft gehoben fühlen, die sich vereinigt selbst jenen frommen Bedürftigen Hilfe zu senden, die in weiter Ferne von uns leben. Deshalb eben hat seine gute Tendenz diefen Verein den vielen hier bestehenden Wohlthätigkeitsvereinen nicht nur völlig gleich gestellt, sondern erhebt ihn sogar beziehungsweise über dieselben. Der Verein unterstützt seinem Stiftungsprinzip gemäß nur in Jerusalem selbst und auch dort nur die Würdigsten und wahrhaft Benöthigten, größtentheils Greise, die sich mit dem Studium