Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1876)
- Date
- 1876-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447650--12191-2468006- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
74 an bei Hochzeiten das.121m- Verlesen zu unterbleiben hat. Wir können uns vorstellen, daß unsere neologen Rabbinen für dieses Geschenk „vergelt's Gott" sagen, aber daß sie sich noch dankbarer erweisen würden, wenn ihnen dafür ein eintragendes Gebetlein , das am Sabbat nach der Hochzeit zu sprechen, geworden wäre. Einen mehr als tausendjährigen, geheiligten Gebrauch, an den ein Dr. von Maier nicht wagte Hand anzulegen, bläst ein Dr. Wassermann wie eine Seifenblase über den Haufen, ohne daß die Rabbinen des Landes, die vorher gehört wurden, ein veto dagegen erhoben. Unbegreiflich ist es; am SchLcHr Vn, KMv.- lation hat der Rabbiner zu sprechen: „Somit erkläre ich Ihre Ehe vor den Augen „des allmächtigen Gottes für geschlossen und „geheiligt nach dem Gesetze, das er Mosesund „Israel gegeben", (2«ntem nwo ms) und zu dem wird ein m um das andere gestrichen. Welch schauderhafte Ironie! Wenn das Ding sofort geht, erhalten wir bald einen Wassermann'schen revidirten TW ]n^w ohne Approbation einer Synode. Aus Thüringen, 16. Jan. Die weimarijche Regierung verordnet heute unter Wahrung der Rechte des Standes-Amtes die Fortführung der jüdischen Seelen-Register durch das Land-Rabbinat. Oestrich. Vor Kurzem starb zu Letmathe der in Zeiten Kreisen rühmlichst bekannte Vorsteher der isr. Gemeinde Oestrich - Letmathe, Herr S. Friede, nach längeren mit der größten Geduld und Ergebung in den Willen Gottes ertragenen Leiden in fast vollendetem 76. Lebensjahre. Der für unsere kleine Gemeinde leider nur zu früh Verstorbene zählte noch zu den Wenigen in Westfalen , die auf streng traditionellem jüd. Boden stehen und jetzt leider immer weniger werden. n"3"s"j"n. M. Rosenwald, Lehrer. Homburg. Am 26. Dec. starb dahier Frau H. Wertheimer geb. Holzmann nach einer schweren 9monatlichen Krankheit. Eine der bravsten, tüchtigsten Frauen in Israel hatte ausgerungen. Kein armer Einwohner, keiner der zahlreichen Bittsteller der nahen und fernen Umgegend kam zu ihr, der nicht einen Mittagstisch bei Frau Wertheimer gefunden hätte. Wo eine Wunde zu heilen war, wo es Unglückliche aufzurichten gab, überall war die würdige Frau eine der ersten, welche mit Rath und That Jedem zur Seite stand. Wohl selten sah Homburg einen größern Leichenzug als diesen; ein Jeder fühlte mit der tief geschlagenen Familie den Verlust, welcher mit dem Absterben der vortrefflichen Frau die ganze Gemeinde betroffen. Am Grabe sprach der aus Frankfurt berufene Herr Rabbiner Fromm, ein spezieller Freund der Familie; mit dem Prediger, welcher selbst tief ergriffen war, weinte die ganze Versammlung. Marcus Rhein. Bergheim (Elsaß). Unter dem Titel Encens du coeur veröffentlichte der Lehrer S. Halle! im Jahre 1867, mit Approbation des Central-Consistoriums, zum Gebrauche der Schulen, die Gebete ersten Ranges mit zwischenzeiliger undWortanzeigender Uebersetzung. Diese Ausgabe war mit zweierlei Anmerkungen versehen: dte T'rnen für die Schuljugend bestimmt, dienten zum Wortverständniß des Textes; die Andern, literarischen Inhalts, das Alter den Verfasser und den Ursprung der Gebete, so wie erbauliche Betrachtungen über jede einzelne Gebetsformel betreffend, sollten dem Lehrer, für das reifere Alter, Stoff zu weiteren Erklärungen darbieten, und der studirenden Jugend zeigen, daß diese alte Gebetsformeln keinesweg an Werth verlieren, wenn sie mit der Fackel der Wissenschaft beleuchtet werden. Da nun diese französische Auflage schon längst vergriffen ist, und an eine zweite für Elsaß-Lothringen nicht mehr zu denken ist: besonders erwägend die wenige Zeit, welche dem hebräischen Unterrichte in den Schulen gegeben werden kann; zugleich auch um mehreren werthen Aufforderungen Genüge zu leisten: hat sich der Verfasser erstgenannten Buches zu einer deutsch en Auflage entschlossen. Wir haben den Prospectus gesehen und können das zu erscheinende Werk auf Grund des Prospectus empfehlen; es kostet nur 80 Pf. Lehrer und Buchhändler erhalten bei Abnahme von zwölf Büchern Rabbat, erstere 10%, letztere 20 °/o. England. London. Vor dem Polizeigericht in Sheffield stand am 11. d. ein Jude, Namens Louis Conning, unter der Anklage, eine Glaubensgenossin, Namens Fanny Carter, thätlich mißhandelt zu haben. Die Klägerin lebte bis vor Kurzem in Riga und der Angeklagte, der in Sheffield ansässig ist, erhielt die Einwilligung ihres Vaters, sie zu heirathen, wenn sie dazu geneigt sei. Er machte ihr einen schriftlichen Heirathsantrag, und sie antwortete, sie würde ihn heirathen, wenn er ihr bei ihrer Ankunft in Sheffield gefalle. Er