Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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63 Vorläufig haben diese Männer sich nicht beirren lassen durch dieses, wir möchten, um uns eines milden Ausdrucks zu bedienen, sagen, kindische Benehmen, denn die Gewalt hat der geehrte Vorstand doch nicht, seine Ansichten auch andern Leuten aufzuzwingen und das Urtheil der Welt zu trüben; wir aber können getrost das Urtheil unserer Zeit anrufen, wenn wir die Behauptung aussprechen, daß solche Handlungsweise nimmermehr im Geiste unseres humanen, auf Gesetz und Recht basirenden Jahrhunderts sein kann. Berlin. Die „Stett. Zeitg." enthält unter „Vermischtes" folgende Erzählung: „Am Weihnachtsabend saß in der Gartenftraße eine Familie still und traurig um den eisernen Ofen versammelt. Dem Vater, einem Handwerksmeister, dem es in früherer Zeit bis vor noch einem Jahre besser gegangen, schnitten die schüchternen Fragen der Kinder nach dem Weihnachtsmann tief in'S Herz. Er, der noch vor Kurzem gesuchte Tischlermeister H., war nicht im Stande gewesen, das Geringste an Geschenken zu kaufen. Der Executor hatte die Wohnung längst geleert, und ein letzter Wechsel über 600 Mark war ihm vor wenigen Tagen präsentirt worden. Es war gewiß, daß der reiche Geldmann, in dessen Händen das Papier sich befand, sofort nach den Feiertagen den letzten Rest an Mobilien würde abholen lassen. Da pocht eS um 5 Uhr an die Thür. Herein tritt begleitet von einem Dienstmann der Gläubiger. Starr vor Erstaunen steht die trauernde Familie, wie der Dienftmann einen älorb auf den Tisch fetzt und lautlos fortgeht. Der Gläubiger drückt dem Schuldner die Hand und läßt dabei ein Couvert in dieselbe gleiten. Mit den Worten: „Auf bessere Zeiten!" verläßt auch er den Kreis. H. zeigt auf den großen Korb, und zitternd packt seine Frau aus Da findet sich Kaffee, Zucker, Rum, eine Gans, Aepfel, Nüsse, Pfefferkuchen und Spielzeug für jedes Kind. Jubel bricht loS, die Kleinen lachen und schreien. H. hat daS Couvert geöffnet und reicht es, ohne ein Wort zu sagen, seiner Frau. Sie weint und faltet die Hände — es enthält den zerrissenen Wechsel und einen Hundertmarkschein. Es war ein Jude, der die Trauer in dieser Art in Freude umwandelt hatte. Vom Niederrhein. Wir sahen in letzter Woche, nicht zu unserer Freude, einen allgemein geachteten Mann aus unserer Nähe scheiden. Es ist der Herr Herzog Marcks aus MoerS, der seinen Wohnsitz nach Paderborn verlegte. Herr Marcks bekleidete seit 28 Jahren in seiner Vaterstadt MoerS das Amt des Vorstehers und seine Thätigkeit in ächt jüdischem Siune, wo es galt, Religiosität und Humanität zu fördern, dehnt!.- sich über die Grenzen seines Kreises aus. Für uns Niederrheiner im Allgemeinen ist daher der Verlust nicht weniger zu bedauern, als speciell für die Moers'er Gemeinde besonders fühlbar. — | Möge Herrn Di. feine neue Hcimath zum trauten Heim werden und derselbe in seinem jetzigen Kreise seine Wirksamkeit mit Erfolg fortsetzen können! Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 16. Jan. Baron Eskeles ist gestorben. Eigentlich interessirt dieses Ereigniß ein jüdisches Blatt nicht mehr, denn Baron Eskeles starb nicht als Jude. Er war der letzte Chef des einstigen weltberühmten Bankhauses Arnstein u. Eskeles. Seine Mutter war die Tochter des edlen, braven, frommen Rabbi Daniel Jtzig V'r in Berlin. Seitdem sich die Arnstein und die Eskeles taufen ließen, ging es abwärts mit ihnen, bis das Haus im Jahre 1859 fallirte und zu existiren aufhörte. Baron Eskeles war der Schwiegervater des tapferen österreichischen Generals, Freiherrn v. Ga blenz, der die Oesterreicher in Schleswig- Holstein befehligte, am deutsch-öfterr. Kriege 1866 einen großen Antheil nahm und später in Folge unglücklicher Finanzspeculationen durch Selbstmord endete. — Wie viele reiche und vornehme isr. Familien sind in ihrem Ucbermuthe vom Glauben der Väter abgefallen und dann elendiglich zu Grunde gegangen! itv ’nm. — Krakau. Unter den Wohlthätigskeitsvereinen Krakaus verdient der jüdische Verein zur Pflege und Erziehung armer jüdischer Knaben zu Handwerkern allgemeine Anerkennung, weil er nicht nur in humanitärer, sondern auch in sittlicher und intellectueller Beziehung Vorzügliches leistet. Von der allgemeinsn Beliebtheit, deren sich dieser Verein erfreut, zeugt zur Genüge der Umstand, daß demselben auch von den Angehörigen anderer Confessionen Beiträge zufließen. Ein besonderes Verdienst an dem Gedeihen des Vereins gebührt dem Präsidenten desselben, Dr. Arnold Rapoport. Im abgelaufenen Jahre wurden dem Vereinsfond circa 2000 fl. Oe. W. an mildthätigen Spenden zugeführt. England. London. (Die Gesundheit der Israeliten.) Ueber diesen Gegenstand bringt Lancet interessante Details in einem Artikel des „Jewifch Chronicle."