Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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64 Darnach soll Folgendes erwiesen sein. DerUeberschuß männlicher Neugeborener über die weiblichen ist bei den Juden 18 pCt., während er bei den Christen am gleichen Ort nur 6^/3 pCt. beträgt. Nichtsdestoweniger überwiegen im späteren Alter die weiblichen Glieder über die männlichen in weit höherem Grade als bei diesen. In der Regel ist die Gesundheit der Juden eine vortreffliche. Bei ihnen kommen erbliche Krankheiten sehr selten vor (Scrophulöse z. B. fast gar nicht); vermutlich, weit ihre Heirathen, die stets unter Gleichgläubigen geschehen, ihre Race rein erhalten. Ihre geringe Disposition zu JnsectionS» Krankheiten, wie Pest, Typhus. Cholera u. s. w. ist oft beobachtet worden. Dies beruht wohl hauptsächlich auf der Gewissenhaftigkeit, womit sie die hygienischen Vorschriften ihrer Religion befolgen. Die durschnittliche Lebensdauer der Juden übertrifft die der Christen um fünf Jahre. (Wichtig vielleicht für Lebensversicherungen!) Ohne Zweifel ist diese Langlebigkeit zum Theil Folge der sprichwörtlichen Sorgfalt, welchen Sie ihren Kindern, Armen und Gebrechlichen angedeihen lassen. Zum andern Theil übt jedenfalls die Wahl des Berufes ihren wohltätigen Einfluß. Manche Ge- '»v&t, welche. ungünstig, auf die Lebensdauer einwirken (Wirthe, Bäcker, Bergwerksarbeiter) werden kaum von Juden betrieben. Sie lieben die Berufsarten, welche ihnen Freiheit zur Ausübung ihrer Religionsgebräuche lassen, also den Handel. Diese Thatfache allein erklärt schon zum großen Theil ihre Langlebigkeit, indem bekanntlich Kaufleute in großen Städten 10 Jahre länger leben als Handwerker und Arbeiter. London. Der 71. Jahres-Bericht der vielbekannten Britischen und ausländischen Missions- Bibelgesellschaft ist im Drucke erschienen und enthält die Nachricht, daß in den Grenzen derAgentureu für Deutschland eine große Zahl Bibeln weniger verbraucht sind, als im Vorjahre. „Die entschiedensten Feinde der Bibel seien die Socialdemokraten." Deßhalb hätte in Städten wie Hannover, welches der Bericht „das Mistbeet der Socialdemokratie" nennt, nicht viel gewirkt werden können. Am sichtlichsten zeigte sich die Abnahme der Nachfrage überhaupt in den Grenzen der Agentur Köln, welche das ganze nordwestliche Deutschland umfaßt. Es läßt sich nicht leugnen, daß ein großer Theil des Deutschen Volks der Bibel feindlich gegenübersteht (?). In Oesterreich ist die Abnahme des Bibelverbrauchs noch größer als in Deutschland. Eine Zunahme ist jedoch für Rußland zu constatiren, wo der Kaiser Alexander das Unternehmen möglichst unterstützt. Auch der Kaiser Wilhelm und die Kaiserin Augusta werden als „gute Kunden" bezeichnet, aber auch diese vornehme Kundschaft kann das Geschäft nicht mehr emporbringen. Rußland. Petersburg, im December. Die Eheschließungen in der jüdischen Bevölkerung Rußlands (nach hebräischem Ritus) und die Geburten von Kindern entzogen sich bisher häufig der Kenntniß der Behörden. Bei der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht stellte es sich nun heraus, wie schwer die Wehrpflichtigen aus diesem Theile der Bevölkerung überhaupt und dann dieselben speciell in ihrem Lebensalter zu controliren waren. Seitens der Regierung ist daher verordnet worden, daß jüdische Brautleute vor Eingehung ihrer Ehe vor der weltlichen Obrigkeit die Absicht zur Eheschließung zu erklären haben. Nur auf Grund einer von der Behörde ausgestellten Bescheinigung über diese Erklärung dürfen die Rabbiner die Eheschließung vornehmen. Ferner ist dieser Verordnung noch die Bestimmung hinzugefügt, daß jede nicht durch eine» amtlich anerkannten Rabbiner vollzogene Eheschließung als nichtig anzusehen ist woÄ dle. gerichtliche Bestrafung der Betheiligten zur Folge hat. (Schl. Ztg.) Feuilleton. Es soll nicht trübe bei dir sei». ES soll nicht trübe bei dir sein, Nicht traurig sein in deinem Herzen; Wenn um dich her in mildem Schein, Hell brennen deine Sabbatkerzen. Deckt auch dein Tisch ein dürftig Mahl; Ein Kranz von Kindern ihn nur schmücket; Laß fliehen heute, Sorg' und Qual, Vergiß, was auch dein Herz bedrücket. Schau nur getröstet himmelwärts, Mag Schweres dich auch wohl betrüben; Denn um dich ist ein treues Herz, Denn dich umfangen deine Lieben. Nur, weh ist dem, dem draußen weit, Kein traulich Sabbatlichtchen schimmert; Um den selbst in dem schwersten Leid, Sich keine Menschenseele kümmert. Drum soll's nickt trübe bei dir sein, Nicht traurig sein in deinem Herzen; Wenn um dich her in mildem Schein, Hell brennen deine Sabbatkerzen. Frankfurt a. M. A. Bl.