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Der Israelit · 1876-01-19 · Heft 3 (19.1.1876) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 3 (19.1.1876)
Date
1876-01-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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57 Antlitz, er wollte auffahren, — aber — er nahm eine Prise Tabak und sagte dann gelassen: „E Patsch un e Küchelel 2)! — mit was Hab' ich mein Wort nit gehalten?" „Ihr habt versprochen, Ihr werd't Euch um e Nummer für mein Simon bemühen." Budweiser athmete tief auf. „Nu. was meint Ihr, — Hab' ich mich nit bemüht? zweihundert goldene Ducaten Hab' ich für e Familie versprochen ... da könnt Ihr nit sagen, daß ich kein Wort gehalten?" „Ja — Ihr habt gesagt — ich denk's wie heut': Ich geb' Euch mein Wort, im sirze Haschens)! — in zwei Jahr Hab' ich den Rischojon für Euern Sohn — nun, Reb Mosche, Ihr sagt ja nie ka Lügen nit; sag' ich e Scheker? — habt Ihr da Wort gehalten? Einen Moment überflog ein feines Lächeln das ernste Gesicht Budweisers und er antwortete: „Was ich gesagt Hab', ist wahr, bleibt wahr, und wird ewig wahr sein ... ich Hab' gesagt, im jirze haschem — wißt Ihr, was das heißt, wenn Gott der Allmächtige will, — nun, seht Ihr ....hat Gott noch nicht gewollt — wenn's an mir gelegen wär'," fügte er schmerzlich hinzu, „bei meinem Chelek leolom habo 3) — wären unsere Kinder schon verheirathet." „Seid mir mochel — das sind leere Red'," entgegnete Rakonitzer, den Blick senkend, . . . „ich kann Euch sagen, daß das nicht länger so fortgebt. Wenn Ihr nicht binnen sechs Wochen für meinen Sohn um den Rischojon einschreiten könnt, wenn Ihr mir nicht darauf Tekias Kaf*) geben wollt .... laß ich den Schiduch3) abgehen." Budweiser rückte zuerst sein Käppchen zurück, dann streichelte er sich den Bart, dann erst antwortete er: „Ich will Euch etwas sagen . . . Wenn Ihr sagt: Mir ist die Nedann zu klein ... ha! — es wär' nix BravS dabei—aber ka Narrischkat, Euer Sohn gefallt mir, — gefallt mir sehr gut. — Nehmt mir's nit übel, gefallt mir — noch einmal seid's mir's elef peomim mochel — tausendmal besser als sein Tat — ich möcht' den letzten Kreuzer hergeben, um mein Kind glücklich zu machen — und mein Sohn, mein Nathan, er hat die Schwester so gerne, er gäbe noch dazu, was er sich mühsam in Leippa erworben, — aber daß Ihr 1) Eine Ohrfeige und ein Kuchen d. h. ein Compliment, das eine Beleidigung involvirt, oder vice versa. 2) So ®ott will. 3) Antbeil an die zukünftige Welt. 4) Handschlag. 6) die Partie. verlangt, ich soll etwas versprechen, was ich nicht bejodi3 *) Hab', — das ist . . . mehr als e Narrischkat . . . was heißt das! Bin ich das Malchus?)?! Hab' ich Familiennummern zu vergeben?! — oder," fuhr er mit bitterm Humor fort, „soll ich einen Familianten todtschlagen, damit e Nummer frei wird? — Das könnt Ihr doch nit verlangen, erstens steht in den Asieres hadibros3): Lo firzoch 9)! und dann, wenn es herauskommt, wär' es e große Busche10) für enk “) — dann ließt Ihr erst recht den Schiduch abgehen. Da weiß ich wirklich nit, was Ihr meint, daß ich thun — und was ich versprechen soll! — was möglich ist, will ich gerne thun!" rief Budweiser, und in seiner Erregtheit legte er merkwürdigeweise den Jargon ab und sprach richtiges Hochdeutsch. „Glauben Sie es mir, wenn ich mit meinem Leben das Glück meiner Kinder erkaufen könnte — so wahr Gott lebt — ich würde es gerne thun . . . übrigens ist ja das auch Ihre Sorge .... kümmert Euch auch darum ..." „Hm, hm!" räusperte sich Rakonitz, dem flammenden Blicke Budweisers ausweichend; „eben wegen dem komm' ich ... . wenn ich will, kann ich gleich eine Nummer für mein' Simon haben. . ." „Nun, weßhalb red't Ihr so lange?" schrie Budweiser, vor plötzlicher Freude erzitternd .... „heraus damit — e theuer Stück Schore ^), was?! — wer hat die Familie zu geben und was kostet sie? — tausend Gulden?" Rakonitz schüttelte den Kopf. „Hm!* . . . rief Budweiser, „noch mehr? — Zweitausend?" und als Rakonitz noch immer im Schweigen verharrte, rief er mit einem tiefen Seufzer Schomajim woorez . . . e Schätzt) wird doch die Maiße haben? — heraus mit der Sprache, was verlangt man?" „Die Nummer ist nicht zu kaufen — und man verlangt — mein Simon soll Reb Bezalel Tausk Tochter nehmen." Budweiser fuhr entrüstet von seinem Stuhl empor. „So! .... das ist etwas ganz anderes," meinte er dann matt und abgeschlagen, — „und woher nimmt Bezalel Tausk die Familie für sein . . . Aden") ... es ist wahr, er ist ein großer 6) in meiner Hand, in meiner Macht. 7) der Regent, die Regierung, 8) Zchngeboten. 9) Du sollst nicht morden. 10) Schande. 11) für Euch. 12) theuere Maare. 13) einen Preis. 14) Eidam.

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