Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Beantworten wir darum zuerst die zweite. Nach dem Gesetze über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 stellt der Vorstand, auf so lange Zeit, als er es für gut findet, sowohl Rabbiner, als sonstige Cultusbeamte an. Die Kgl. Regierung bekümmert sich um diese Anstellung nur in so weit, als sie entweder erklärt, sie habe gegen die „Annahme" des Betreffenden Nichts zu erinnern, oder dieselbe aus irgend einem Grunde nicht billigt. Allerdings aber dürfen nach demselben Gesetze die Cultüsbeamten erst dann als solche fungiren, wenn die Regierung ihre Zustimmung ertheilt. Hat nun die Regierung dadurch, daß sie erklärt, sie habe gegen die Annahme des X. als Lehrer, Cantor oder Schächter Nichts einzuwenden, ihm auch den Vollzug von Trauungen gestattet? Wir sagen: Nein! — Und die Königlichen Behörden werden auch überall, wo der zunächst Berechtigte einen solchen Fall zur Anzeige dringt, die Berechtigung, resp. Befähigung des Betreffenden feststellen. Wir wollen das demnächst näher zeigen. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Pesth, 7. Jan. Die Budgetdebatte — der Pesth er isr. Religionsgemeinde nahm gestern auf Grund der Vorlagen der Budgetkommission in der Ausschußsitzung ihren Anfang. Eine sehr interessante Debatte entspann sich bei dieser Gelegenheit über die confessionellen Schulen der Gemeinde. Herr Simon Deutsch stellte nämlich den Antrag, daß die confessionelle Schule, welche große Opfer erheischt, gänzlich aufgelassen werde. Redner hält die Erhaltung dieser Schule für vollkommen überflüssig, da es die Aufgabe der Stadt sei, für eine genügende Anzahl von Schulen zu sorgen. Herr Martin Schweiger spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen den eingebrachten Antrag aus und beruft sich auf andere große Gemeinden Europas, in welchen man der jüdischen Volksschule die ge- WkC&WMb $wt Alexander Wahrmann macht den Antragsteller aufmerksam , daß die Wiener isr. Gemeinde in den letzten Monaten sich damit befaßt und diesbehufs auch Sammlungen eingeleitet hat, eine confessionelle Schule zu errichten. Herr Moritz Mandl will sich nicht für die Auflassung der confessionellen Schule aussprechen; doch soll dieselbe auch fernerhin bestehen, sei es unbedingt nothwendig, daß der Unterricht der hebr. Sprache und der jüdischen Geschichte eine größere Pflege genieße. Herr Paul Tencer bemerkt, daß solange man im Gotteshause in hebräischer Sprache betet, so lange die Gemeindemitglieder ihre Kinder im jüdischen Geiste erziehen wollen, so lange müsse man für den Bestand der jüd. confessionellen Schulen einstehen. Nachdem noch Herr Jngnatz Barnay hervorhebt, daß die Auflassung der confessionellen Schule von der großen Majorität der Gemeindemitglieder mit Mißbilligung ausgenommen würde werden, wird der Antrag des Herrn Simon Deutsch einstimmig abgelehnt. Deutsch-Reicherrait in Böhmen. Am 25. Dezember ereignete sich in Deutsch-Reichenau ein grauenhafter Fall. Es lebte dort seit zwei Jahren eine Faunlie mosaischer Religion, Namens Schek, deren Oberhaupt Pächter des Gemeindewirthshauses und zugleich Krämer war. Sonntag den 26. Dezember 1875 verbreitete sich das Gerücht, Schek sei sammt Gattin und Dienstmagd ermordet worden. Sogleich begab sich die gerichtliche Commission an Ort und Stelle. Die Eintretenden fanden das Gerücht in schrecklicher Weise bewahrheitet. Die Gattin des ermordeten Jakob Schek, Rosalia, lag in bewußtlosem Zustande mit gräßlich zerhacktem Kopfe im Bette, umgeben von den hilfeleistenden Aerzten. Im anstoßenden Krämerladen lag Jakob Schek in einer Blutlache als Leiche in einer Ecke. Die siebenzehnjährige Dienstmagd Katharina Kuhnagel war lebensgefährlich verletzt und war vor Eintreffen der Gerichts-Commission in ein Nachbarhaus gebracht worden, um dort bessere Pflege zu finden. Dieselbe kam noch zur Besinnung und gab an, daß am 25. Dezember 1875, ungefähr um 8 Uhr, Abends, der Dienstknecht des Hammerschmiedes Mathias Größing aus Beneschau, Joseph Wagner, in dem Schanklokale ihres Dienstgebers erschien und sich eine Halbe Bier einschenken ließ. Bald darauf knüpfte Joseph Wagner, der häufig dort als Gast einkehrte, mit ihr ein Gespräch an, wobei er schließlich meinte, sie solle zu den andern Mädchen ins Dorf gehen; sie jedoch gab ihm zur Antwort, daß sie bei den Mädchen nichts zu thun habe, und verließ sogleich mit Ihrer Diensta,eberin das Schanklokal. Eine halbe Stunde später als sie bereits eingeschlummert, rief ihr die Dienstgebern Rosalia Schek zu wiederholtenmalen: „Kattei hilf!" worauf sie erwachte und im finsteren Zimmer bemerkte, daß Rosalia Schek im Kampfe mit einer großen männlichen Gestalt sich befinde; als sie ihr beistehen wollte, wendete sich die Gestalt mit den Worten an sie: „Wart du.. ich werd dir helfen," an deren Stimme sie Größing'S Knecht aus Beneschau erkannte. Gleich darauf erhielt sie einen wuchtigen Schlag auf den Kopf, so daß sie gewußtlos zu Boden fiel. Als sie wieder zur Besinnung kam, schleppte sie sich mit Anstrengung aller Kräfte auf die