Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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52 sellschafter, namentlich für einen liebenswürdigen Spieler. Ich konnte, wenn ich mit meinem Reichthum glänzen wollte, mit der größten Nonchalance, ohne Wimperzucken, die ungeheuersten Summen verlieren, meine Verhältnisse gestatteten es mir; — und doch reizte es mich, namentlich bei Hazardspielen! - falsch zu spielen, meiner immensen Geschicklichkeit große Gewinne zu verdanken. Es war eben nichts anderes als eine unedle Leidenschaft. Es lockte mich, mich in die Gefahr zu begeben; — eine Entdeckung konnte meine ganze Stellung erschüttern. — meiner Geschicklichkeit stets die'günstigsten Erfolge zu danken. — Ich war auch, leider mein Leben lang nicht gläubig gewesen; aber ich war nicht nur ungläubig, ich war im Laufe der Zeiten sogar abergläubisch geworden. Je mehr mir alle elenden Streiche gelangen, desto höher stieg mein Selbstvertrauen.mit einemmale .... an einem Tage brach Alles plötzlich über mich zusammen, und in dem Augenblicke, wo mich das unverdiente Glück verließ .... schrie das todtgeschwiegene Gewissen laut in mir auf .... da erst glaubte ich endlich die mächtige Hand Gottes zu erblicken, — sein Donneruf klang plötzlich in meine erschreckte Seele." „Ich war zu einer Jagdparthie zu einem mir befreundeten Grafen geladen. Ich saß recht behaglich in meinem eleganten Jagdwagen, als man einen Zug Gefangener über die Straße führte. Unter denselben befanden Sie sich, Löwenstamm. Ich hatte Sie seit der Schlußverhandlung nicht gesehen .... ich sah Sie das erstemal in Ketten, gebeugt, gebrochen, die Augen niedergeschlagen, scheu den Blicken der Begegneten ausweichend .... ich fühlte mich durch Ihren plötzlichen Anblick tief erschüttert, ich hätte im ersten Augenblicke laut aufschreien mögen und ich konnte die Erinnerung den ganzen Tag nicht los werden .... ich suchte meine Aufregung zu bekämpfen, Ihr Bild, das mir vorschwebte, zu verdrängen .... vergebens! Den ganzen Tag stand Ihre gebrochene Gestalt, Ihr bleiches Gesicht, vor meinem geistigen Auge. Hinter jedem Baum, hinter jedem Strauch, glaubte ich Sie zu erblicken. Ich war bei der Jagd zerstreut. Sonst ein guter Schütze, gelang mir heute kein Schuß', ich war froh als die Jagd zu Ende und einer der Herren ein Spiel vorschlug. Das sollte mich zerstreuen. Ich wollte durch neue Aufregung die alte bewältigen, ein Mittel das bisher immer gut bei mir angeschlagen hatte. Es wurde hoch gespielt; war ich heute ein schlechter Schütze gewesen, so sollte die Gesellschaft wenigstens den glücklichen Spieler in mir achten. Die Lust, zu wagen, zu riskiren. erwachte in mir, ich spielte wieder falsch; aber ich war heute nicht mit voller Seele bei dieser Beschäftigung, es mangelte mir heute die Ruhe, die Sicherheit, meine Nerven waren zu aufgeregt, schon einigemal hatte ich befürchtet, entdeckt zu werden, und als überdies plötzlich Baron Tondern mit einem Herrn ins Zimmer trat; — Baron Tondern an dessen Person sich für mich und für Sie, Löwenstamm, so furchtbare Erinnerungen knüpfen; verlor ich gänzlich die Fassung — das erstemal in meinem ganzen Leben war ich ungeschickt; einer der Anwesenden, entdeckte mein falsches Spiel. Mil der Größe der Gefahr wuchs meine ncmenlose Kühnheit. Ich gewann erstaunlich schnell meine Fassung. Ich weiß nicht, war es mein entschiedenes, freches Auftreten, war es der Wunsch der Anwesenden, Skandal zu vermeiden, genug es gelang mir, nachdem ich die gewonnene Summe in hochmüthiger Weise auf den Tisch geworfen, mich unbehelligt zu entfernen, — aber, ich war in Breslau unmöglich geworden! Ich habe es schon gesagt, ich war nie gläubig, aber stets abergläubisch gewesen. Bisher war mir in meinem Leben Alles, auch das Ungeheuerlichste, in staunenswerthester Art gelungen. Jeder Zufall war mir stets in günstiger Weise unterthan geworden, was jedem Andern, unerreichbar, unmöglich schien, erlangte ich mit leichter Mühe. Ich hatte es schon für völlig undenkbar gehalten, daß mir irgend etwas mißlingen könne. So lange ich glaubte, das Glück stehe mir zur Seite, hatte ich allen Gefahren trotzig die Stirne geboten; aber in dem Momente schien mir's, als wenn mich plötzlich das Glück verließe, mir für ewig den Rücken wenden wollte. Ich mußte so bald als möglich Breslau verlassen. Ich bedurfte einiger Tage, um meine Angelegenheit zu ordnen. Während dieser Zeit traf mich Schlag auf Schlag. Obwohl ich es vermied, mich öffentlich zu zeigen, hatte ich doch erfahren, daß im adeligen Casino ein Majeftätsgefuch an den König, um Revision meines Protestes zur Unterschrift aufliege. Es gab nur einen Menschen aus Erden, dessen Aussage mich verrathen konnte. Es war dies ein Oberdrescher, Namens Olbig, in Baron Tonder'schen Diensten. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. Z. GoltSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)