Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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51 gräßliche Verleumdung, die ich ersonnen, daS furchtbare Verbrechen, das ich begangen — Alles war erfolglos geblieben, ich war meinem Ziele nicht um einen Schritt näher gekommen... ich hatte nichts erreicht als dem alten Frevel einen neuen hinzugefügt zu haben! Ich hatte die Absicht gehabt, Susanne zu isoliren, es geschah auf meine Veranlassung, daß man — Zöllner wandte sich an Löwenstamm — Ihrer Gattin den Rath ertheilte, so rasch als möglich nach der Residenz zu fahren, um den Einfluß Ihres Gönners, Prinz Adalbert, zu gewinnen, eS geschah dies zu einer Zeit, wo sie, wenn sie hierzu überedet wurde, ohne Aufschub nach Berlin fahren mußte, ohne sich von Ihnen, von Susannen verabschieden zu können.aber ich wußte genau, daß sie zu spät anlangen mußte. Mein brennend Hirn, meine wahnsinnige Leidenschaft, ließ mich den Gedanken fassen, Susanne würde allein, ohne Rathgeber, verlassen von Allen — mich erhören; ich würde im Stande sein, durch neue erweckte Hoffnungen Sie zu retten, durch Drohungen .... auf welche Weise immer ihre Hand zu erringen. Ich war in gluthvoller Leidenschaft verblendet genug, zu glauben .... ich würde im Stande sein, Susannens starke Seele zu erschüttern, sie würde dem Manne, der ihren Vater, ihre Mutter, ihr selbst so unsäglich tiefes Weh bereitet hatte, ihre Hand reichen .... Susanne stieß mich mit gerechtem Abscheu, mit namenloser Verachtung von sich .... Am Abende Ihrer Berurtheilung, Löwenstamm! drängten Sie sie selbst in die Arme eines unwürdigen Gatten .... mit diesem floh sie meine verpestende Nähe, o! Gott! rief Zöllner in wahnsinniger Aufregung, hatte ich Euch noch zu wenig zugefügt?! das Jugendglück der Mutter vernichtet, den Vater ins Verderben. in Schmach und Schande gestürzt, und zum Schlüsse noch Susannen, das edle Mädchen, in die Arme eines ungeliebten, leichtsinnigen, unwürdigen Gatten gedrängt!" Zöllner schwieg erschöpft und verhüllte sein Gesicht mit beiden Händen. „Wie kann ich das je gut machen!?" „Das war der härteste Schlag, der mich getroffen." sprach Löwenstamm. ..Tags darauf traten Sie, Alfred, in meine Kerkerzelle, ich glaubte mich von meinem angebeteten Weibe, von meinem Clärchen, verlassen .... Zöllner! ich habe das Schmerzlichste, das Furchtbarste erfahren, waS ein Menschenherz erdulden kann .... über Seelenqual kann kein Lebender wohl competenter urtheilen als ich — aber der Moment, da ich mich von meinem Weibe, von meinem Clärchen verlassen glaubte .... der Moment, da ich mich in meiner schönsten und reinste» Empfindung getäuscht glaubte, der Moment war der allerschmerzlichste in meinem schwergeprüften dornenreichen Leben! .... Susanne durfte nicht allein, verlassen bleiben. und als sie meinen heißen Bitten nachgab, dem jungen Schauspieler die Hand reichte .... da war mir's .... als löste sich das letzte Stück Herz aus meiner Brust .... dunkel wards in meiner Seele .... ich fühlte mich vom schaurigen Flügelschlage des Wahnsinnes umrauscht . .'. . der doch nicht so barmherzig war, den schwer gemarterten, zertretenen Geist wohlthätig mit dunkler Nacht zu umhüllen .... Sie hatten'Furchtbares an mir verübt! .... Verzeih'S Ihnen Gott!" Es trat wieder eine lange, bange Pause ein, man hörte nichts als die tiefen Äthemzüge der fünf Männer. Zöllner blickte träumerisch, stier vor sich hin, er hatte wohl die letzten Worte LöwenstammS überhört. „Ah!" rief er plötzlich, sich mit aller Kraft ermannend .... ich muß zu Ende kommen .... ich muß! .... Nach und nach begannen doch auch in meinem verderbten Gemüthe. Mahnungen aufzutauchen .... ich hatte viel Böses ausgeübt; — aber ich wußte sie mit einer merkwürdigen Energie niederzukämpfen .... wenn die Stimmen in meiner Brust zu laut wurden, stürzte ich mich in den Strudel aufregender Beschäftigungen.... ich war reich, sehr reich — aber ich habe es schon gesagt, nicht der Besitz allein, reizte mich, auch das Erwerben, das Wagen .... die Gefahr hatte etwas dämonisch Verlockendes für mich ... ich machte die allerriskantesten Geschäfte, ich engagirte die höchsten, zweifelhaftesten Wetten, ich stürzte mich absichtlich in große Gefahren; — um mich aufzuregen; fortwährende Emotion machte mir das Leben reizvoll, für dessen gewöhnliche Genüsse ich mit der Zeit denn doch abgestumpft, blasirt worden war .... und daß mir mein Leben lang Alles geglückt, hatte mich zuversichtlich gemacht. hatte mein Herz allen guten Regungen verschlossen .... ja ich mags jetzt in dieser Stunde, wo ich all das Böse, das ich ausgeübt, durch ein offenes Geständniß sühnen, und nach Möglichkeit und Kräften, alles was ich verbrochen, gut machen will, gestehen, meine unbezähmbare Leidenschaft riß mich zu Handlungen hin, die jedem, der eben meine eigenthümliche Natur nichte kannte, unbegreiflich erscheinen mußten. Ich war in den Adelskreisen Breslaus beliebt, galt für einen angenehmen Ge-