Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1876)
- Date
- 1876-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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46 geben von zahlreicher Nachkommenschaft. Damals war auch ihnen die Zukunft noch verhüllt, wußten sie noch nicht, ob sich das Leben ihnen freud- oder leidvoll gestalten wird und diese Zukunft ist nun ein Stück Vergangenheit geworden, die Vergangenheit eines halben Jahrhunderts. — In solcher Stunde, wo sich ein bedeutender Zeitabschnitt ihres Lebens zu den Schatten der Vergangenheit gesellt, sendet ihr Herz wohl auch einen Blick nach rückwärts und wenn wir das Jubelpaar bei dieser Rückschau begleiten wollten, so würde man 1) deren Erlebnisse im Staate bedeutungsvoll nennen müssen. Welche Umwälzungen sind nicht während ihres Lebens vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis heute im deutschen Vaterlande vor sich gegangen!— Wahrend dieses Zeitraumes hat auch ein dunkler Abschnitt im Leben der Israeliten sein Ende erreicht und eine hellere Zukunft sich uns aufgethan. Damals in unsern Rechten beschränkt und geschmälert, heute im vollen Besitze derselben, 2) deren Erlebnisse in der Gemeinde, insbesondere ihre Wirksamkeit als Vorstandsmitglied bezw. Vorsteherin des Wohlthätigkeitsoereins, de-- rrn Festhalten und Streben für die Erhaltung des echtjüdischen religiösen Lebens in einer Zeit, wo die Neuerungssucht überall einreißt, 3) endlich die Erlebnisse in ihrem häuslichen Kreise, welche auch neben sonnigen Tagen manchen trüben Tag gebracht. (Bor 2 Jahren verloren dieselben einen Sohn im Alter von 46 Jahren, welcher mit Leib und Seele Jude war und in hiesiger Gemeinde viele Ehrenämter bekleidete.) Nach Beendigung der Feier wurde ein zweites Lied, Psalm 29: „O gebet Gott die Ehre" von oben angegebenem Chor und Kapelle vorgetragen. Diesem folgte die Ueberreichung eines Ehrengeschenkes des größeren Theils der hiesigen Gemeinde, bestehend in einem sehr schön gearbeiteten silbernen Pokal durch die Mitglieder des Cvmite's, Herren W. H Horn und I. Heumann, wobei Ersterer eine kurze aber zu Herzen gehende! Ansprache hielt, darin bemerkend, daß dieser Pokal den Ihnen gebührenden Dank für Ihre Verdienste und Bemühungen um hiesige Gemeinde nur einigermaßen ausdrücken sollte, und wurde dem Pokale die würdige Weihe verliehen, daß Redner den Jubilar aussorderte, den ersten Trunk aus diesem Geschenke auf das Wohl unseres allverehrten, allergnädigsten Kaisers und Königs Wilhelm I. zu trinken, unter dessen mächtig und siegreicher Hand, aber auch weisen und milden Regierung wir unS des größten Schutzes erfreuen, und es Sr. Kaiser!. König!. Majestät noch eine lange, lange Reihe von Jahren vergönnt sein möge, zu unserm Heile, zum Heile Deutschlands in bisheriger Jugendfrische und Thatkraft zu regieren, in welchem Toaste alle Anwesenden begeistert mit einstimmten, begleitet von der inzwischen von der Kapelle ausgeführten Nationalhymne. Nach der Feier fand ein allgemeiner Cafä statt, an welchem sich ungefähr 200 Personen betheiligten. Von einem Festessen wurde Abstand genommen, nachdem das Comite die unüberwindlichen Schwierigkeiten eines nach jüdisch-orthodoxen Vorschriften hergerichteten Mahles erkannt hatte. Der beinahe überfüllte Saal bot bis Nachts 3 Uhr ein lebendiges Bild dar, und wird dieser Abend allen Theilnehmern als ein amüsanter lange im Gedächtniß bleiben. Hamburg. In seinem gestern publicirten Testament hat der verstorbene Herr Jsaac Joseph Mannheim ein Legat vonBco M.2000 zuwohlthätigen Zwecken ausgesetzt, und zwar soll die erwähnte Summe nach dem Ermessen der Testaments- Executoren, der Herren Moritz Mannheim und Leopold Cohn (Sohn und Schwiegersohn des Verstorbenen), an Wohlthätigkeits - Änstalten vertheilt werden. Hamburg. Die Eduard Kley.Stiftung für alte, wohlverdiente und unversorgte Lehrer und Lehrerinnen hat im verflossenen Jahre von 36 eingegangenen Meldungen 33 mit einem Capital von M. 378 berücksichtigen können, von denen M. 1560 unter der Rubrik der lebenslänglichen Beiträge stehen. Das Capital der Anstalt betrug am Schlüsse des Jahres M. 36,513. 14. Die Einnahmen derselben betrugen an Beiträgen von 183 Contribuenten M. 1256. 70, an Legaten von I. H. C. Siegler M. 100. I. D. Koopmann M. 60:>, und Martin Mack M. 1000, sowie aus einmaligen Geschenken M. 588, zusammen M. 3644. 70, wozu die Zinsen mit M. 1643. 75 kamen. Stuttgart, 9. Im Königreich Württemberg wohnen über 12,000 Säxaetiten, einer auf 146 Bewohner, in 12 RabbinatSbezirken. In diesen Bezirken bestehen 54 Gemeinden mit 12 Rabbinern, 24 Vorsängern, 35 Lehrern, 32 Elementar- und 24 Religionsschulen mit iT^4 Schulkindern in 5t Schulhäusern. wovon 3 gemiethet, 36 Begräbnißplätzen, 79 Wohlthätigkeitsvereinen und 332,000 fl. Stiftungsvermögen. Die israel. Kirchenkasse besitzt ein Vermögen von mehr als 8o,0o0fl. und erhält, je nach Bedarf, Zuschüsse vom Staat. Der Zuzug der Israeliten vom Lande nach den Städten macht sich auch in Württemberg bemerkbar Stuttgart zählte 1846 noch 234. jetzt fast 2o00, Heilbronn 137, jetzt über 600, Ulm 237, jetzt über 800 Israeliten.