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Der Israelit · 1876-01-19 · Heft 3 (19.1.1876) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 3 (19.1.1876)
Date
1876-01-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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47 Königsberg in Preußen. Seit einiger Zeit sind in den hiesigen synagogalen Verhältnissen bedeutende Veränderungen vorgekommen, welche theils den Zuwachs, theils die religiöse Anschauung der betreffenden Religionsgenossen charakterisiren. Einmal hat die deutsch-orthodoxe Separatgemeinde in der Feuerstraße, principielle Gegnerin der Orgel- Einführung in der Synagoge, sich einen eigenen Geistlichen gewählt, Herrn Dr. Grünfeld aus Schlesien, welcher bereits dort im neuen Bethause während der Herbst-Feiertage die Predigten abhielt. Alsdann fand am 23. September, ebenfalls in der vorst. Feuergasse, die Einweihung der neuen Synagoge der Chassdim-Gemeinde statt, einer aus den angesehensten russischen Kaufleuten bestehenden kabbalistisch-mystischen Secte, welche dem spanischportugiesischen Ritus folgt. Endlich haben die polnisch-orthodoxen Gemeinden neben ihrem bisherigen Rabbinen, Herrn Leldi aus russisch Georgenburg, den berühmten Talmudisten L. Malbim aus Mohilew als Oberrabbiner ausgenommen. In der deutschen Haupt- und Neben-Synagoge fungiren nach wie vor. dort Rabbiner Dr. Bamb er g er, hier Dr. Wolfiberg. Frankfurt n. M., 9. Januar. Die „Frankfurter Latern" von gestern enthält folgenden scherzhaften Passus: „Schon seit längerer Zeit vermögen die Predigten des Rabbiners einer großen Synagoge in einer süddeutschen Stadt nur eine sehr geringe Anzahl von Gläubigen heranzuziehen. „Wie nun verlautet, soll es in der Absicht desselben liegen, demnächst im Circnsgebäude seinen Glaubensgenossen den Text zu lesen, da sich letztere allsabbatlich in großen Schaaren in den lichten Räumen des „Victoria - Theaters" einzusinden pflegen." Man sieht, daß unfern modernen Brüdern ihre Orgel-Synagogen mit Weibersang rc. noch nicht genug „Theater" sind. Die Schaustellungen im Frankfurter Victoria-Theater haben mehr Anziehungskraft als die Schaustellungen in der Reform- Synagoge. Mülheim am Rhein. Am «w 'd na» den 1. Januar feierten die Lazarus von Geldern'- schen Eheleute hier ihre goldene Hochzeit. In Anerkennung der Verdienste des Jubilars um die hiesige Gemeinde, in welcher der Jubilar als Vorstandsmitglied seit dem Jahre 1848. die Jubilarin als Vorsteherin eines Vereines wirken, hatten die Mitglieder derselben beschlossen, diesen Tag würdig zu begehen. Nachdem dem Jubelpaar am vorhergegangenen Abend eine Serenade gebracht worden, fl:nd am Samstag Nachmittag die Feier im großen Casinosaal statt, an welcher sich nicht allein sämmtliche Gemeindemitglieder und Bürger aller Confessionen, sondern auch über 15'i Fremde betheiligten. Um 2 Uhr Mittags wurde das Paar von einer Deputation abgeholt und schlossen sich diesem Zuge deren Kinder, Enkel, Verwandte und Freunde an. Beim Eintritt derselben in den festlich geschmückten Saal erhoben sich alle Anwesenden ehrerbietigst von ihren Plätzen, die anwesende Musik spielte einen eigens hierzu componirten Festmarsch, begleitet von draußen am Rhein entlang sich fortpflanzenden Böllerschüssen. Als das Paar seine Plätze eingenommen, traten 2 Enkelinnen desselben vor und überreichten demselben den goldenen Kranz und Strauß. Hierauf wurde ein nach Psalm 127 bearbeitetes Lied: „Wenn Gott der Herr das HauS nicht bauet" u. s. w. vom hies. Synagogen- Chor vorgetragen, diesem folgte die Festrede, gehalten von unserm Prediger Herrn Carl Brisch. Der Inhalt desselben war in Kürze folgender, anknüpfend an 1. B. M. Cap. 46. V. l. yD’i vai Jakob betritt nach langen Jahren noch einmal die Stätte, wo er seine Kindheit verlebt und die er als Jüngling verlassen mußte, um sich in der Fremde einen Heerd zu gründen. Mit welchen Gefühlen mochte er damals diesen Ort verlassen haben. Da mußte er von alldem scheiden, was dem menschlichen Herzen so theuer ist, und der Stätte seiner Kindheit den Rücken wenden.— Dunkel lag die Zukunft vor ihm, was wird sie ihm bringen? Wird er diesen Ort jemals Wiedersehen? — Und nun steht er nach langen Jahren noch einmal daselbst, ein ganzes Leben liegt zwischen damals und heute, aus dem Jüngling war ein Greis geworden. Da mochte in jener Stunde sein Herz noch einmal in sich durchlebt haben alle Stunden der Freuden und Schmerzen, welche ihm das Leben gebracht, alle Verluste, die er erlitten, alle Täuschungen, die er erfahren, die Kämpfe, die er damals noch nicht ahnte, und die er im Leben bestanden. D'naT-mn, da opferte er dem Gotte seines Vaters Dank. Und wie um ihn darüber zu beruhigen, daß er in seinen alten Tagen noch auf der Wanderung begriffen, erschien ihm der Herr, verhieß ihm seinen ferneren Beistand: nv'nLv iny in« ojk und sprach: Ich werde auch fernerhin mit Dir sein und Dich begleiten. Auch sie, das Jubelpaar, beträten heute noch einmal ihr ya» -wa die Stätte des Schwures, woselbst Beide sich eheliche om» waiw d» o Liebe und Treue geschworen. Damals auch in der Blüthe der Jugend, ihr elterliches Haus verlassend, heute im Schmuck des Greisenalters, um-

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