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Der Israelit · 1876-01-12 · Heft 2 (12.1.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 2 (12.1.1876)
Date
1876-01-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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31 vorfand, verschwunden, ungelöst war, und Franke, mit dem ich während der sieben Trauertage um den seligen Herrn oft zusammen kam, stets darüber grübelte. — Meine plötzliche, unmotivirte Abreise, wäre als Flucht erschienen. Man hätte mich möglicherweise steckbrieflich verfolgt, und wenn eS mir bei meiner unendlichen Schlauheit und Ge« wandtheit? auch gelungen wäre, mich der Verfolgung zu entziehen, das Eine war gewiß, ich hatte dann wohl möglicherweise meinen Raub in Sicherheit bringen; aber niemals die Früchte desselben ruhig und behaglich verzehren können. Auch in dieser Richtung hatte ich rasch einen Plan entworfen. Ihr mußtet glauben, ich sei mit einem Selbstmorde aus dem Leben geschieden. Ich hätte es vorgezogen, glauben zu machen, ich wäre zu- S verunglückt, es hätte dies meinen Erlebnissen entsprochen — aber, das wußte ich bei aller Schlauheit nicht zu arrangiren. — Sie wissen es, Zöllner wandte sich an Franke. „Sie waren damals durch das Ableben Ihres Freundes und Chefs, durch den unerwarteten Verlust der Jeanette und ihrerKinder betroffen, im höchsten Grade aufgeregt, auch waren Sie außerordentlich beschäftigt, aber dennoch war Ihnen mein leidendes Aussehen nicht entgangen und Sie frugen mich hierüber. Ich habe in meinem ganzen Leben stets alle Zufälligkeiten, die sich meinen Zwecken darboten, rasch und mit großer Schlauheit benutzt. Ich that es auch dieSm\. IÄ, i&Wt rmnärngkchr über schweres körperliche Leiden, dessen Heftigkeit mir das ganze Leben verbittere, und ließ auch durchschimmern, daß ich sonst noch Verdrießlichkeiten in großem Maaße hatte. Ihnen Franke konnte dies nicht unglaublich erscheinen, da es Ihnen bekannt war, daß ich schon einigemal durch Klagen beleidigter Ehemänner und betrogener Mädchen in arge Verlegenheiten gerathen war. — Acht Tage nach dem Ableben unseres seligen alten Herrn fand man meinen Hut, Stock, Rock und mein Portemonnaie an den Ufern der Moldau. Ich hatte kurz vorher alle meine kleine Schulden, mit einer gewissen Ostentation bezahlt, war inmitten eines heiteren geselligen Kreises von Genossen, in dem ich mich Nachts vorher befunden, absichtlich stille und verschlossen gewesen, ich warf hier und da ein Wort ins Gespräch, das meinen Seelenzustand als einen sehr düsteren erscheinen ließ. Beim Scheiden nahm ich von meinen Freunden mit ungewohnter Herzlichkeit, mit einer an mir nie gekannten Rührung, Abschied .... es erschien dies meinen Freunden neu und auffallend; am nächsten Tage glaubten sie den Schlüssel zu meinem räthfel« haften Benehmen gefunden zu haben. — Es gab in Prag wohl keinen Menschen, der mich gekannt hatte, und der au meinem Selbstmorde zweifelte. Für Reise-Documeute Und eine passende Maske hatte ich schon früher Sorge getragen .... ich entfloh .... ich athmete erst frei auf, als ich amerikanischen Boden betrat." „Es war mir auf meiner Reise durch Deutschland gelungen, die österreichischen StaatSpapiere, ohne Aufsehen zu erregen, zu verkaufen. Ich war reich, ich lebte in Amerika unter fremdem Namen, ich konnte allen meinen Leidenschaften fröhnen; aber das Gold hat dämonische Gewalt über den Menschen, der dieses über alles liebt. Ich habe es schon gesagt, mir war Reichthum gleichzeitig Mittel und Zweck. Erwerben, wagen, gewinnen, daS reizte mich und riß mich stets zu neuem Eifer hin. Ich wollte mein großes Vermögen noch vermehren .... und wenn sich auch zuweilen in meinem Herzen die Stimme des Gewissens regte, so wirkte diese bei meiner wilden unbändigen Natur nicht veredelnd auf mich ein, im Gegentheil .... da triebt mich in wilder, namenloser Verzweiflung, erst mein Vermögen zu verdoppeln, um den Bestohlenen den Raub zurückerstatten und doch im Besitze des ursprünglichen Vermögens bleiben zu können.so mußten selbst meine guten Regungen stets nur meine wilden Leidenschaften anspornen. Ich wagte kühne Speculationen und als sie mir gelungen waren, als ich mein Vermögen verdoppelt hatte, waren meine guten Bvrlützr verflogen^ „Ich hatte in Amerika in verschiedenen großen Städten, — selbstverständlich unter fremdem Namen, — schon viele Jahre gelebt, als ich in Philadelphia, einen Deutschen, Eduard Fallenberg, kennen lernte. Es war dies ein Mensch, dessen Wesen ganz zu meinem paßte. Fallenberg entstammte einer altadeligen, süddeutschen Familie, früh verwaist, war er zumeist sich selbst überlassen gewesen und war als Jüngling, weil er sich einer politischen Verbindung angeschlossen hatte, und vielleicht auch seines lüderlichen Lebenswandels wegen, von seinem Onkel, seinem einzigen Verwandten, dessen Erbe er hätte werden sollen, verstoßen worden. Er war nach Amerika ausgewandert , aber alle Bemühungen des ruhelosen, unstäten, aber auch begabten und gebildeten Menschen waren bisher fruchtlos geblieben. Er hatte sich lange Zeit in New-Iork als Sprachlehrer Herumgetrieben, endlich ward er von dem herrschenden Goldfieber ergriffen und war nach Californien, später nach Australien in die Goldfelder gegangen. Das Glück hatte ihm auch dort nicht ge'lächelt, ärmer und hoffnungsloser als er je gewesen, kam er nach Philadelphia, wo ich ihm begegnete. Er gefiel mir, ich unterstützte ihn und er attachirte

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