Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1876)
- Date
- 1876-01-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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29 den Tod eines ihrer angesehensten Mitglieder einen herben Verlust erlitten. Am 27. Nov. starb der Rentner, Herr Napoleon Wolff, in einem Alter von 83 Jahren. Der Verstorbene war ein Mann von streng religiöser Gesinnung und anerkannt menschenfreundlichem Charakter. Der Erziehung eines gelehrten und gottesfürchtigen Vaters verdankte er eine in unfern Tagen'nicht gewöhnliche religions-wissenschaftliche Bildung. Wie er selbst seine Mußestunden gern dem Studium der göttlichen Lehre zuwandte, so gelang es ihm auch, unterstützt durch eine würdige, zartsinnige und gottesfürchtige Gattin, seine Söhne zu kenntnißreichen und gesetztreuen Juden heranzubilden. Auch in weiteren Kreisen wirkte er belehrend, anregend und belebend durch ansprechende gern gehörte Vorträge in frommen Vereinen, die er selbst ins Leben' rief und mit ansehnlichsten Stiftungen bedachte. Fast ein halbes Jahrhundert war er Vorsteher seiner Gemeinde und Dank seiner Anregung und Opferwilligkeit ist dieselbe im Besitze einer einfach schönen, freundlichen und geräumigen Synagoge, wie solche wohl selten in einer Gemeinde von kaum 40 Familien anzutreffen sein dürfte. Den Armen spendete er mit freudigem Herzen und betheiligte sich mit reichen Gaben an fast allen Wohlthätigkeitsanstalten des Rheinlandes. Das Ansehen, welches Herr Napoleon Wolff bei seinen Mitbürgern aller Confessionen genoß, §ab sich in der zahlreichen Betheiligung an seinem eichenbegängnisse zu erkennen, und Herr Seminardirector Dr. Plato sprach allen Anwesenden aus der Seele, indem er in einem tiefergreifenden Vortrage die Verdienste des Heimgegangenen hervorhod und die Ueberlebenden ermahnte, durch treues Festhalten an den Grundsätzen desselben ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren. mriN vs2 nw« pna ion3 "jPnno Hegenheirrr (Elsaß). Nach dem Rechenschafts- Bericht des dahier errichteten Asyls hat dasselbe im Ganzen circa 40,000 Frs. gekostet. Hauptsächlich waren es die Gaben von Glaubensgenossen aus'Oberelsaß und der nahen Schweiz, die es ermöglichten, diese wohlthätige Stiftung ins Leben zu ruftn. Das Asyl zählt zehn Pensionäre. Die Ausgaben beliefen sich auf ungefähr 6u00 FrS. und der Reservefond hat eine Höhe von 45,000 Frs. erreicht^ Frankreich. Paris. „Un. isr." schreibt: Nach einer uns gewordenen Mittheilung, erhalten die isr. Schüler (60 an der Zahl) in der Schule Turgot keinen jüd. Religionsunterricht. Um jedoch mit ihren christl. Mitschülern in den zu erhaltenden Noten concurriren zu können, wohnen sie dem Religionsunterricht des kath. Geistlichen bei. Unsere Administration ist verpflichtet, schleunigst Schritte zu thun, daß diesem Uebelstande abgebolfen werde und ein Rabbiner daselbst die isr. Schüler in ihrer Religion unterrichte. Paris. Wie „Un. isr." mittheilt, fand in der Synagoge in der Straße la Victoire eine Trauung statt, in welcher der Bräutigam kein rv^B an hatte, eine Neuerung, die wohl in Europa selten oder noch gar nicht vorgekommen sein wird. Paris. Unter den Gabenverzeichnissen für die isr. Wohlthätigkeisanstalten der hiesigen Stadt befindet sich auch eine Spende von 27,200 FrS. von Frau Baronin Gustav v. Rothschild, welche für verschiedene Zwecke bestimmt ist, darunter 10,000 Frcs. als erste Gründungsgabe zn einem Pensionsfonde für Lehrer. (Un. isr.) England. London Einem 0n dit zufolge hatte Mr. Disraeli dem Baron Lyonel v. Rothschild die englische Pairswürde verleihen wollen. Sie wurde dem Millionär auch angeboten, aber die daran geknüpfte Bedingung, daß er aus dem Geschäfte seines Hauses treten sollte, bewog ihn, die ihm zugedachte hohe Ehre abzulehnen. Liverpool, 22. Dec. 75. Vor einiger Zeit wurde hier eine neuerbaute prachtvolle Synagoge von unserem allgeliebten und hochverehrten Herrn Oberrabbiner Dr. Adler eingeweiht. Die innere Decoration, die beiläufig 3000 Pf. Sterl. (20,000 Thlr.) kostet, wurde erst kürzlich vollendet, und ist nun das Innere ein höchst imposantes. Die heil. Lade, Kanzel und der Schulchan (in der Mitte des Tempels) sind aus feinstem Marmor, und dem Eintretenden strahlt überall Gold entgegen. Das Gotteshaus, dessen Gesammtkosten von 17,000 Pf. Sterl. ganz von den Mitgliedern der Gemeinde, ohne fremde Beihilfe, entrichtet wurden, kann zu den schönsten in Europa gezählt werden, und ist jede Reform ausgeschlossen; das Spielen auf dem Harmonium, das bisher nur während