Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1876)
- Date
- 1876-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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28 Wir schließen den kurzen Artikel mit einem Hinblicke auf den großen Todtenacker, den die Weltgeschichte uns zeigt. Wie ehrwürdig muß dann das Volk der Juden vor uns stehen! Denn wohin sind die Aegypter trotz ihres Nilstromes und ihrer stolzen Pyramiden? Wo sind sie hin die Griechen und Römer trotz ihrer einstigen Größe und Künste und Wissenschaften? — Stillen Gräbern gehören jetzt viele Nationen an, die einst die Welt erschütterten. Verschüttet ist ihre Sprache, ihre Sitte, ihre Kraft, — nur aus verwitterten Schrifttafeln sprechen sie noch zu uns. — Wie anders mit den Juden! Zwar hin sind ihre Gesalbten und hin ihr Königreich, — sie selbst aber stehen noch. Sie reden miteinander von der versunkenen Herrlichkeit, hören im Geiste noch die Harfen und die Oelbäume rauschen. Ob sie auch oft unter Druck, Hohn und Verachtung den Sarkophag ihres Reiches umschreiten, — Schritt und Tritt sind fest. Trage der Eine goldene Sandalen , der Andere kothige Schuhe an den Füßen, — der Eine in seinen Taschen große Werthpapiere, der Andere einen Trödelsack auf dem Rücken, — ihr Gang und ihr Angesicht wendet sich nach den Pforten der Zukunft, sie warten auf den Messias. Wird er kommen? Gewiß, gewiß! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, Anfang Januar. Dem Herrn Registrator Bessinger, der sich wegen seines ehrenhaften Charakters der allgemeinen Achtung erfreut, ist in Anerkennung seiner langjährigen dem Staate geleisteten Dienste der Orden Philipps des Großmüthigen 2. El. verliehen. Dies ist in kurzer Zeit schon der dritte oder vierte Fall, daß Mitglieder unserer Gemeinde Ordensauszeichnungen empfingen. Darmstadt, 2. Jan. Gestern begmg unser Glaubensgenosse, der in weitesten Kreisen bekannte Herr Heinrich Blumenthal, das Fest der silbernen Hochzeit. Wie zu erwarten stand, gestaltete sich dieses Fest sozusagen zu einer öffentlichen Feier, da Herr B. nicht allein Mitglied des isr. Gemeinde- Vorstandes ist, sondern auch seit Jahren der Stadtverordnetenversammlung angehört. Bei einem vorgestern Abend zur Ehre des Jubelpaares veranstalteten Festessen wurde dasselbe durch eine großartige musikalische Ovation überrascht. Am Feste selbst beeilten sich Hunderte aus allen Theilen der Bevölkerung, ihm ihre Glückwünsche zu überbringen und werthvolle Andenken zu verehren. Anläßlich dieses freudigen Ereignisses haben die Eheleute Blumenthal namhafte Summe zu wohlthätigen Zwecken gespendet, wie dieselben überhaupt keine Gelegenheit, ihren Wohlthätigkeitssinn zu bethätigen, unbenützt vorübergehen lassen. Einem nahen Verwandten des Jubilars, Herrn Kaufmann Rosenstein dahier, ist kürzlich durch Verleihung eines hohen Ordens eine öffentliche Anerkennung zu Theil geworden. Von der Bergstraße. Sie berichteten jüngst über einen Gewissenszwang aus Wien, wonach daselbst in den öffentlichen Schulen die isr. Schüler gezwungen werden sollen, am Samstage zu schreiben. Ich fühle mich gedrungen, Ihnen Aehnliches aus dem sonst so liberalen Baden und zwar aus der Musenstadt Heidelberg mitzutheilen. Ein iSr. Knabe, der früher in einem dortigen isr. Institut gewesen, weigerte sich, in der Bürgerschule am Samstag zu schreiben. Da erklärte der Direktor, Prof. Salzer: „Wer nicht am Samstag schreibt, kann nicht Schüler sein." Was wollte der Knabe thun? er mußte schreiben. Die Eltern lehnen sich nicht dagegen auf, und so kann wahrscheinlich unser Herr Rabbiner nicht klagen, weil er keinen Kläger angeben könnte. Berlin, 7. Jan. Dem Vorstande einer jüd. Gemeinde, der sich an den Cultus-Minister mit der Bitte um Declaration der Bestimmungen über die Aufnahme jüdischer Zöglinge in das Lehrer- Seminar der Stadt und über die Theilhaftigkeit an den Unterstützungen des Seminars gewendet hatte, ist der Bescheid zugegangen, daß es zunächst nur darauf ankommen könne, jüd. Lehramts-Aspiranten die Möglichkeit zu gewähren, ihre Ausbildung im Seminar zu erlangen. „Diese Möglichkeit ist gegeben. Wegen der Theilnahme derselben an den Beneficien, welche, abgesehen von dem allen Seminaristen unentgeltlich ertheilten Unterricht, den Bedürftigen gewährt werden, kann nur in jedem einzelnen Falle befunden werden. Ebenso muß die Entscheidung wegen Ertheilung des Religions-Unterrichts an jüd. Seminaristen bis dahin Vorbehalten bleiben, daß ihre Zahl diese Frage zur Beantwortung stellen wird." Aus dem Rheinlands. Die isr. Gemeinde zu Euskirchen, eine der religiösesten und beftorganisirten des Rheinlandes, hat vor Kurzem durch