Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1876)
- Date
- 1876-01-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447645-2447648--12141-2467954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 erkennung gefunden haben; es sind deren drei: 1) das Dasein Gottes, 2) es findet Belohnung und Bestrafung statt (was zugleich den Glauben an ein jenseitiges Leben involvirt) und 3) die Thora — die schriftliche und die mündliche Lehre — stammt von Gott. Es ist nun hier nicht unsere Absicht, diese drei Glaubens - Grundsätze ihrem vollen Umfange und ihrer großen Bedeutung nach darzulegen; zu diesem Zweck müßten wir ein bändereiches Buch und nicht eine Serie von Artikeln schreiben; wir wollen hier nur an der Hand von Talmud und Midrasch einige wichtige und für unsere Zeit besonders zu merkende Lehren zu entwickeln versuchen. Wir halten jetzt beim Lesen der heiligen Schrift an dem wunderbaren Zeitpunkte, da Israel aus einer Familie zu einem Volke wird; wir lesen am kommenden Sabbat, wie inmitten einer Zeit der größten Noth und des schrecklichsten Drangsals das Knäblein geboren und mit Mühe vom Tode errettet wird, das zum Helfer und Befreier heranwachsen soll. Moscheh ist in einem Kästchen ausgesetzt am Ufer des Nil; die treue Schwester, selbst noch ein zartes Kind, ist begierig zu erfahren, was aus dem Brüderchen werden wird, von dem sie prophezeiht hatte, daß er einst Israel helfen würde. nvy' ne njnb pimo irorot asnrn. „Und seine Schwester stand von fern, zu erfahren, was ihm geschehen würde." vy Pa nin p-.D9 pns» 'n not* tnp'i us’m '“i tcn d’pdi asnm ru-own uv 'n pimo . pimo .rot . rontt ncan^ "iidn .mint« .'ui -pniPN no .no .4i myi btt o .njnb ntru vibV 'i iP Nip'i P ,|ow roa un-tb 'i nvy' .nvp .noyo (Sota 11a. nach der Lesart des Jalkut). Wir haben bereits über diesen so sehr zum Nachdenken auffordernden Ausspruch der Weisen in Nr. 51 des zweiten Jahrgangs dieser Zeitschrift einen Aufsatz über jüdische'Erziehung geschrieben. Wir wollen nunmehr versuchen, an diesen Ausspruch einige Gedanken über die großen Glaubens- Grundsätze anzureihen. Diese Grundsätze sind es auch, deren Bewahrheitung Gott beim Auszuge aus Mizrajim gleichsam als Endzweck der Erlösung darsteüte: 4i ux 'u ym nttia 'n -m na o. „Denn so hat der Ewige gesprochen: durch dieses (was ich thun werde) wirst du erkennen, daß ich der Ewige bin," (2. B. M. C. 7, V. 17) — im Gegensätze zu Pharao's frecher Rede ‘i nws »ny-p t6, „ich kenne Gott nicht" (2. B. M. C. 2, V. 5), wird hier auf das Dasein Gottes '*? ux 'v der Nachdruck gel-gt. i naiy 'vy IVX px m xinn Dpa wem > .p6tn anpa 'n ux o yrn;yvb 'ni rpty I „Und Ich werde unterscheiden am selbigen Tage das Land Gosen, in welchem mein Volk wohnt, daß dort nicht sein werde die Plage der wilden Thiere, damit du erkennst, daß Ich, der Ewige, walte im Lande" (z. B M. C. V. 18). Da wird auf das Walten Gottes, auf die göttliche Vorsehung — Belohnung und Bestrafung — der Nachdruck gelegt, und gleich beim Beginne der Sendung Moscheh's heißt es: n:n nnn by onPxn nt* payn cnsoo Dyn iet»snna „Wenn du hinausführen wirst das Volk aus Mizrajim, so werdet ihr Gott dienen auf diesem Berge (dem Horeb)." 2. B. M. C. 3, V. 12. Da ist also die Offenbarung am Horeb min D’DBrn gleich als der Endzweck der Erlösung in Aussicht gestellt. Was sich aus der obenangeführten Talmudstelle in Bezug auf diese drei Glaubensgrundsätze ergibt, das wollen wir in der nächsten Nummer erörtern. (Fortsetzung folgt.) ^«dc «ii- Christ.*) Wenn ich die Wahrheit blind mir nicht verhehle: Da steht vor mir der Christen Schuld und Fehle; Ich brauche keine Zuflucht zum Gedichte, Denn laut genug spricht ja die Weltgeschichte. Ein berühmter Geschichtsforscher fällt über die Juden folgendes schiefe Urtheil: „Auch fortan und bis auf den heutigen Tag haben sich die Nachkommen dieser merkwürdigen Nation ohne Vermischung mit den übrigen Völkern, unter denen sie meist in Verachtung und gegenseitiger Abneigung leben, erhalten; hartnäckig den überlieferten Lehren und Satzungen anhängend, allem Neuen widerstrebend, ohne Nachgiebigkeit gegen den Geist der Zeiten und Orte, lebendige Mumien der alten Welt." Das klingt sehr hart und ungeschickt. Ein denkender Mensch wird jenes Urtheil nicht unterschreiben. Es kann von Schuld der Juden nicht die Rede sein, — alle Schuld fällt auf das Haupt der Christen. — Als um das Jahr 4^0 die Völkerwanderung eintrat— jene großen, furchtbaren Züge von nordischen und östlichen Völkern, die nach den südlichen und westlichen Ländern Europas drängten — und dadurch überall Unordnung und Verwirrung entstand, die römische Herrschaft in Italien und anderen Provinzen zerstört, alte Reiche *) Auszug aus einem Artikel der „Freien Glocken" von Ludwig Würkert in Leipzig.