Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1876)
- Date
- 1876-01-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVII. Jahrgang. Erste Beilage jit Ar. 1 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Graudenz. Wie den Lesern des „Israelit" bekannt, hat Herr Caspar Lach mann dahier ein Alterversorgungshaus, eine Synagoge, die wahrhaft ein uxv «npo ist, dann ein erbaut, letzteres mit einer reichhaltigen Bibliothek versehen, ebenso drei mn angestellt, dieselben mit Allem versorgt, um was Vater Jakob gefleht, und sie verpflichtet, dem Studium fleißig obzuliegen, -pa nsnn vt Ppsi P'liAnstatt, daß nun Herr C. L. gebührende Anerkennung finden sollte — denn auf Dank hatte er verzichtet — wurden alle seine edlen Handlungen bemäkelt. Herr C. L. selbst vielfach in niedrigster Weise gekränkt. Dieser Umstand mag wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Herr Lachmann sich entschlossen, von hier nach Berlin überzusiedeln. Das Lachmann'sche Haus war fast das einzige reiche Haus hier, in dem der Sabbat nach Vorschrift unserer heiligen Lehre gefeiert, in deiil jüdische Tugend und fromme Sitte gepflegt, das einzige, in dem mit vollen Händen den Armen gespendet'wurde. Sabbat iv nicnr, bevor Herr C. L. von seiner Synagoge, die er zur Verherrlichung Gottes erbaut, Abschied nahm, betrat Herr Rabb.' Dr. Baer die Kanzel und hielt eine sehr sinnige und gehaltreiche Predigt, verbindend die Bibelverse -,rrmoD', is-snd -p und apy* »sv* Dtpn neriy trpon je pns iübo yjtv iwd, „das Scheiden eines Biedermannes aus einer Stadt macht einen liefen Eindruck". Der geehrte Redner, dessen Worte stets von Herzen kommend auch zu Herzen dringen, hat alle seine Zuhörer zu Thränen gerührt; denn jeder fühlte, wie hart der Wegzug des Herrn C. L. das Judenthum in Graudenz im Allgemeinen und jeden Israeliten insbesondere trifft? Aber dem Uebel ist nicht mehr abzuhelfen, und können wir dem Herrn C. Lachmann nur Nachrufen: Gottes Gnade wolle ihn und sein neugewähltes Heim so segnen, wie wir dies bei seinem Abzüge wünschten.' N. C. Danzig, 12. December. Vorgestern Abend beim Begmne des Sabbaths wurden die Besucher unserer Synagoge (Alt-Schottland) von einem schrecklichen Schauspiele überrascht. Beim Eintritte in dieselbe schlugen ihnen die Hellen Flammen entgegen. Durch' ein Licht, das zum Aufthauen des Wassers an der Gasuhr verwendet worden, war die Feuersbrunst entstanden, die den ganzen linken Flügel der Synagoge zerstörte. Der weiteren Verheerung wurde nur durch das sofortige Eingreifen der Löschmannschaften Einhalt geboten. Die Gemeinde wird, wie wir hören, sofort zum Wiederaufbau der Synagoge schreiten. (Jüd. Pr.) Schweiz. Bremgarten. Wiewohl die Gewissensfreiheit auch in der Schweiz proclanirt ist, wird sie dennoch nicht beachtet, indem hier so wie in andern Orten die Israel. Kinder, welche die Volksschule besuchen, am Samstag dem Unterricht beiwohnen müssen und zum Schreiben, also zur Entweihung des Sabbats, gezwungen werden. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Pesth, 19. Dec. (Haus der Abgeordneten.) Auf der Tagesordnung steht der Handelsvertrag mit Rumänien. Es sprechen Einige für, Einige gegen die Vorlage. Auch Miletics beginnt eine Rede, natürlich gegen die Vorlage. Als Argument weiß er jedoch nur Eines vorzubringen: in der Bukarester Kammer wollten die Rothen den Vertrag auch nicht votiren, somit votirt er ihn auch nicht. Da er zur Sache nichts weiter vorzubringen wußte, fing er an, von der aufgetösten Matica zu sprechen. Da verwarnte ihn Präsident Ghyczy und da Miletics fortfuhr, von der Matica zu sprechen, drohte er ihm mit der Entziehung des Wortes. Froh, einen schicklichen Vorwand zum Schweigen zu haben, setzte sich der stotternde Prophet der Omladina mit dem Bewußtsein, diese Magyaren wieder einmal geärgert zu haben, schmunzelnd nieder. Moriz Wahrmann erhebt sich und hält unter lebhaftem Beifall des Hauses eine glänzende Rede für den Vertrag. Er nimmt den Vertrag an, nicht weil er mit allen Punkten desselben einverstanden ist, sondern weil derselbe zum mindesten erträgliche Verhältnisse schafft. Er nimmt ihn an, weil die zollfreie Einfuhr von rumänischem Getreide dem hiesigen Ackerbau nicht schaden kann, dagegen den Handel der Hauptstadt wieder zur Blüthe bringen, den Durchzug der Maaren, die aus dem Oriente kommen oder nach dem Oriente gehen, über Buda-