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Der Israelit · 1876-01-05 · Heft 1 (5.1.1876) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 1 (5.1.1876)
Date
1876-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 namenloses Weh, das ich bereitet, wäre verhindert, mir ein weiteres Leben voll Niedertracht und Verbrechen erspart worden . . . . o! Allerbarmer!" Wieder war eine längere Pause eingetreten. Die Anwesenden konnten sich trotz ihrer gerechten Entrüstung eines Gesühles tiefen Mitleides nicht erwehren. „Ich habe es schon gesagt," fuhr Zöllner fort, „mein Geist war stets elastisch, .... ich raffte mich endlich auch jetzt auf. Mein Scharfsinn fand immer das geeignetste Mittel, nicht nur die schwersten Verbrechen auszuführen, sondern auch deren Resultate festzuhalten, jeden Verdacht in einer, ich möchte fast sagen, unglaublichen Weise fernzuhalten, die leiseste Vermuthung ihn auf mich zu lenken, im ersten Keime zu ersticken. — Mich machtvoll zur Geistesruhe zwingend, überlegte ich. In Europa konnte ich das Niesenvermögen nicht genießen. Der Besitz einer so ungeheuren Summe hätte mich verrathen müssen. Wodurch vermochte ich diesen zu erklären? — ein großer Lotteriegewinn, der entsprach noch immer der großen Summe nicht .... und ich wollte mich rasch im Vollgenusse des Vermögens setzen, ich wollte nicht nur die Million besitzen — ich wollte auch als Millionär leben. Equipagen, Weiber, Glanz! .... und das .... das konnte ich wahrhaftig in Europa nicht .... in keiner Großstadt Europa's war ich sicher, in London, Paris .... überall war „Jonas Ebers" bekannt, überall konnte ein Geschäftsfreund unseres Hauses auftauchen, oder irgend ein Zufall, ein Mitglied oder einen Commis unseres Hauses hinführen, der mich erkennen, mich verrathen konnte .... fort, fort, nach Amerika, rief es in mir — nach der neuen Welt. Das große volkreiche New- Iork bot dem Genüsse und auch meiner Thätigkeit — mein Gelddurst war ein unersättlicher, meine Fähigkeiten sollte mich noch höher bringen, — ein weites Feld dar. In Amerika, da konnte ich noch ein Rothschild, ein Geldfürst ersten Ranges, werden, dort konnte ich unerkannt und unbehelligt ein neues schönes Leben beginnen . . . das waren wieder reizende, farbenprächtige Bilder, die meine Seele erfrischten, nachdem mich Angst und Furcht vor Entdeckung zu Tode gequält.mitten durch diese aufregenden, geistigen Bewegungen tauchte dann doch im entferntesten Winkel meines Herzens eine Regung von Reue auf ... . aber ich beschwichtigte mich bald. Das Vermögen hatte ich denn doch nur .... Jeanetten gestohlen .... das schien, mir verblendeten, von leidenschaftlichem, krassen Egoismus, irre Geführtem nur ein Akt gerechter Vergeltung. — Jeanette hätte mich wählen, mich durch ihre Hand beglücken sollen .... daß ich damals ein Bursche, jünger als sie war — was lag daran? .... Jeanette hätte mir, mit ihrer Hand, mühelos das Vermögen zugebracht, daß ich mir jetzt in gefährlichster Weise — erringen, — nannte ich es in meinen selbstischen Gedanken — .... Aber Alfred, der blasse, stille, geist- und gemüthreiche Knabe, auf dessen Schultern bald die schwere Verpflichtung ruhen sollte, eine zahlreiche Familie mit geringen Mitteln standesgemäß zu erhalten . . . . die Waisen, die ich bestohlen .... das war ein Gedanke, von dem ich doch nicht rasch genug wegkommen konnte, und der geeignet war, meine Seelenpein zu verschärfen .... aber mein Egoismus fand auch hier tausend Entschuldigungsgründe. Tausende hatten unter gleichen Verhältnissen wie Alfred beginnen müssen und waren reich und groß geworden. Jonas Ebers selbst hatte mit viel weniger als Leopold Cohen angefangen und war im Laufe der Zeiten das erste Haus des Landes geworden.und endlich, es waren ja die reichen Oheime da, pah! die hatten ja die Pflicht, wo es Roth that, auszuhelfen .... und das war auch ein Gedanke, der in mir zuweilen, wenn der bessere Mensch in mir für Augenblicke siegte .... ich ... . würde ja in Amerika mit der emen Million viele Millionen gewinnen .... ich konnte ja, wenn ich wollte, die gestohlene Million einst Alfred .... schenken! und mich auch, hierdurch an Jeanette in edelmüthigster Weise rächen.und Jeanette hätte dann doch einsehen müssen, wie glücklich sie geworden wäre, wenn sie statt Cohen, der nun schon im Grabe ruhte, dem verachteten, jungen Burschen, dem Zöllner, ihre Hand gereicht hätte .... es sind dies Gedanken, die Euch — als purer Wahnsinn erscheinen müssen — aber in mir war alles Rechtsgefühl erstorben, jedwedes Urtheil war mir abhanden gekommen, ich kannte nur ein Ziel, einen Zweck, mich glücklich zu machen. Ich lag gefesselt in den eisernen Banden des Egoismus .... der Gedanke an Gott, an den höchsten Richter, hatte mich ganz verlassen!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleöen'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)

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