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Der Israelit · 1876-01-05 · Heft 1 (5.1.1876) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
17 (1876)
Issue
Heft 1 (5.1.1876)
Date
1876-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 küß, gläubige Worte lispelnd, seine reine Seele aushauchte .... wer so wie Jonas Ebers sterben könnte! oh! oh! oh! Thränen entstürzten Zöllners Augen, er schluchzte convulsivisch, auch die andern waren tief ergriffen. „Als ich den Tod des Herrn erfuhr, den die ganze Stadt, ganz besonders aber, alle Leute unseres Hauses, die mit unendlicher Liebe und Treue an ihm hingen, tief betrauerten, ward ich eine Beute der verschiedenartigsten Gefühle. Vorerst erwachte das Gefühl des Bedauerns in mir, ich hatte meinen selbstlosen, edlen Wohlthäter verloren, einen Mann, der gegen sich und seine Söhne streng, mir gegenüber stets Milde und Nachsicht geübt hatte. Er war todt! .... und ich hatte ihm und den Seinigen seine Wohlthaten schlecht vergolten. Ich war ein böser verderbter Mensch .aber der Funke Gottähnlichkeit in mir, regte sich denn doch.im zweiten .'Lugenblicke fühlte ich mich von der größten Gefahr befreit .... ich war dem ungestörten Besitze der gestohlenen Million um einen weiteren Schritt näher gerückt .... aber noch immer bedrohte mich eines große Gefahr — die Eröffnung des Testamentes. Wenn Alfred Nachweisen konnte, sein Vater hätte nie über eine so große Summe verfügt . . . wenn Verdacht geschöpft würde, wenn .... ich durchdachte alle Eventualitäten und wurde setzt zu meinem entsetzlichsten Schrecken inne, daß die Wahrscheinlichkeit einer Entdeckung, es sei etwas Ungehöriges vorgegangen, nahe lag. Aber wenn der alte Herr seinen Söhnen nicht mitgetheilt hatte, daß ich durch längere Zeit allein in seinem Cabinete gewesen, konnte nicht leicht ein Verdacht auf mich fallen. Bei der Kürze der Zeit, die ihm bei dem letzten Wiedersehen geblieben war, bei seinem Vertrauen zu mir und bei dem Umstande, daß sein frommer Sinn in den letzten Lebensstunden — auf Höheres, nicht auf Irdisches gerichtet war, — durfte ich dieses auch hoffen ... die Folge lehrte, daß ich mich in meinen Erwartungen nicht getuscht . . . Sie, Herr von Eberstein, bestimmten, daß sofort das Testament eröffnet werde, da dieses vielleicht Willensäußerungen über seine Bestattung enthalten könne. Die Zeit, während welcher Sie, Ihr Bruder Carl, Franke und Alfred sich bei der Teftamentseröffnung befanden, verlebte ich in qualvollster Spannung. Aus den lebhaften Gesprächen der zurückkehrenden Herren erkannte ich, daß dieselben wohl sehr erstaunt waren, daß aber ein Verdacht gegen irgend eine Person, am wenigsten gegen mich nicht aufgekommen war." '„Ich hatte," fuhr Zöllner fort, wie schon erwähnt, meinen Raub in meine Wohnung gebracht. Ich war die erste Zeit wie betäubt, dann aber nach dem Begräbnisse unseres verewigten Herrn, überfiel mich eine furchtbare nervenzerüttende Angst. Die Furcht vor Entdeckung bedrückte mich in grauenhafter Weise — wenn irgend jemand auf mich blickte, glaubte ich mich verrathen, wenn jemand den Mund öffnete, mich anzusprechen, erwartete ich, er würde mir Dieb, Räuber zurufen. Bei dem leisesten Geräusche zuckte ich zusammen, glaubte ich entdeckt, mein Verbrechen verrathen zu sehen. Des Nachts konnte ich stundenlang nicht einschlafen, und wenn endlich die erschöpfte Natur ihr Recht forderte, und ich ermattet ei »schlummerte, quälten mich furchtbare Traume. Ich sah mich von Häschern überfallen, gebunden, vor die Richter geführt, auf die Folterbank gelegt, um ein Geständniß zu erzwingen, in den Kerker geworfen — mit Ketten belastet, verachtet, verhöhnt, mit Füßen getreten — statt der lockenden Bilder des Genusses, des Glanzes, der falschen Ehre, die mir stets in bezaubernder, umstrickender Anmuth vorgeschwebt, und die ich jetzt bald durch die Macht des Geldes zur Wirklichkeit umschaffen sollte, zerfolterten nun gräßlicheBefürchtungen, imWachen wie im Schlafen meine Seele. — Manchen Augenblick dachte ich schon daran — nicht aus Reue, nicht aus Liebe zum Guten, nur aus Angst vor den Folgen meines Verbrechens — dieses zu gestehen, mich von der endlosen Qual zu befreien .... aber das riesige Vermögen, das ich durch Schlauheit, List, Gewandtheit errungen, das mir geworden, begünstigt durch Umstände, wie sie wohl, — das mußte ich mir in Momenten ruhiger Ueberlegung gestehen — in solcher Art, in solcher Weise noch nie vorgekommen — dieses Vermögen zurückzuerstatten, dieses Vermögen, dessen Besitz mich schon in der kurzen Zeit so viele entsetzliche Seelenqualen gekostet; preiszugeben — und überdies noch mich selbst als Verbrecher anzugeben — meine Ehre, mein ganzes Leben zu opfern .... das schwere Verbrechen nutzlos begangen zu haben — und dann nach der schwersten Entsagung ins Elend gehen zu müssen — das war eine zu harte Prüfung für mich, — eine Prüfung — laßt mir wenigstens den einen Trost, daß, nachdem das Verbrechen schon begangen, vielleicht auch ein minder verderbter, ein weniger schlechter Mensch erlegen. — Es war dies ein Zustand, den Menschenwort nicht zu schildern vermag, er spottet jeder Beschreibung. Hatte er länger angehalten, ich hätte körperlich und geistig erliegen müssen, ich wäre wahnsinnig geworden, oder wäre an Nerverzerrüttung zu Grunde gegangen. O! Gott! stöhnte Zöllner im tiefsten See(enfch,rne.^ „warum ließest Du mich nicht damals sterben? ...

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