Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1875)
- Date
- 1875-12-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1156 Cohen schon bei seinen — Ebers — Lebzeiten für seine Gattin schon einen Kindestheil erhalten, wenn eine Quittung CohenS dieses bestätigte .... und wenn dann eine Million an den Effekten fehlen würde für Jeanette.wer konnte dann die Abrede stellen, daß Leopold Cohen schon den Kindestheil für Jeanette erhalten? Leopold Cohen? .... der war todt.... Jonas EberS . . . . todt! .... wer konnte es dann wagen von einem Diebstahl zu sprechen .... wer konnte mich dessen auch nur in Gedanken bezichtigen? wer?! . . . . wer?! .... und recht, ganz recht geschähe es Jeanetten, warum hatte sie nicht mich gewählt?! Der Gedanke war der richtige, so war es ausführbar .... so konnte es unentdeckt bleiben .... aber Jonas Ebers lebte noch, .... konnte noch Jahre lang leben!" Zöllner war von lauter Sprechen schon heiser, er bedurfte wieder einen Augenblick der Erholung .... dann fuhr er fort. „In dem Momente hörte ich in den anstoßenden Gängen, rasches Hin- und Herlaufen, Thüren auf- und zuschlagen, laute Rufe, es mußte etwas Ungewöhnliches vorgefallen sein. Behutsam trat ich das dunkle Vorzimmer des Cabinetes, das unmittelbar an die Gänge stieß. „Der alte Herr ist plötzlich erkrankt! hörte ich Wiederholt laut rufen! „man muß nach dem Doktor schicken," riefein zweiter, „man soll Alfred Cohen holen;" ein dritter. „man müsse nach Wien und Frankfurt um die Söhne depeschiren und auch Franke telegraphisch davon verständigen", endlich horte ich die Stimme der alten, treuen Haushälterin, die schluchzend berichtete, der alte Herr delirire .... sie fürchte, er würde nicht aufkommen!" „Jetzt war der einzige Zeitpunkt in meinem Leben gekommen, wo ich mit der Aussicht unentdeckt zu bleiben — eine Million stehlen konnte. Ich besitze einen elastischen Geist, ich wollte mit einem kühnen Zuge Alles einsetzen, um Alles zu gewinnen! .... ich wollte es wagen.gelangt - war ich nach meinen damaligen Anschauungen glücklich, auf ewig .... reich! — MißlangS! — eine Kugel vor dem Kopfe entzog mich im allerärg^en Falle jeder Verantwortung! .... das Eine wußte ich nun mit voller Gewißheit — daß ich für heute keine Störung zu befürchten hatte, — daß mein guter, alter Herr heute nicht mehr kommen würde. — Nachdem ich eine Regung meines Gewissens, die leise in mir aufgetaucht war, niedergekämpft hatte, entwarf ich rasch meinen Plan, und schritt sofort zu dessen Ausführung. Ich verbrannte vor Allem die Er^ klärung des alten Herrn, wonach er den Refervefond nur deshalb so riesig hatte anwachsen lassen, damit seine Tochter, bei seinem Ableben, bezüglich ihrer Ansprüche an seine Verlaffenschaft voll befriedigt werden könne, ohne daß die Firma in ihrem Fonde geschwächt würde. Dann schrieb ich, das — Ihnen dreien, Herr von Eberslein, Franke und Alfred wohlbekannte Codicill — dann die Bestätigung Leopold Cohens über eine Million. Ich konnte jede Schrift täuschend nachahmen. Sie, Löwenstamm, haben die Wirkung meiner Kunst erfahren. „Ich hatteüberdies die Vorlagen vor mir... ich legtediesen beiden Falsificate dem Testamente bei, dann durchstrich ich vorsichtig die Nummern der Obligationen , die ich stehlen wollte . . . eine Viertel Million ließ ich zurück .... so konnte unter günstigen Umständen mein Diebstahl unentdeckt bleiben." „Spät in der Nacht war ich mit meinem finstern Werke fertig. Ich nahm das große Packet unter meinen Rock und huschte leise, geräuschlos von Niemandem gesehen und gehört in mein Cabinet. In meine Wohnung konnte ich nicht, das Haus war geschlossen, ich hätte den Portier wecken müssen, mir oas Thor öffnen zu lassen, und das mußte ich um jeden Preis vermeiden. Des andern Morgens konnte es bei der großen Zahl von Personen, die zu uns kamen, nicht auffallen, wenn man meine Ankunst nicht bemerkte, wenn ich der erste in meinem Cabinete war. — Die gestohlene Million lag diese Nacht in meinem Cabinete, hätte man mich überrascht, ich hätte mit eherner Stirne behauptet, ich habe von dem Chef den Auftrag erhalten, die Coupons zu detachiren; ich hätte bei ihm auch keinen Widerspruch gefunden. Erst am Abende des dritten Tages, nachdem der Herr gestorben, brachte ich den Raub in meine Wohnung." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen nebst Titel nnd Inhaltsverzeichnis. verantwortliche Redaction: Di. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. 3. Gott-leben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger.)