Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1875)
- Date
- 1875-12-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1155 Jeanette! die mich nicht gemocht.... dachte ich — ich war eben ein Spielball schlechter Leidenschaften .eine namenlose Wuth erfaßte mich gegen Jeanette .... wenn sie statt Leopold Cohen — der doch jetzt todt im Grabe lag — mich gewählt hätte .... so wäre ich so reich, so glücklich geworden .... ohne stehlen, ohne ein Verbrecher sein zu müssen .... mir kam Jeanette in diesemjAugenblicke recht schlecht, recht groüsam vor .... wenn ich mich in diesem Momente so recht rächen hätte können an ihr! „Verzeihen Sie Alfred" wandte sich Zöllner plötzlich an diesen, „aber Sie können es nicht ahnen, was in der Brust eines von allen entfesselten Leidenschaften besessenen Menschen tobt .... ich glaubte in dem Momente, mir wäre ein großes Unrecht zugefügt worden .... ich hätte das Recht, die Pflicht, mir mein gutes Recht zu verschaffen, das Blut rollte wie geschmolzenes Blei in meinen Adern — meine Schläfen klopften, meine Hände zitterten, mir flimmerte es vor den Augen .... ich mußte die Papiere aus den Händen legen, .... ich konnte die Coupons nicht abschneiden, ich ging im Cabinete auf und ab ... . ich versuchte es nach Fassung zu ringen; mehr um mich zu zerstreuen, meine Aufmerksamkeit abzulenken, als aus Neugierde, durchlas ich zuerst die Schrift, welche die Entstehungsgeschichte und die jetzige Bestimmung des Reservefonds enthielt .... dann blickte ich in den Fond der Caffa .... da fand ich das Testament des alten Herrn und von Neuem erfaßte mich wilde, unbändige Wuth .... sch ersah, daß der Herr Eleonore Vorberg zu seiner Miterbin eingesetzt hatte .... Eleonore Borberg, der ich meine Hand angeboten, und die mich hohnvoll von sich gestoßen hat .... wäre sie mein Weib geworden, ich wäre vielleicht in wenigen Stunden ein reicher glücklicher Mann geworden! o! es war für einen bösen Menschen zu viel in einer Stunde zusammengedrängt^ . ich ... war wie wahnsinnig .... wenn Jonas Ebers nicht wiederkäme .... wenn er plötzlich erkrankte, .... wenn er stürbe .... so kann ich mir freilich eine runde Million nehmen.Setzen wir den Fall, er stirbt .... er kann ja, wenn ich das auch denke, denn doch noch leben, noch recht lange leben bleiben .... er ist ein braver, würdiger Herr, der mich als armen Waisenknaben in sein Haus ausgenommen hat, mich erziehen ließ .... dem ich Alles danke.ich .... wünsch' ihm langes Leben, sprach ich überlaut zu mir selbst .... aber, wenn er doch heute .... morgen .... stürbe, verhindern könntest Du es beim besten Willen nicht .... Was thätest Du dann?" „Die Frage war des Ueberlegens wohl werth, ich sah auf meine Uhr, es war eine volle Stunde verflossen, seitdem der alte Herr fortgegangen, er war nicht zurückgekehrt, er mußte sich doch ernstlich unwohl fühlen! .... ich bemühte mich, ruhiger zu werden.... nach und nach entwickelte sich das, was ich in diesem Falle zu thun hätte, immer klarer und deutlicher vor meinen Augen . . . Vor Allem müßte ich einen Theil zurücklassen, das wurde mir sofort klar, denn, daß ein Reservefond bestand, das war den Söhnen des Hanfes und Ihnen Franke bekannt, und wieder durchzuckte mich eine Erinnerung. Vor langen Jahren schon, einmal wo es sich um eine außerordentliche Anstrengung unseres Hauses zu Regierungszwecken gehandelt, hatte ich einige abgerissene Worte eines Gespräches, zwischen dem alten Herrn und Ihnen, Frauke, gehört .... er hatte damals — ich wußte mich dessen genau zu erinnern, — eine Summe genannt, die er seinem Resevefonde, wenn es sein müßte, entnehmen könnte — hatte der alte Mann im Laufe der Zeiten, im Drange der Geschäftsüberbürdung daran vergessen? .... oder meinte er, daß kein Mensch außer uns beiden die gegenwärtige Höhe dieses Fondes kenne? .... oder glaubte er, daß Niemand die Ziffer genau, aber doch den ohngefähren Belauf wisse? auch wenn Jonas Eberstein aus diesem Leben schied, konnte der große .... Diebstahl, den ich begehen wollte, durch Sie, Franke, verrathen werden. auch unter diesen, für mich günstigen Umständen war die höchste Vorsicht, die absoluteste Nothwendigkeit .... ich hatte mich in den Gedanken hineingelebt .... der alte Herr sei erkrankt, um sein Krankenbett nie wieder zu verlassen, und ich dachte eifrig darüber nach, wie ich rauben; — wie ich meinen Raub ungefährdet in Sicherheit bringen könnte. Je länger der alte Herr ausblieb, desto mehr gewann ich die Ueberzeugung, daß er wenigstens heute nicht wiederkommen würde. 'Der alte err hatte beim Weggehen auch die kleine, eiserne asette, die seine Privatcorrespondenz enthielt, offen gelassen, ich wühlte in dieser und ließ die Briefe, halb gedankenlos durch meine Hände laufen ... . einer fiel mir auf .... er trug die mir wohlbekannten Schriftzüge meines ehemaligen College» , meines glücklichen Nebenbuhlers, des verstorbenen Leopold Cohen. Er erregte meine Neugierde, ich las ihn, er enthielt die bescheidene Bitte an seinen Schwiegervater ihm auf eine gewisse Zeit eine größere Summe zu borgen, erhöbe eine schwierige Periode zu überstehen gehabt .... da aber kam mich plötzlich ein glänzender Gedanke .... Wenn man nach dem Tode des Chefs seine eigenhändige Mittheilung fände, daß Leopold