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Der Israelit · 1875-12-29 · Heft 52 (29.12.1875) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 52 (29.12.1875)
Date
1875-12-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1153 tringen der „Reichsztg." auf Unwahrheiten beruhen. Sollte sie noch nicht wissen, was der Talmud enthält, dann bitten wir sie ganz „tolerant" „den Talmud von Emanuel Deutsch" zu ftudiren. Und wenn im Talmud Stellen Vorkommen, wo von den Heiden mit Bitterkeit gesprochen wird, so muß man bedenken, daß die harten Ausdrücke in eine Zeit fallen, wo die Juden von den Römern sehr viel zu dulden hatten, entweder in offenem Kriege lebten, oder sonst von ihnen die härtesten Mißhandlungen erdulden mußten, und in ihren heiligsten Gefühlen verletzt wurden. Wenn man einem Volke sein Allerheiligstes entweiht und es zwingen will, statt des einzigen unsichtbaren Gottes einen Menschen, einen Tyrannen anzubeten, und dessen Bild in dem Tempel seines Gottes aufstellt, was Wunder, wenn sich das beleidigte Volk in seinem Innersten empört und gerade die Besseren unter ihm von dem tiefsten Unwillen ergriffen werden! Ueberhaupt ist unter 'U oder O’u ,di"3J? keineswegs Christen zu verstehen. Der talmudische Ausdruck für Christen ist onsju, Siehe r.rtsn von Jesaja Berlin ->su nw. Aber nicht nur gegen die Lehre des Ju'denthums spitzte die Reichszeitung ihre giftigen Pfeile, sondern auch gegen die Juden. Bald erscheinen Artikel „Juden, Krisen und Schwindel bald die Judenherrschaft u. s. w. Sie setzt in Nr. 138: „Höchst bemerkenswerth ist die Thatsache, daß unsere Juden, während sie auf der einen Seite das große Geld - und Bankgeschäft überwiegend in Händen haben und leiten, während sie die überwiegend große Mehrzahl der Börsen- und Aktienschwindler bilden und die eigentlichen Regisseure der modernen Schwindetwirthschaft in der Praxis sind, — auf der andern Seite zugleich an hervorragender Stelle die ausgezeichnetste Keuntniß der tatsächlichen Aktienünd Börsenverhältnisse, des modernen Bank- und Geldverkehrs entwickeln. Lasker, Bamberger, Oppenheim, Löwe (?), Sonnemann u. f. w." Wir richten an die Reichszeitung nur zwei Fragen: 1. Verstand Fürst Putbus, Prinz Byron, Geheimerath Wagener u. s. w. den Börsen- und Aktienschwindel, oder wollten sie erst die „Akademie für Umgehung der Gesetze" (Börse) besuchen? 2. Wer trägt die Schuld, daß die Juden zum Handel ihre Zuflucht nehmen? Das isr. Volk beschäftigte sich während seines Staatenlebens ausschließlich mit Ackerbau und Viehzucht. Und auch später, da sie aus ihrem Lande vertrieben waren, befaßten sie sich mit Handarbeit. Berühmte Rabbinen waren Handwerksleute. mirr , «nsj pns' »an i/UDn?jrm '3i Der große Hillel verschmähte es sogar nicht Taglöhnerarbeit zu verrichten, d'sjj 3üin. Siehe (n'3 Mifchnah nuow nx on« d^j/8 -iidkx >33 „Rabbi Meir sagte: Stets lasse ein Jeder seinen Sohn ein Handwerk lernen. Das Wort „obiyb" sagte uns, auch wenn der Vater sich in günstigen Verhältnissen befindet. Diehe Aboth 1. 10. naaVcn n« an« „Liebe das Handwerk." Von einer Neigung zum Handel ist in der alten Geschichte desselben keine Spur zu sehen. Nur die traurige Gesetzgebung des Mittelalters, die ihnen die Ausübung von Handwerken und die Betreibung des Ackerbaues unmöglich machte, zwang sie zum Handel ihre Zuflucht zu nehmen. Und nun Otfn ")r>3 haben wir unsere Gleichberechtigung erlangt, aber können wir in Decennien uns von alten Gewohnheiten lossagen? — „Während man an so vielen, weit größerrn Uebeln der menschlichen Gesellschaft Jahrhunderte hindurch bessert und heilt, und hocherfreut ist, um einige Schritte dem Ziele naher gekommen zu sein, sollen die Juden in. wenigen Jahren sammt und sonders die Fehler und Schwachen, die eine mehr als dreizehnhundertjährige Unterdrückung erzeugte, ablegen und lauter musterhafte Menschen werden. Jahrhunderte gingen darüber hin, bis di.' deutschen Völkerschaften aufhörten, die Beschäftigung mit dem Ackerbau und den Gewerben für erniedrigend zu halten; Jahrhunderte gingen vorrüber, ehe man sich zu dem Gedanken erheben konnte, daß der Ketzer auf die Rechte eines Menschen Anspruch machen könne; den Juden allein will man keine Frist gönnen; in Jahrzehend sollen sie aus eigenem Antriebe alle ihre Borurtheile, Sitten und Gewohnheiten abschütteln und bald lauter Handwerker und Ackerbauer — so möchten es manche Kaufleute und Gelehrte, — bald wieder lauter Kaufleute — so möchte es der Handwerker — bald, nur orthodoxe und rabbinische, bald wieder — lauter Cheterorthoxr oder reine Mosaiten werden." Siehe Jost Geschichte der Israeliten. Zehnter Band, Seite 56. Die Reichszeitung kümmert sich aber um das Nichtige weniger, sie wünscht nur die alten Zeiten wieder. — Sie wünscht die alten Zeiten, von der Zschocke sagt: „Die Geschichte von dem Schicksal der Angehörigen des mosaischen Glaubens ist die Geschichte von der Schmach des Menschengeschlechts. Wer sie mit Würde und gründlicher Ausführung schreiben wollte, müßte zum Menschenfeind darüber

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