Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1875)
- Date
- 1875-12-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1138 dürftiger Christen aus Israel." Billig möchte man fragen: Worin besteht der Zweck dieser Gesellschaften? Offenbar doch nur darin, soviel jüdische Seelen als möglich (!!) der Taufe zuzuführen. Wie erstaunlich muß daher diesen Herren die Thatfache erscheinen, wenn sie erfahren, daß laut einer nach nrntttchen Quellen zusammengestellten Ueberstcht der bei den evangel. 'Kirchen zu Berlin im 11. Quartal 4875 Getauften, Kommunikanten ic. die darin mitgetheilten Zahlen, verglichen Mit den entsprechenden Zahlen des 11. Quartals 1874 einen außerordentlichen Rückgang in den evangelis chenKirchenverhaltnissen beweisen. Während nämlich in dem genannten Zeitraum des vorigen Jahres noch getauft wurden 6087 Söhne und 4955 Töchter, zusammen also 10,042 Kinder christlicher Eltern, wurden in demselben Quartal dieses Jahres zur Taufe nur gebracht 3232 Söhne und 3290 Töchter, zusammen 6522, also gegen 1874 weniger 3520 Kinder, obgleich die Zahl der Geborenen in diesem Jahr natürlich erheblich größer ist; kurz es ist notorisch, daß etwa ein Drittel von sämmtlichen christlichen Kindern dieses Quartals nicht getauft worden ist, und es ist zu vermuthen, daß es im Hl. oder 1Y. Quartal nur die Hälfte sein wird! Ganz auffallend ist auch die Herabminderung der Communikanten (d. h. der erwachsenen Kinder, welche das christliche Bekenntniß öffentlich ablegen). Es gingen im zweiten Quartal 1874 noch 29,541 Personen zum Abendmahl, in dem letzten verflossenen aber nur 10,198. Wäre es, fragen wir, unter solchen Umstanden nicht rathsamer für diese Gesellschaften, ihren Namen zu ändern, um sich in Zukunft zu nennen: „Gesellschaft zur Beibehaltung der Taufe bei den Christen" u. drgl.? Uns Israeliten jedoch muß eine solche Erscheinung ermuthigen und bestärken in unserer hl. Religion der Wahrheit und der Treue; nicht Glauben und Reform und Synoden, sondern Ueberzeugung .uia« und Gesetz mm und Hingebung msa ist unsere Losung! . IBP ^3 ^>3 Oe st err. - Ungar. Monarchie. Czerrwtvih. Nach einer vom Rectorat der Universität zusammengestellten Tabelle stellt sich die Ziffer der in dem ordentlichen Jnscriptionstermine für das Wintersemester 1875/76 an der neu errichteten Czernowitzer Universität Jnseribirten auf 166 Frequentanten. Dem Religionsbekenntnisse nach sind: 64 griechisch-orientalisch, 36 Israeliten, 34 römisch-katholisch, 29 griechischkatholisch, 2 armenisch-katholisch und 2 evangelisch. In der Lesehalle der Studenten liegt auch „Der Israelit" auf. JLrwshäzn. Der hiesige „Lo-Almon-JSrael- Verein" hatte im verflossenen Jahre eine Einnahme von 2819 fl., die bis auf eine kleine Summe auSgegeben wurden. Der Verein zählt mehr als 1000 Mitglieder; Herr Markus Schlessinger hat sich besonders um denselben verdient gemacht. Die Wirksamkeit des Vereins, die Heranwachsende Jugend im Talmud zu unterrichten, ist eine vortreffliche. ES ist daher sehr zu wünschen, daß edle Menschen auch fernerhin den Verein reichlich unterstützen. Afrika. Algier. Ein eingeborner Jude hatte am ersten Tage des Laubhüttenfestes seinen Laden geöffnet. Eine Anzahl eingeborener Glaubensgenossen umringten ihn und wollten ihn veranlassen, sein Geschäft zu schließen. Er suchte die Entweihung des Festtages damit zu entschuldigen, daß er an diesem Tage einen Wechsel zu bezahlen habe, die volle Summe aber nicht besitze und daher noch einige Einnahmen zu machen gezwungen sei, um seinen Verpflichtungen Nachkommen zu können. Es entstand einige Aufregung, als ein reicher Glaubensgenosse herzutrat und sich erbot, die fehlende Summe vorzuschießen. Der Laden wurde hierauf geschlossen und die Leute gingen wieder auseinander. Mehrere Allgier'schen Zeitungen glaubten diese Thatfache als einen Religionszwang bezeichnen zu können, der um so weniger zu dulden sei, als die französischen Juden in Algier an den Sabbat- und Festtagen schon längst ihre Geschäfte offen halten. In ändern Blättern wurde dagegen hervorgehoben, daß ein Muselmann sich groben Mißhandlungen aussetzen würde, wenn er es wagen sollte, am Ramadan zu essen, wenn andere Leute Zusehen können; während bei den Israeliten nur ernste Ermahnungen an den Verletzer des Feiertags gerichtet worden sind. Feuilleton. Mder aus dr« alte» Prager Ghetto. Erzählungen von S. Kohn, Verf. des „Gabriel" (Fortsetzung.) DaS war ein durchschlagendes Argument! — Waren früher bei Beginn der Debatte Alle still