Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1875)
- Date
- 1875-12-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1133 littb beteten sie, auf der Erde sitzend, für das Seelenheil des Verschiedenen ... Vor einigen Tagen nun war's, Vater, Mutter und Kinder faßen in der hellerleuchteten Familienstube, als es plötzlich an der Thür klopfte und ohne auf daS „Herein!" zu warten, trat ein stämmiger, hochgewachsener, breitschulteriger Mann in die Stube. Thränen glänzten in seinen Augen und von seinen Gefühlen überwältigt, blieb er wie festgewurzelt an der Thüre stehen und breitete stumm seine Arme aus. „David, mein Kind!" schrie die Mutter, sprang auf ihn zu, und in den Armen lagen sich Beide, und unter Thränen küßte sich der todtgeglaubte Sohn und die alte Mutter. Der Jubel, der in der Familie herrschte, spottet jeder Beschreibung. Der Angekommene war nicht wenig erstaunt, als er von dem Schreiben seines „Freundes" hörte und erzählte, daß Mayer kurz nach seiner Ankunft in Amerika in schlechte Gesellschaft gerathen sei und nur von Diebstahl und Betrug lebe. Auch ihm habe er wahrend seines Aufenthaltes im Hospital Uhr und Kette gestohlen. Den Streich dürfte er aus Rache, weil Boskowitz den verkommenen Freund mied, verübt haben, Es war dem Todtgeglaubten unmöglich zu schreiben, denn nach dem Verlassen des Hospitals kam er auf eine einsame Farm, wo er von der Außenwelt abgeschlossen war. ' Italien. Venedig, Wir erfahren mit großem Bedauern, daß der Oberrabbiner von Venedig, Herr Abraham Lottes gestorben ist. Derselbe war, wie „Jew. Chr." schreibt, hoch geachtet, ein großer Talmudist und ein Mann von aufrichtiger Frömmigkeit. Holland. Arnheim. Unsere Gemeinde, welche, wie so viele in Holland, den Mangel an einen geübten Prediger empfindet, hatte dieses Jahr bei Gelegenheit der hohen Festtage den Vorzug, das Wort Gottes in einer Art verkünden zu hören, wie ihr solches noch nie vorher gewährt worden war. Herr Dr. Jsaacsohn, gegenwärtig in Hamburg wohnhaft, welcher im vergangenen Sommer mit seiner Familie zur Badekur in Norderney gewesen, sich zur Nachkur nach Scheweningen begeben mußte, wollte bei dieser Gelegenheit unsere Gemeinde mit seinem Besuche beehren, wo er sich, jetzt 22 Jahre her, zur Zeit der Synagogen - Einweihung durch seine damals gehaltenen Predigten viele Freunde erworben hatte. Der Gemeindevorstand nahm Veranlassung, dieses zu benützen, um denselben einzuladen, die Feiertage in unserer Mitte zuzubringen, welchem Gesuche er auch willfahrte. Herr Dr. Jsaacfohn predigte an de» owinn v'w und dem Laubhüttenfeste. Seine von Anfang bis zu Ende fesselnde« Reden machten einen ungewöhnlichen Eindruck. Dieselben waren so lehrreich, so voll Gefühl, so Eindruck machend, daß das Gesprochene sich gewiß nie aus dem Gedächtniß seiner Zuhörer verwischen wird. Wo das lebendige Wort Gottes so verkündet wird, da kann es nicht fehlen, daß der Verstand bereichert, das Gefühl veredelt, das Herz verbessert, der Glaube gestärkt wird. Ist es ein Wunder, wenn unsere Gemeinde sich verpflichtet fühlt, daß sie Herrn Dr. I., durch den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes zugleich Mit dem innigsten Dank ein Geschenk anbieten ließ, als Zeichen ihrer Hochachtung und Werthschätzung? Möge Gott den edlen Hirten, seine Gattin und sein Kind, für das unserer Gemeinde während der verflossenen Feiertage erwiesene Gute segnen und an ihm in Erfüllung gehen lassen!*6bn *psj; “puto *p.jnN Frankreich. X Paris, im Dec. Die Nationalversammlung hat in der vorjährigen Session die Errichtung eines neuen Rabbinats für Paris genehmigt Da jedoch hier die Stadtgemeinde die Gehälter auch der Geistlichen theilweise zu tragen hat, so hat der CultuSminister das Projekt der Errichtung eines weiteren Rabbinats dem Municipalrath zur Beschlußfassung darüber vorgelegt. Die Gründe, die sowohl von dem iSrael. Consistorium der Stadt Paris, als auch von dem Centralconsistorium der Israeliten Frankreichs für das Bedürfniß nach einem weiteren Rabbinatsafsistenten vorgebracht wurden, sind folgende: Durch die Einwanderung vieler Israeliten aus Elsaß - Lothringen hat sich die Zahl der Israeliten zu Paris in 3 Jahren von 23,434 auf 30,000 erhoben. Während für 12 bis 13000 Protestanten 10 Pfarrer angestellt sind, hat die iSr. Gemeinde nur einen Oberrabbiner nnd drei Rabbinats-Beigeordnete. Trotzdem hat die 2. Commission des Munizipalrathes in der Sitzung vom 9. vor. Mts. sich gegen das Projekt ausgesprochen. Es kann hier, wie der Referent in dem abgestatteten Bericht selbst bemerkte, von einer Feindseligkeit gegen irgend eine Confessio» die Rede sein; dieses Votum wurde blos auS ökonomischen Rücksichten in dieser Weise abgegeben, zumal, da unsere jüdische Gemeinde die Stadt in der letzten Zeit durch Erbauung zwei großartiger neuer Synagogen viel Geld gekostet hat. Der