Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1875-12-15 · Heft 50 (15.12.1875) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 50 (15.12.1875)
Date
1875-12-15
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447603-2447642--12064-2467874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1125 jüdischen Friedhof, wo sie ihn verbrannte. Wir haben in Teheran Klage geführt, und der gerechte König warf einen gnädigen Blick auf uns, indem er befahl, daß Soldaten das Judenquartier bewachen sollen. Er ernannte auch zur Verhaftung der Schuldigen einen Commifsar, der jedoch noch nicht angelangt ist. Der Ortsgouverneur, Jz Aldaula, Bruder des Schah, ließ inzwischen gestern, Samstags, Einige der Schuldigen verhaften und ihnen die Bastonade geben und gedenkt in gleicher Weise auch gegen die Änderen vorzugehen. Die Regierung hat mit Erledigung dieser Sache den Vezier und den Polizeichef beauftragt, denen die Angelegenheiten der Juden unterstellt sind. Die ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, ist von einem unaussprechlichen Schrecken befallen, und obgleich seit dem Aufruhr bereits fünf Tage verflossen sind, ist dieselbe doch noch nicht beruhigt, zumal in Anbetracht der Feindschaft, welche Muchtahid und die muselmännische Bevölkerung gegen uns nähren. Am anderen Tage haben sie 10 Häuser geplündert und 20 Personen verwundet; mehrere schwangere Frauen haben abortirt und eine Menge Kinder sind zertreten und getödtet worden. Der Grund unserer Befürchtungen liegt darin, daß die Bevölkerung, die 30,000 Seelen zählt, sich täglich zusammenrottet, während wir so gering an Zahl sind und nicht wissen, was wir machen sollen . . . .; die Angst verläßt uns nicht. Sie wissen, daß wir keine einflußreichen Männer haben; unsere Reichen sind am furchtsamsten, und in solcher Lage gibt es überhaupt keinen Standesunterschied. Der Schrecklichste unserer Feinde ist Said Hussein Arab, der dieses Complot angezettelt hat und es noch anzettelt. Wir können nichts machen und sind gewiß, daß das Resultat dieser Gewaltthaten darin bestehen wird, daß alle Israeliten auf dem Lande werden Muhamedaner werden oder zu Grunde gehen müssen; wir haben von denselben keine Nachricht. Einige Unsinnige hätte der Schrecken beinahe dahin getrieben, den Islam anzunehmen, wenn wir sie nicht am vergangenen Sabbat in der Synagoge mit der Hoffnung auf den Ewigen beruhigt hätten. Wir bitten Sie dringend, der Alliance von unserer Bedrängniß Nachricht zu geben und uns hierdurch zu Hilfe zu kommen. Der Abfall greift um sich, und wenn auch unsere Gemeinde sich hält, alle anderen jüdischen Gemeinden von Persien werden zerstört werden. So berichtet man uns aus Assadabad, daß die Muselmänner daselbst die Israeliten massacriren oder zum Abfall zwingen wollen. Das einzige, was Sie zu unserer Rettung thun könnten, ist, durchzusetzen, daß die Behörden für jede Gewaltthat, die gegen uns verübt werden sollte, der Regierung gegenüber verantwortlich gemacht würden. Nur auf diese Weise würden die Israeliten hier beruhigt werden, anderenfalls wäre dies unmöglich. Bei der Liebe zur heiligen Schrift, verhindern Sie unfern Untergang!" Der geehrte Correspondent fügt folgende Details hinzu: „Mirza Hadi ist seit lange als ein eingefleischter Judenfeind bekannt; es war gerade sein HauS, in welches sich der unglückliche Jehuda, als er vom Volke bedroht wurde, wie in ein Asyl geflüchtet hatte, in der Meinung, daß ihm hier die Eigenschaft Mirza Hadi's als Religionsrichter eine gewisse Unverletzlichkeit gewähren würde, und er konnte in der That nur mit Erlaubniß des Letzteren aus demselben gerissen werden. — Said Hussein Arab, von dem in dem vorstehenden Briefe ebenfalls die Rede ist, ist ein Kaufmann aus Hamadan, Verwandter und Freund von Mirza Hadi; er ist Consular-Agent. In einem Schreiben, das cr an einen isr. Kaufmann von Bagdad gerichtet hat, sucht er Mirza Hadi von aller' Schuld sreizusprechen, indem e: versichert, daß derselbe nicht blos an dem Aufruhr nicht theilgenommen, sondern vielmehr in Gemeinschaft mit dem Polizeichef das Volk zum Auseinandergeherr gedrängt hatte, daß aber seine Bemühungen an der Wuth der Menge gescheitert wären." — H. L. M. Rothschild aus London, der früher die Bibliothek der Alliance durch eine bedeutende Summe gestiftet und seitdem zu deren Vergrößerung viel beigetragen hat. hat jetzt gelegentlich des Verkaufs der Carmoly'schen Bibliothek zu Frankfurt a. M. dem Central-Comitö einen Credit von 2000 Fr. eröffnet, um es in den Stand zu setzen, sich bei dem genannten Verkauf zu betheiligen. Das C.-Comite hat an denselben ein Dankschreiben gerichtet. (Fortsetzung folgt.) England. London. Im Westend, wo die Bayswater- Synagoge, die größte Londons, steht, wird, weil erstere für sämmtliche Besucher zu klein ist, eine neue Synagoge errichtet. 4000 L.-St. sind bereits für diesen Zweck eingegangen. Die Herren v. Rothschild haben 1000 L.-St. subscribirt. (Jew. World ) London. Ein neues Gebäude für die hiesige jüdische Taubstummen-Anstalt wurde vor einigen Wochen eingeweiht. Die Baukosten dieses Hauses, welches in allen Beziehungen comfortable eingerichtet ist, belaufen sich auf circa 4< 00 L.-St. Die Anstalt zählt 24 Zöglinge. (Jew. Chr.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.