Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1875)
- Date
- 1875-12-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1124 Oesterr.- Ungarische Monarchie. Wien, 5. December. Der niederösterreichische Landesschulrath hat mit Erlaß vom 10. November d. I. dem Wiener Bezirksschulrathe folgenden Beschluß bekanntgegeben: „Mit Bezug auf die anhergestellte Anfrage, ddo. 30. October 1875, wie die Kinder mosaischen Glaubens, welche sich nach ihrem Ritus am Sabbat und an ihren sonstigen Feiertagen von Handarbeiten enthalten sollen, an solchen Tagen in der allgemeinen Volks- und Bürgerschule bezüglich des Schreibens, Zeichnens und der weiblichen Handarbeiten behandelt werden sollen, wird dem Bezirksschulrathe eröffnet, daß die Confession eines Schülers kein Grund sein kann, ihn von der Beachtung der alle Schüler nach der Unterrichtsordnung und nach der Stundeneintheilung treffenden Arbeiten zu diSpensiren. Sollte es der'Lehranstalt thunlich erscheinen, die Lehrstunden so einzutheilen. daß an Samstagen und den sonstigen jüdischen Feiertagen die Notwendigkeit der bezeichneten Arbeiten für die Schüler entstele, so Ware gegen eine solche Eintheilung nichts zu erinnern." Dieser Erlaß wurde gestern den israel. Kindern in sämmtlichen Volks- und Bürgerschulen vorgelesen und wurden dieselben aufgefordert, zu schreiben , und nachdem die meisten von denen, die bis jetzt noch nicht geschrieben, es verweigerten, wurden sie nach Hause geschickt. In einer Schule vergaß sich der Lehrer so weit, daß er einem Schüler, weil er nicht schreiben wollte, eine Ohrfeige gab. Natürlich erregte das Vorgehen der meder-österr. Landesschulbehörde im Kreise der orthodoxen Juden. die ihre Kinder streng jüdisch erziehen wollen, Sensation, und Alles fragt sich: woher auf einmal dieses mytcn? Ist etwa eine reactionäre Regierung im Anzuge? Doch die Welt höre weiter und staune! Im nieder-österr. Landesschulrathe sitzt ein Jude und zwar Herr vr. Maximilian Engel, zugleich Vorstandsmitglied der hiesigen Reformgemeinde. im städtischen Bezirksschulrathe sitzen Juden und zwar die Herren vr. Kompert, Or. Mosenthal, Ludwig Aug. Frankel, fämmtlich Mitglieder des Vorstandes der Reformgemeinde (letzterer auch Beamter derselben). Wir sind wohl berechtigt, zu behaupten , daß obiger Erlaß mit deren Gutheißung erflossen ist. Der Vorstand der hiesigen Reformgemeinde selbst ist es gewesen, der sich in einer Eingabe an obigen Schulrath betreffs Befreiung der israel. Kinder vom Schulunterrichte an den Festtagen des Jahres (an 13 Tagen) über mw folgendermaßen sich geäußert : »Von dem dogmatischen Verbote, am Sabbat zu schreiben, sind wir nicht in der Lage, Dispens zu ertheilen und muß die Beachtung oder Nichtbeachtung dieses Verbotes dem freien Ermessen der Schüler oder richtiger der Eltern derselben anheimgestellt bleiben." Dieß die Worte eines CultnSvorstandes einer angeblich iSrael. (?) Gemeinde. Kann da der Schulrath anders handeln, wenn sich der jüdische (?) Vorstand so äußert? Was soll der religiöse, aber unbemittelte Mann nunmehr thun? Privatunterricht kann er aus Mangel an Mitteln nicht geben lassen, feine Kinder aber muß er unterrichten lassen, und der neue Ukas? Vielleicht gibt die Mittheilung in Ihrem geschätzten Blatte die Veranlassung, daß Männer von Autorität, die noch ein Herz für die jüdische Religion haben, wie die Herren Moritz Ritter v. Königswarter (der. wie man mir sagte, persönlich beim Direetorat des Pädagogiums ansuchte, seinen Sohn vom Schreiben u. dergl. am Sabbat und an Festtagen zu dispensiren), Ritter v. P op p er und Ritter v. Epstein u. a. m. ihren großen Einfluß aufbieten, um diesen Ukas rückgängig zu machen. Abr. Donath. Frankreich. Paris, im Nov. (Monatsbericht der „All. Jsr. Univ.") Die Israeliten von Persien. — H. Lurion, Präs, des Comitös von Bagdad, theilt einen aus Hamadan in der Todesangelegenheit des Israeliten Jehuda an dieses Comitö gerichteten persischen Brief in der Uebersetzung mit: „Wir wollen hiermit der Alliance über unsere Lage Bericht erstatten und von dem in der isr. Gemeinde zu Hamadan stattgehabten Vorfall ein Resuma geben. Mirza Hadi Muchtahid, im Judenquartier wohnhaft, ist unser Feind; vor einigen Tagen befahl er ohne jeden Grund, daß ein Israelit Namens Eljahu Hakim eine Strafe von 300 Toman (3000 Frc.) zahlen solle; er wollte sogar eineJntrigue gegen hiesige Israeliten anspinnen, aber Gott hat uns gerettet. — Nachdem derselbe jedoch am Montag, den 5. Ab (16. August) eine Predigt gehalten, in welcher er auseinandersetzte, daß die Ausrottung der Juden eine Pflicht wäre, rotteten sich alle Muselmänner, die dieser Predigt beigewohnt, zusammen und führten den Israeliten Jehuda Baba Sema unter dem Vorwände einer begangenen Religionsschändung vor den gen. Muchtahid, der denselben zu tödten befahl. Sofort gab die Menge, ohne erst den Bescheid der Regierung abzuwarten, dem unglücklichen Israeliten mehrere tödtliche Hiebe und schleppte ihn sodann auf den