Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1875)
- Date
- 1875-12-15
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1122 schwierigkeit beruht auf der Unzuverlässigkeit der russischen Verhältnisse, welche es als sehr gewagt erscheinen ließen, eine zu dem in Rede stehenden Zwecke bestimmte größere Summe dorthin gelangen zu lassen. Die Postsicherheit ist zwar in Rußland so groß, wie in jedem anderen Lande, desto unzuverlässiger sind jedoch oft andere Beamten. Auf die geringste Denunziation hin, welche bei dem Widerstreit der Parteien unvermeidlich gewesen wäre, hatten vielleicht die Beamten das Geld, um selbst die Vertheilung zu bewirken, an sich genommen. Ob dann noch die Vertheilung im Sinne der Spender erfolgt wäre, dagegen möchten wir bescheidene Zweifel zu äußern uns unterfangen. Eine vierte Schwiegrigkeit bestand darin, den Prozentsatz zu finden, welcher für den Wiederaufbau der Gottes-, Lehr- und Gemeindehäuser abgesondert werden sollte. Starke Differenzen machten sich sowohl unter uns als auch unter Allen, die zur Mitrathung herangezogen wurden, geltend. Viele meinten zu diesem Zwecke gar nichts bewilligen zu sollen, im weitest gehenden Gegensätze zu dem Unterzeichneten» der gerne, und zwar aus rein humanen und wirthschaftlichen Gründen, fünfzig Prozent, die Hälfte aller Eingänge zum Wiederaufbau ganz besonders der Bothe-Midraschim zurückgelegt haben wollte. Um das zu verstehen , muß man die Bedeutung der Bothe-Midraschim in diesen über alle Begriffe armen, russischjüdischen Städten kennen Das Beth-Hamidrasch ist nicht etwa die Verkehrsftelle einer kleinen Anzahl Gelehrter behufs Talmud-Studiums. Gerade die wirklich Talmud-Gelehrten find dort nur selten zu finden. Es ist der Versammlungsort aller Welt besonders aber der Armen und Bedrängten, die dort Trost und Hilfe suchen und meistens auch finden, es ist der Ort, wo Jeder Erholung sucht nach der Tages Last und Mühe, wo jeder auch die geistige Nahrung findet, wie sie ihm genehm und angemessen ist, woselbst wenn der religiöse Geist des Ortes kein allzurigoroser ist, sogar jene halbpolitischen Zeitungen in hebräischer Sprache, wie „Maggid" und andere gehalten und gelesen werden; es ist der Ort, der für den Armen besonders im Winter ganz unersetzlich ist, dort wärmt er sich die erstarrten Glieder, wenn er zu Hause keine Feuerung hat, um sein Stübchen zu heizen. Die wenigen Kopeken, welche bei der Vertheilung, bei der so großen Zahl der Verunglückten, auf den Einzelnen entfallen, sind bald verbraucht, so ein Beth-Hamidrasch ist eine dauernde Wohlthat. Als endlich vor etwa drei Wochen ein Abgesandter der verunglückten Stadt hier eintraf, da konnte mit dessen Beirath, alle Schwierigkeiten umgehend, folgender Vertheilungsmodus festgestellt werden: Die Vertheilung wird gar nicht am Orte selbst bewirkt, sondern es regelt sie ein Comits angesehener Männer in Dünaburg, der dortige hochberühmte Rabbiner an der Spitze. Ein zum Comite gehöriges Geschäftshaus legt das nöthige Geld vor und macht sich wieder per Anweisung auf unfern Schatzmeister, Herr S. Bloch, bezahlt. Zum Wiederaufbau der Gottes- und Lehrhäuser werden 20 Prozent verwandt und so dürfen wir hoffen, daß die Verthei'ung auf das beste und gerechteste vor sich gehe. Schließlich wollten wir nur noch den Wunsch aussprechen, daß vorstehende Darstellung noch recht Viele veranlassen möge, zu den Sammlungen für die Unglücklichen beizusteuern. Jede Gabe ist für den Empfänger und den Geber eine seelenrettende That. Memel, Anfangs December 1875. Dr. Rülf. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. D e u l s ch l a n d. Fürth, 9. December. Herr Jsaac Offenbacher-Oppenheimer, vom Hause Joseph Offenbacher in Fürth, welcher eine Filiale in gleicher Firma in Paris besitzt, wurde von der französischen Regierung zum Consul ernannt und als solcher bestätigt. Grtdensberg, 9. December. Gestern wurde dahier ein gräßliches Verbrechen begangen; es wurde nämlich ein dreifacher Raubmord an dem hochbetagten Kaufmann Elias, dessen Frau und Dienstmädchen verübt. Gudensberg, 12. December. Heute fand unter abseitiger Betheiligung die Beerdigung der drei Ermordeten statt. Der Mörder, ein Knecht auf einem Bauernhöfe, ist ergriffen. Merkwürdigerweise brach der Kaffenschlüffel, dessen er sich bemächtigt hatte, ab, so daß der ganze Raub in vier Thalern bestand. Der sel. Elias zählte 88 Jahre; seine Frau war jünger. □ Berlin, 22. Nov. Wenn man in einer ultramontanen, judenfeindlichen Zeitung Dinge liest, die der Tendenz derartiger Preßerzeugnisse entsprechen, so darf und wird man sich hierüber nicht wundern, denn es war ja zu erwarten. Was soll man aber dazu sagen, wenn in der Beilage zu einem so freisinnigen Blatte, das sich „Bolkszeitung" nennt, nämlich in dem „Jllu-